Fußball-WM: Paraguay - Japan Variationen des Nichts

Nach 120 Minuten ohne Höhepunkte gewinnt Paraguay das Elfmeterschießen gegen Japan mit 5:3 und muss im Viertelfinale entweder gegen Spanien oder Portugal antreten.

Von Christian Zaschke, Pretoria

Noch einmal brandete Jubel auf im Stadion, als die Partie nach 120 langen Minuten beinahe vorüber war. War es Jubel der Erleichterung, weil das zähe, torlose Ringen nun bald ein Ende haben würde? Oder war es Jubel der Vorfreude aufs anstehende Elfmeterschießen? Das schöne an K.o.-Spielen ist ja bekanntlich, dass selbst die ödesten Darbietungen in ein dramatisches Finale münden, in die brutalste Form der Entscheidungsfindung, die es im Fußball gibt.

Mühten sich die Gegner eben noch in der Gruppe, elf gegen elf, kommt es plötzlich auf den einzelnen an; ganz am Ende ist es ein Mann, ein Schuss, und dann ist alles vorüber. Am Dienstag, beim Achtelfinale Japans gegen Paraguay, war es Oscar Cardozo, der den letzten Schuss sicher ins Netz setzte, 5:3 (0:0) nach Elfmeterschießen hieß es damit, was bedeutet, dass Paraguay ins WM-Viertelfinale gegen Uruguay einzieht. Dem Elfmeterschießen vorangegangen war ein Spiel der bemühten Langeweile.

In der WM-Vorrunden gibt es solch fade Spiele immer wieder einmal (man erinnere sich von diesem Turnier kurz und dann nie wieder an Schweiz - Honduras), aber in Achtelfinals sind sie eher selten. Das Aufeinandertreffen von Japan und Paraguay wirkte in der ersten Halbzeit wie Performance-Kunst: 22 Spieler und drei Schiedsrichter wirken in der Installation "Variationen des Nichts". Wobei das dem Schiedsrichter und seinen Assistenten gegenüber etwas unfair ist, denn das Gespann pfiff und winkte eifrig und mit gebotenem Ernst. Die Spieler führten die Partie jedoch, je nach Auslegung, eher taktisch oder eher gar nicht.

Bei solchen Gelegenheiten wird gern Franz Beckenbauer mit dem Bonmot zitiert, es gehe zu wie bei Untergiesing gegen Obergiesing, aber so aufregend war's dann auch wieder nicht. Es ging ganz einfach zu wie bei Japan gegen Paraguay, zwei nicht übermenschlich gut besetzten Teams, die als Kollektive funktionierten und ihre Stärken lange neutralisierten.

Als sich Mitte der ersten Halbzeit die pessimistischen Zuschauer bereits seelisch auf das Elfmeterschießen vorbereiteten, jagte plötzlich Daisuke Matsui den Ball aus 25 Metern an die Latte (21. Minute); das Torgestänge, so schien es, wackelte minutenlang, ein Wunder, dass es unter der Wucht des Schusses nicht zerborsten war. Das schmatzende Klatschen (oder war es eher ein klatschendes Schmatzen?) des Balles an der Latte mag manche Zuschauer wachgeküsst haben. Den aufmerksamen Beobachtern war es das Versprechen auf ein besseres Spiel.

Es wird weiter gerockt

mehr...