European Games in Baku Umstrittene Spiele beim Diktator

Militärpräsenz und futuristische Bauten - willkommen in Baku.

(Foto: Tofik Babayev/AFP)

Im Juni werden erstmals die Europaspiele ausgetragen - ausgerechnet in Aserbaidschan. Doch nicht nur der Austragungsort ist umstritten.

Von Saskia Aleythe

Niemand soll sagen, dass Aserbaidschans Staatschef unsportlich ist. Zur Eröffnung eines neuen Ski-Resorts am Mount Shahdagh schnallten sich Ilham Aliyev und seine Frau Mehriban Aliyeva selbst die Skier an. Unfallfrei ging es den Hügel hinab.

Aliyev und seine Gattin haben schon lange Sehnsucht nach großem Sport. In knapp vier Monaten soll diese nun vorerst befriedigt werden. Nicht im Ski-Resort, sondern in Baku selbst: Dort werden am 12. Juni die ersten Europaspiele der Geschichte eröffnet. Eine Art Olympische Spiele, mit weniger Sportarten und ausschließlich europäischen Athleten. Das Präsidentenpaar ist zufrieden, Sportler, Funktionäre und Beobachter weniger. Denn wenn es um die Hitliste der umstrittenen Austragungsorte geht, ist Aserbaidschan nicht weit von Katar entfernt.

Sepp Blatter unter Tyrannen

Human Rights Watch kritisiert nicht nur Diktaturen dieser Welt heftig, sondern auch den Sport. Fifa-Chef Blatter und IOC-Boss Bach wird das nicht gefallen. Dabei tut ihnen die Menschenrechtsorganisation etwas Gutes. Ein Kommentar von Lisa Sonnabend mehr ... Kommentar

Im jüngst veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wird Aserbaidschans Umgang mit Regimekritikern angeprangert. Inhaftierungen, Bedrohungen, Konten einfrieren - Journalisten oder Aktivisten, die nicht im Sinne der politischen Staatsmacht handeln, werden in Aliyevs Staat nicht geduldet. Die Organisation Reporter ohne Grenzen listet jährlich die Länder geordnet nach der tatsächlichen Pressefreiheit auf - Aserbaidschan belegte 2014 Rang 160. Von 180.

Was die Diktatorenfamilie von solchen Ranglisten hält, zeigte sie vor zwei Monaten: Aserbaidschans führende Investigativ-Journalistin Khadija Ismajilowa wurde inhaftiert. Der Anlass laut Gericht in Baku: Sie soll einen anderen Reporter zu einem Suizidversuch getrieben haben. Was aber wahrscheinlich größtes Interesse im Hause Aliyev geweckt hat: Ismajilowas Recherchen zu den Verstrickungen der Familie in Offshore-Geschäfte. Ein Dutzend Journalisten und Blogger sitzen derzeit in Gefängnissen in Aserbaidschan.

Warum das Ereignis überhaupt nach Baku vergeben wurde? Ende 2012 stimmten 38 der 49 europäischen NOKs für die Europaspiele - und damit automatisch für Aserbaidschan. Einen anderen Bewerber gab es gar nicht. Die Bewerbungen für die Olympischen Spiele 2016 und 2020 waren für Aserbaidschan erfolglos verlaufen, nun hatten sie endlich ihr Großereignis bekommen.