Fifa-Ethikkommission Wenn die Fifa in der SZ-Kinderzeitung recherchiert ...

Joseph Blatter (li.) und Michel Platini: Nicht so sehr im Fokus der Ethikkommission

(Foto: dpa)

... dann wird plötzlich ein längst bekannter Skandal zum Anlass genommen, gegen den Südkoreaner Chung Mong-joon zu ermitteln. Er ist schließlich ein Blatter-Herausforderer.

Kommentar von Claudio Catuogno

An jedem Wochenende liegen der SZ vier Seiten für Kinder bei, die allerdings auch von Erwachsenen gelesen werden, im Idealfall mit Erkenntnisgewinn. So hat die Ethikkommission der Fifa kürzlich jene Ausgabe akribisch studiert, in der versucht wurde, die Skandale rund um den Fußball-Weltverband mal kindgerecht zu erklären. In dem Text wurde auch erwähnt, dass in den Neunzigerjahren, als der Fifa-Vorstand die WM 2002 nicht nur an Japan, sondern auch an Südkorea vergab, ein "brasilianischer Fifa-Mann" kurz darauf im Besitz eines "Hyundai-Autohauses" war. Hyundai ist eine südkoreanische Firma. Den Rest mussten sich die Kinder (und die Fifa-Ethiker) dazudenken.

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Dass Fifa-Männern (das Wort "Funktionär" sollte in Kinderzeitungen vermieden werden) plötzlich Autohäuser gehören, ist nicht ungewöhnlich. Wobei man auch da präzisieren muss: Fifa-Vorstand Worawi Makudi geriet einst in den Verdacht, kurz nach der Vergabe der WM 2006 an Deutschland an eine Mercedes-Niederlassung gekommen zu sein, was der Thailänder aber widerlegen konnte. Der Laden war gar nicht auf ihn zugelassen. Sondern auf seine Frau. Alles korrekt gelaufen also! In diesem Fall, nennen wir ihn "Causa Kinderzeitung", meldete sich nun allerdings die Ethikkommission bei der SZ mit der Bitte um weitere Angaben. Wer ist der "brasilianische Fifa-Mann"? Wo liegt das Autohaus?

Es spricht natürlich unbedingt für dieses Gremium, dass es wirklich alle Fachpublikationen auszuwerten scheint, nicht nur Fix&Foxy und das Prinzessin Lillifee Magazin, sondern auch die SZ für Kinder. Überall könnten sich ja Hinweise verbergen! Wobei wiederum angemerkt werden muss: Der Autohaus-Deal von Brasiliens Verbandschef Ricardo Teixeira ist seit Jahren bekannt, dokumentiert sogar in Publikationen, die überwiegend von Erwachsenen gelesen werden. Und es gibt wahrlich ein paar größere Skandale im Fifa-Kosmos, die der Bearbeitung durch die Ethikkommission harren.

Warum also der plötzliche Eifer? Hat er damit zu tun, dass ein gewisser Chung Mong-joon, 63, Spross der Hyundai- Dynastie und seinerzeit eine Art Cheflobbyist für Südkoreas WM-Ambitionen, gerade für das Amt des Fifa-Präsidenten kandidiert? Für jenes Amt also, das doch vom Fußballgott persönlich auf Lebzeiten an Sepp Blatter verliehen ist, strafrechtliche Ermittlungen hin oder her?

Chung will Fifa-Chef werden - nun wird gegen ihn ermittelt

Chung hat die Ethikkommission nun als "Blatters Hitman" bezeichnet, als Blatters "Auftragskiller", der sich immer nur die Gegner des Chefs vorknöpft, nie den Chef selbst. Und tatsächlich: Das Gremium ermittelt inzwischen offiziell gegen Chung. Wobei noch ungeklärt ist, ob da die "Causa Kinderzeitung" eine Rolle spielt. Bisher ist nur bekannt, dass Chung rund um Südkoreas Bewerbung um die WM 2022 Fifa-Kollegen über 700 Millionen Dollar "Entwicklungshilfe" angeboten haben soll. Aber gegen Entwicklungshilfe, findet Chung, kann man doch eigentlich nichts haben, oder?

Nein, es wäre wohl nicht sehr schlimm, sollte die Ethikkommission Chung noch vor der Wahl am 26. Februar, nun ja: zur Strecke bringen. Schlimm ist, dass Chung Recht zu haben scheint mit seiner Einschätzung. Dass am Ende kein Kandidat mehr lebendig auf der Bühne stehen könnte - außer Blatter.

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