Selbst Traditionalisten zweifeln nicht daran, dass der VfL Wolfsburg zu Recht Deutscher Meister ist. Doch Felix Magath bleibt wohl auch sich selbst ein Rätsel.
Man darf annehmen, dass Felix Magath weder erpresst noch mit Waffengewalt gezwungen wurde, bevor er sich bereit erklärte, dem Bayerischen Rundfunk fünf Tage vor dem Saisonfinale ein Interview auf dem Münchner Rathausbalkon zu geben. Er hat es freiwillig getan, und er hat gewusst, dass die Welt im Allgemeinen und der FC Bayern im Besonderen darin eine Provokation sehen würden.
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Trinkt er da wirklich Alkohol? Oder ist alles nur ein Schein? Felix Magath, der Teetrinker, ist schwer zu durchschauen. (© Foto: dpa)
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Einen Tag später hat Magath dann behauptet, er bereue seine Tat, und wieder musste das Publikum rätseln: Bereut er wirklich? Weiß er denn nicht, was er tut? Oder macht er sich nur über alle Schlaumeier und das ganze Fußballshowgeschäft mit seinen albernen Debatten lustig? Jede dieser Fragen zu bejahen, ist wohl nicht verkehrt.
Wahrscheinlich ist Felix Magath nicht nur der ganzen Welt ein Rätsel, sondern auch sich selbst. Der Kauz bleibt ein Kauz, er weiß nicht, womit er sich morgen überraschen wird. Dass er ständig neue Widersprüche zu sich selbst schafft, ist eine Fähigkeit. Er hat nicht geplant, mit Wolfsburg Meister zu werden, aber dieser Titelgewinn ist das Ergebnis seines Planens.
Felix Magath hat sich damit für einen Platz in der Ahnengalerie der großen Bundesligatrainer qualifiziert, sein Portrait gehört in die Nähe seiner Lehrmeister und Vorbilder Ernst Happel und Branko Zebec, während zum Beispiel das Bild des Pragmatikers Ottmar Hitzfeld in einem anderen Saal hängt.
Magath hat sich in diesem Triumph vollendet, er hat die Mannschaft selbst gebaut und sie geschickt durch die gefährliche Schlussphase manövriert. Seine fußballerische Lehrmeinung, zu Münchner Zeiten am Ende bezweifelt, hat in einem unkomplizierten Stil und 80 Toren Ausdruck gefunden. Schon während der weniger erfolgreichen Hinrunde war das Spiel des VfL eine Bereicherung, es fiel bloß nicht auf, weil diese Saison so viel aufregendes Schauspiel bot. Ständig wogte sie hin und her: Die Bayern niemals Erster, dafür Schalke, Leverkusen, Hamburg, Hoffenheim, Hertha. Jeder Verein, die Niemandslandklubs Köln, Frankfurt, Hannover inbegriffen, hat sein eigenes Drama erlebt. Und wie in diesen Büchern, die man nicht mehr weglegen kann, blieb es bis zur letzten Seite spannend.
Die Frage, ob das 46. Bundesligajahr einen würdigen Titelgewinner hervorgebracht hat, erübrigt sich. Die Werkself des VfL Wolfsburg wurde zu Recht geehrt. Nicht mal die Traditionalisten dürften da widersprechen. In Deutschland ist man zwar stets geneigt, zu fragen: Wo ist der Haken? Aber, verdammt noch mal, es findet sich einfach keiner.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 25.05.2009)
Führungsstreit der Linken
Den Kommentar von Philipp Selldorf finde ich gut. Ich hoffe nun, dass es niemals mehr einen langweiligen Alleingang des FC Bayern geben wird. Ich habe durchaus nichts gegen gute Leistungen des FCB; aber alleine sollte er sie nicht mehr bringen dürfen. Wenn´s nach Hoeness geht, dann wollen angeblich zwar nach wie vor ALLE Spieler unbedingt und ausschließlich zu Bayern, Und er tönt nach wie vor:" Wir kriegen jeden, den wir wollen!" Ist das aber wirklich noch so? Ich hoffe nicht! Zu Ribéry habe ich meine eigene Meinung. In anderen Kommentaren habe ich die schon gefunden. Darum sage ich zu diesem Thema nichts!
Drei (!) Einträge. Sind wir schon im Sommerloch? Oder wird hier kräftig verdrängt, dass das Abschneiden dees FC Bayern nicht nur Klinsmann anzukreiden ist? Wie immer,- wenn der Uli eigentlich in der Mitverantwortung ist -, entzieht er sich dieser durch Ablenkungsmanöver.
Die Auftritte des VfL Wolfsburg im UEFA-Cup waren in Summe gesehen alles andere als "mehr als mäßig". Die Gruppenphase haben die Wolfsburger mit 3 teils deutlichen Siegen und einem Unentschieden gewonnen. Vor dem AC Mailand übrigens. Die Spiele gegen PSG waren auch keinesfalls so deutlich, wie es das Ergebnis auszudrücken scheint. Was den VfL in der CL kommende Saison angeht, wage ich keine Prognosen, da durch den Abgang von Magath erstmal abgewartet werden muss, inwiefern die Mannschaft nächste Saison noch irgendwas mit der jetzigen zu tun hat. Angenommen, die aktuelle Meistermannschaft bestreitet auch die nächste Saison für den VfL, dann wüsste ich nicht, warum die Wolfsburger schlechter abschneiden sollten als die Bayern. Die bessere Mannschaft hatten sie diese Saison allemal.
Welch ein dümmlicher Kommentar, basierend auf ein Ereignis, dessen Entstehung Magath im Doppelpass live erläutert hat. Auch kluge Menschen wir Magath machen nicht alles richtig, aber sie sind in der Lage zu reflektieren - was der Schreiberling hier auch dringend vornehmen sollte.
Felix Magath nicht zu begreifen ist keine Schande, aber dann sollte man den Griffel besser stecken lassen.
Glückwunsch nach Wolfsburg zur verdienten deutschen Meisterschaft. Anknüpfend an Herrn Selldorfs zutreffende Analyse müssen die Wölfe aber auch alles daran setzen, diesen feinen Erfolg nicht nachträglich durch lustloses Abschenken künftiger Campions-League-Spiele zu relativieren. Die mehr als mäßigen Uefa-Cup-Auftritte des VfL in dieser Saison geben mir ebenso Grund zu dieser Sorge, wie der - vom künftigen Trainer Armin Veh mit zu verantwortende - internationale Totalausfall des VfB Stuttgart im Jahr nach der Meisterschaft von 2007. Einem deutschen Meister darf es nicht genügen, mit Blick auf einen etwaigen Spannungsabfall oder die immer gern bemühte Doppelbelastung in der Saison danach die Champions League lediglich als Einnahmequelle zu verstehen. Ich erwarte, dass die Mannschaft und der neue Trainer im kommenden Jahr mit aller Ernsthaftigkeit auch international auftreten.