Eishockey-WM "Da müssen wir einfach alle einen besseren Job machen"

Hat das deutsche Eishockey vorangebracht: Bundestrainer Marco Sturm

(Foto: dpa)
  • Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft unterliegt Kanada im WM-Viertelfinale mit 1:2 (0:1, 0:1, 1:0).
  • Bundestrainer Marco Sturm kritisiert die Strukturen des deutschen Eishockeys, die ein erfolgreicheres Abschneiden verhindern.
  • Der DEB muss nun versuchen, die richtigen Lehren aus der Leistung zu ziehen.
Von Daniel Timm

Über solche Schüsse lacht Dennis Seidenberg normalerweise. Der NHL-Verteidiger ist der beste deutsche Punktesammler bei der Heim-WM und hält mit seinem kompromisslosen Defensivspiel den Gegner vom eigenen Tor fern. Doch in den Schlusssekunden des zweiten Drittels kommt Seidenberg nicht umhin, einen harmlosen Verzweiflungsschuss in Richtung des kanadischen Torwarts zu schlenzen. Es war der einzige deutsche Torabschluss im zweiten Spielabschnitt - nach 20 Schüssen der Kanadier.

Bei der 1:2-Viertelfinalniederlage gegen den Titelverteidiger wurde ersichtlich, dass das deutsche Eishockey einen weiten Weg zur Weltspitze vor sich hat. Denn mit nur einem Tor Unterschied kam das Team von Bundestrainer Marco Sturm viel zu glimpflich davon: Einerseits, weil Philipp Grubauer, der zur Heim-WM nachgereiste Torwart der Washington Capitals, phasenweise unüberwindbar war. Und andererseits, weil sich das DEB-Team in der nicht ganz ausverkauften Kölner Arena einige gute Chancen gegen den hochfavorisierten Gegner erarbeitete, die letztlich entweder fahrlässig vergeben oder durch zu komplizierte Querpässe weggeworfen wurden.

Achtbarer Abschied von der Heim-WM

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ist Kanada im Viertelfinale hoffnungslos unterlegen und liegt 0:2 zurück. Dann trifft der Münchner Yannic Seidenberg in Unterzahl - doch es reicht nicht mehr. mehr ...

Nach der unerwartet knappen und doch erwarteten Pleite gegen den 26-fachen Weltmeister macht sich also Ernüchterung breit im deutschen Eishockey. Die Leistung der vergangenen zwei Wochen weiß man noch nicht recht einzuordnen: Was mit einem überraschenden Sieg gegen die USA euphorisch begann, endete gegen einen überlegenen Gegner, der dem DEB aufzeigte, dass sein Team dem nordamerikanischen Standard in taktischer, spielerischer und schlittschuhläuferischer Hinsicht hinterherhinkt.

Mit Leon Draisaitl, einem der besten Scorer der vergangenen NHL-Saison, und Grubauer, dessen Beförderung zum NHL-Stammtorwart in der kommenden Saison als gesichert gilt, ist zumindest ein positiver Trend in der Entwicklung jüngerer Spieler zu beobachten. Dass aufstrebende Talente spätestens im Jugendalter nach Nordamerika wechseln müssen, um die Chance auf eine NHL-Karriere zu wahren, ehrt die deutsche Nachwuchsförderung jedoch nicht.

"Das hat aber auch mit unserer Liga zu tun", sagte Bundestrainer Marco Sturm in einer ersten Analyse. Obwohl er die Heim-WM insgesamt als Erfolg wertet, kritisiert er die nur langsam voranschreitende Professionalisierung des deutschen Eishockeys ungewohnt direkt. An Strukturen mangle es "vor allem im Nachwuchs, in den Vereinen, aber auch in der DEL. Da müssen wir einfach alle einen besseren Job machen."