Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel "Das ist für uns alle ein Sicherheitsrisiko"

"Die Reifen lösen sich ohne Fremdeinwirkung praktisch auf": Sebastian Vettel

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Vor dem Großen Preis von Kanada verschärft Weltmeister Sebastian Vettel die Kritik an den Reifen. Im Interview mit der SZ stuft er die Entscheidungen der Formel-1-Veranstalter als gefährlich ein. Auch für die womöglich illegale Testfahrt von Mercedes zeigt Vettel kein Verständnis.

Von Michael Neudecker

Der dreimalige Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel hat vor dem Großen Preis von Kanada an diesem Sonntag erneut starke Kritik an den Reifen des Einheitslieferanten Pirelli geäußert. "Die Reifen lösen sich ohne Fremdeinwirkung praktisch auf, sie verlieren komplett die Lauffläche, das ist für uns alle ein Sicherheitsrisiko", sagte Vettel in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.

Er verstehe nicht, weshalb der Hersteller für das Rennen in Montreal am Sonntag nicht wie ursprünglich vorgesehen neue Reifenmischungen anbiete, sondern vorerst nur im Training einen neuen Satz zur Verfügung stelle. "Das ist ein bisschen ein Kasperletheater, ich weiß nicht, wer dafür verantwortlich ist", sagte der Heppenheimer. Dass es gerade auf einer schnellen Strecke wie Kanada keine neuen Reifen gebe, sei für ihn "nicht erklärbar". Ohnehin sei er der Meinung, dass das Reifenthema derzeit zu dominant sei, der Einfluss der Reifen sei zu groß: "Man muss aufpassen, dass die Formel 1 nicht komplett zur Show wird." Ein Überholmanöver müsse ein Überholmanöver bleiben, "es darf kein künstlicher Vorgang sein, der aufgrund der Reifen zustande kommt".

Zudem sehe er den womöglich illegalen Reifentest von Mercedes kritisch, über den seit dem Rennen von Monaco vor einer Woche debattiert wird. An jenem Wochenende war bekannt geworden, dass der Stuttgarter Autobauer nach dem Rennen in Barcelona einen 1000-Kilometer-Test im Auftrag von Pirelli durchgeführt hatte, obwohl Testfahrten während der Saison in der Formel 1 seit 2009 verboten sind. Mercedes habe keinen Vorteil, beteuern sowohl der Rennstall als auch der Reifenbauer, Vettel aber hat daran Zweifel: "Jeder Testkilometer bringt Vorteile. Dazu kommt: Mercedes hatte die Möglichkeit, Reifen zu testen, die wahrscheinlich in Silverstone zum Einsatz kommen werden."

Die Leidenschaft am Rennsport haben Vettel die vielen Debatten allerdings nicht verdorben. Zumal die Formel 1 nach wie vor "extrem spannenden Sport" biete und sich außerdem dadurch auszeichne, "dass sie technisch auf höchstem Niveau ist. Die Autos haben etwas mit Raumschiffen zu tun, vielleicht sogar mehr als mit Autos." Um mit den immensen Kräften und der psychischen Belastung während eines Rennens standzuhalten, trainiere er mit verschiedenen Kombinationsübungen, etwa: "Auf einem Pezziball sitzen oder liegen und parallel dazu Rechenaufgaben lösen."

Im Hinblick auf die Einführung der neuen Motoren für 2014 allerdings warnte Vettel, zu große Veränderungen könnten den Charakter des Sports zu seinem Nachteil verändern. "Die Streif in Kitzbühel muss immer irgendwie gefährlich sein, und ein Formel-1-Auto muss laut sein, es muss ein Erlebnis sein, so ein Auto zu hören", sagte der 25-Jährige, "und die Formel 1 muss brutal sein, die Kräfte, die wirken, müssen außergewöhnlich sein."

Das ganze Interview lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung, auf dem iPad und Windows 8.