Beim Fankongress in Berlin gab es vor allem bei der Frage, ob Pyrotechnik erlaubt werden soll, kaum Annäherung zwischen den Fan-Vertretern und dem DFB. Manche Fans drohten an, bei einem Verbot erst recht im Stadion zündeln zu wollen.
Beim bisher größten jemals von Fans organisierten Kongress sind die Fronten zwischen Deutschem Fußball-Bund (DFB) und Anhängern in der Frage der Pyrotechnik in den Stadien verhärtet geblieben. "Wir bieten den Dialog bei allen Problemfeldern an, nur nicht mehr in Sachen Pyrotechnik. Diese Angelegenheit ist mit dem DFB-Präsidiumsbeschluss entschieden", erklärte der DFB-Fanbeauftragte Gerald von Gorissen am Samstag im ehemaligen Berliner Kino Kosmos.
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Beim Fankongress in Berlin diskutieren Vertreter von Fanprojekten mit Funktionären von Verbänden und Vereinen. (© dpa)
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Von den Fangruppen wurde das Ende des Dialogs in dieser Frage nicht akzeptiert. "Wir machen uns Sorgen, dass nun die gemäßigten Gruppen in der Szene bald kein Gehör mehr finden und sich radikale Meinungen durchsetzen, wenn die Fronten auch in Zukunft so verhärtet sind", entgegnete Stephan Schnell von "Wilde Horde Köln".
Andere Fans drohten an, nun erst recht ihre Bengalos im Stadion zu zünden. Von Gorrissen gab zu, dass der DFB keine Patentlösung für den Konflikt in der Schublade hat. "Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert hat eher ein großes Fragezeichen auf der Stirn als ein Ausrufezeichen", sagte der Fan-Beauftragte. "Aber es darf nicht sein, dass sich die Aufwärtsspirale immer weiter dreht. Wenn Hass und Aggressivität steigen, wäre das sehr bedenklich", warnte von Gorrissen.
Hendrik Große Lefert stellte sich in der Diskussionsrunde zu Stadionverboten den kritischen Fragen der Fans, zum Thema Pyrotechnik diskutierte er jedoch nicht öffentlich mit den Anhängern. Bereits zuvor hatte er den strikten Kurs des DFB bestätigt, dass Pyrotechnik im Stadion zu gefährlich sei und es keinen Dialog mehr geben werde.
Schon bei der Kongress-Eröffnung vor insgesamt rund 400 Anhängern aus allen Profivereinen Deutschlands sowie einigen Vertretern von Teams aus der 3. und 4. Liga hatte Philipp Markhardt, Sprecher der Initiative ProFans, das Anliegen der Fußball-Fans auf den Punkt gebracht: "Populistische Forderungen nach höheren Bestrafungen sind ebenso wenige zielführend wie unüberlegte Alleingänge der Fanszene", sagte er und hatte dabei gewalttätige Vorkommnisse von Fans in jüngster Vergangenheit im Blick.
"Es ist völlig legitim von Veranstaltern, Verfahren gegen alle einzuleiten, die die Sicherheit in den Stadien gefährden", meinte Große Lefert und rechtfertigte damit die Stadionverbote, die nach Ermittlungen der Polizei von den Vereinen durchgesetzt werden müssen.
Hingegen bezeichnete Marco Noli von der AG-Fananwälte die Stadionverbote als "Ersatz-Strafrecht" und eher als "Taschenspieler-Trick" denn als präventive Maßnahme. Oftmals würde es zu Vorfällen nicht in den Stadion, sondern bei der Anreise der Fans kommen. Für einige Vertreter von Fan-Initiativen sind Stadionverbote überhaupt kein probates Mittel, Gewalt zu verhindern.
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(dapd/jüsc)
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