Von Thomas Kistner

Joachim Löw hat für einen neuen Vertrag alle Fäden in der Hand, er weiß nur nicht, ob dem DFB zu trauen ist. Der Verband und sein Präsident Theo Zwanziger hängen in der Warteschleife.

Arg verschnupft wirkte Joachim Löw am Ende der Unternehmung Südafrika, was nur zum Teil der Erkältung geschuldet ist, die er sich in den letzten WM-Tagen zuzog. So düster in sich geruht hatte der Bundestrainer letztmals im Februar, damals war Bild, der Hauspostille der DFB-Oberen, zu entnehmen, dass er und Manager Oliver Bierhoff unverschämte Vertragsforderungen für die Zeit nach der WM gestellt hätten. Ein gewaltiger Streit hob an, der DFB schickte Löw ein zweitägiges Vertrags-Ultimatum zum 50. Geburtstag, im Gegenzug stellte der Coach öffentlich klar, dass es den "Handschlags-Vertrag", den DFB- Boss Theo Zwanziger schon Mitte Dezember - via Bild - verkündet hatte, nie gab.

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Umarmung nach dem Spiel um Platz drei: Joachim Löw und Theo Zwanziger. (© dpa)

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Am Ende rauften sich alle zusammen, Löw, Bierhoff, Zwanziger und der fein am Boulevard vernetzte Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Die Verbandsleute geißelten sich für Löcher im Betrieb, durch die ein nicht näher benannter "Maulwurf" (Niersbach) ständig Interna nach außen trage - das sei künftig zu verhindern. Die Verhandlung mit Löws Stab aber wurde auf die Zeit nach der WM vertagt. Vom DFB, nicht von Löw.

Nun ist es so weit. Die Entscheidung steht an, nur hat sich der Wind gedreht. Zwanziger ist stark unter Druck, er hat nicht nur im Fall Löw/Bierhoff schwach agiert, sondern auch in der Schiedsrichter-Affäre. Die steht ganz am Anfang. Strafermittlungen gegen den vom DFB sexueller Übergriffe geziehenen Manfred Amerell wurden eingestellt, nun strengt der Funktionär selbst Prozesse an, gegen Widerpart Michael Kempter und den DFB. Dieser stuft Kempter, den Zwanziger gar öffentlich als leuchtendes Beispiel für Zivilcourage verkauft hatte, wegen persönlicher Unreife in Liga drei zurück. Peinlich ist das bereits, teuer kann es werden. Im Oktober wird auch noch gewählt im DFB, und sein privilegiertes Amt will Zwanziger behalten.

Hingegen Löw: Er hat eine fulminante WM hingelegt. Wer ihn oder seine Leute in Frage stellen will, würde eine veritable Staatsaffäre auslösen. Zwanziger umbalzt Löw seit Turnier-Beginn. Der Trainer kann die Bedingungen für ein neues Vertragswerk diktieren, Personen wie Preise. Ersteres ist pikant, weil die DFB-Spitze womöglich erneut Leute schlucken muss, die sie gern draußen gesehen hätte. Manager Bierhoff, Ziel steter Stichelei seit dem Burgfrieden. Oder Pressechef Harald Stenger, dem schon vor WM-Abreise das Aus zum Jahresende verkündet worden war.

Eine zweite Schlappe für den DFB kündigt sich bei den Finanzen an: Sollte das Gesamtpaket Löw, Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartrainer Köpke künftig ein bis zwei Millionen Euro teurer pro Jahr werden, hätte man sich den damaligen Krach um neue Verträge sparen können; in dem Bereich wäre eine Einigung drin gewesen. Oder wird es nun teurer?

Löw treiben nicht die Zahlen um. Er fragt sich, wie opportunistisch die neue Herzlichkeit der Bosse ist, ob echtes Umdenken stattgefunden hat. Bisher beantwortete sich das Quartett diese Frage mit Nein. Etwa, als Liga-Chef Reinhard Rauball vorm Halbfinale ganz im DFB-Sinne argwöhnte, die Nationalelf wolle sich vom Verband abkoppeln. Auch werde er die Kosten überwachen.

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