Fußball DFB-Chef will "europaweit mehr Kontrolle" bei Ticketvergabe

"Wir müssen gemeinsam mit den europäischen Verbänden über die Ticketvergabe diskutieren und Wege finden, die europaweit mehr Kontrolle gewährleisten": DFB-Präsident Reinhard Grindel.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Reinhard Grindel spricht sich nach dem Nazi-Eklat in Prag für schärfere Zugangsbestimmungen in Europas Stadien aus. Neben Paris droht auch Manchester City Ärger mit der Uefa.

Fußball: Nach dem Fan-Eklat beim Spiel der deutschen Nationalelf in Prag will DFB-Präsident Reinhard Grindel schärfere Zugangsbestimmungen in europäischen Fußball-Stadien erwirken. "Wir müssen gemeinsam mit den europäischen Verbänden über die Ticketvergabe diskutieren und Wege finden, die europaweit mehr Kontrolle gewährleisten", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes dem kicker (Montag). Grindel will bei der Exekutivsitzung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) am 20. September einen entsprechenden Vorstoß unternehmen.

Ein Teil der in Prag mit rechtsextremen Parolen aufgefallenen Problemfans hat sich laut Grindel illegal Zugang zum Stadion verschafft. Vor dem WM-Qualifikationsspiel sei "eine ganze Reihe dieser Leute gewaltsam ins Stadion gekommen, indem sie einen Blocksturm gemacht haben", sagte Grindel in der SWR-Sendung Sport im Dritten. Er sprach von 200-300 Problemfans, vor denen der DFB vorab gewarnt gewesen sei. "Das ist eine Klientel, die den Verbindungsbeamten der Polizei bekannt war. Die haben wir ab und an auch bei Bundesliga-Spielen in den Stadien", sagte Grindel. Er forderte "alle Leute, die den Fußball lieben", auf, sich klar zu distanzieren. Offen war zunächst noch, ob die zuständigen Verbände Ermittlungen wegen der Vorfälle in Prag einleiten. Der Weltverband Fifa wollte zunächst den offiziellen Spielbericht prüfen, wie es auf Anfrage am Montag hieß. Erst dann könne über mögliche Sanktionen entschieden werden.

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Die Dresdner Polizei hat nach dem Nazi-Eklat rechtsextremer deutscher Problemfans Ermittlungen eingeleitet und einige Stadionbesucher identifiziert. Die Beamten untersuchten öffentliches Bild- und Videomaterial. Dadurch wurden bislang 13 Personen aus dem Umfeld der Dresdner Fanszene als Stadionbesucher identifiziert. Zwei von ihnen haben laut Polizeipräsident Horst Kretzschmar vor dem Spiel Gefährderanschreiben von der Polizei erhalten. Es sei jedoch nicht bekannt, ob den identifizierten Personen Straftaten vorgeworfen werden. Nach Angaben der Prager Polizei gab es bis zum Montag keine Ermittlungen in der Sache.

"In erster Linie identifizieren unsere Ermittler Personen, die sich während des Spiels im Prager Stadion aufhielten. Wir gehen damit in Vorleistung für den Fall, dass uns die zuständigen Behörden mit strafrechtlichen Ermittlungen beauftragen", äußerte Kretzschmar. Der Polizeipräsident will indes weitere Maßnahmen zur Identifizierung und Kontrolle der Fangruppen in Betracht ziehen: "Da Gefährderanschreiben allein offensichtlich nicht in jedem Fall von einer Anreise abhalten, werden wir zukünftig auch Meldeauflagen als weiteren präventiven Baustein prüfen", betonte Kretzschmar: "Voraussetzung dafür sind allerdings konkrete Erkenntnisse, die eine entsprechende Gefahrenprognose erlauben." Neben dem offiziell organisierten Fanblock hatte es in der Prager Eden Aréna eine Zelle von etwa 200 Personen gegeben, die beide Nationalhymnen und eine Schweigeminute störten. Vereinzelt waren "Sieg Heil"-Rufe zu hören, der deutsche Nationalspieler Timo Werner (RB Leipzig) wurde beschimpft.

Die DFB-Verantwortlichen forderten nach den Szenen von Prag einhellig, die Problemfans auszugrenzen. "Diese Leute, die Neonazi-Sprüche machen, die andere zum Teil menschenverachtend beleidigen - gehört das zur Fankultur oder nicht? Ich bin der Auffassung, es gehört nicht zur Fankultur", sagte Grindel am Sonntagabend im SWR. Alle friedlichen Fans sollten den Krawallmachern "die Rote Karte zeigen", meinte Grindel.

Fußball: Neben Paris St. Germain droht nun auch dem englischen Spitzenverein Manchester City Ärger vonseiten der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Die Verantwortlichen der spanischen Liga um Präsident Javier Tebas haben die Uefa zu einer Untersuchung aufgefordert. Der Verband soll klären, ob der Klub von Teammanager Pep Guardiola gegen das Financial Fair Play (FFP) verstoßen hat.

Gegen Paris hat die Uefa nach den jüngsten Rekordtransfers des Brasilianers Neymar und des Franzosen Kylian Mbappé bereits ein förmliches Prüfverfahren eingeleitet. Manchester hat in der zu Ende gegangenen Transferperiode 234 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. PSG (Katar) und City (Abu Dhabi) gehören regierungsnahen Investoren aus dem Nahen Osten. Dies moniert Tebas: "Finanzierung durch staatliche Beihilfen verzerrt den europäischen Wettbewerb und schafft eine Inflationsspirale, die die Fußball-Industrie irreparabel schädigt."

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