Fußball-Bundesliga: Meister VfL Wolfsburg Wo ist der Haken?

Selbst Traditionalisten zweifeln nicht daran, dass der VfL Wolfsburg zu Recht Deutscher Meister ist. Doch Felix Magath bleibt wohl auch sich selbst ein Rätsel.

Ein Kommentar von Philipp Selldorf

Man darf annehmen, dass Felix Magath weder erpresst noch mit Waffengewalt gezwungen wurde, bevor er sich bereit erklärte, dem Bayerischen Rundfunk fünf Tage vor dem Saisonfinale ein Interview auf dem Münchner Rathausbalkon zu geben. Er hat es freiwillig getan, und er hat gewusst, dass die Welt im Allgemeinen und der FC Bayern im Besonderen darin eine Provokation sehen würden.

Einen Tag später hat Magath dann behauptet, er bereue seine Tat, und wieder musste das Publikum rätseln: Bereut er wirklich? Weiß er denn nicht, was er tut? Oder macht er sich nur über alle Schlaumeier und das ganze Fußballshowgeschäft mit seinen albernen Debatten lustig? Jede dieser Fragen zu bejahen, ist wohl nicht verkehrt.

Wahrscheinlich ist Felix Magath nicht nur der ganzen Welt ein Rätsel, sondern auch sich selbst. Der Kauz bleibt ein Kauz, er weiß nicht, womit er sich morgen überraschen wird. Dass er ständig neue Widersprüche zu sich selbst schafft, ist eine Fähigkeit. Er hat nicht geplant, mit Wolfsburg Meister zu werden, aber dieser Titelgewinn ist das Ergebnis seines Planens.

Felix Magath hat sich damit für einen Platz in der Ahnengalerie der großen Bundesligatrainer qualifiziert, sein Portrait gehört in die Nähe seiner Lehrmeister und Vorbilder Ernst Happel und Branko Zebec, während zum Beispiel das Bild des Pragmatikers Ottmar Hitzfeld in einem anderen Saal hängt.

Magath hat sich in diesem Triumph vollendet, er hat die Mannschaft selbst gebaut und sie geschickt durch die gefährliche Schlussphase manövriert. Seine fußballerische Lehrmeinung, zu Münchner Zeiten am Ende bezweifelt, hat in einem unkomplizierten Stil und 80 Toren Ausdruck gefunden. Schon während der weniger erfolgreichen Hinrunde war das Spiel des VfL eine Bereicherung, es fiel bloß nicht auf, weil diese Saison so viel aufregendes Schauspiel bot. Ständig wogte sie hin und her: Die Bayern niemals Erster, dafür Schalke, Leverkusen, Hamburg, Hoffenheim, Hertha. Jeder Verein, die Niemandslandklubs Köln, Frankfurt, Hannover inbegriffen, hat sein eigenes Drama erlebt. Und wie in diesen Büchern, die man nicht mehr weglegen kann, blieb es bis zur letzten Seite spannend.

Die Frage, ob das 46. Bundesligajahr einen würdigen Titelgewinner hervorgebracht hat, erübrigt sich. Die Werkself des VfL Wolfsburg wurde zu Recht geehrt. Nicht mal die Traditionalisten dürften da widersprechen. In Deutschland ist man zwar stets geneigt, zu fragen: Wo ist der Haken? Aber, verdammt noch mal, es findet sich einfach keiner.

Duschen für den Titel

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