Doping Knöllchen für gedopte Russen

Auf der Zielgeraden: Sotschi-Olympiasieger Alexander Legkow (l.) könnte auch bei den Spielen 2018 starten.

(Foto: imago)
  • Das russische Olympia-Team wird trotz Beweisen für systematisches Doping auch bei den Winterspielen 2018, im südkoreanischen Pyeongchang, starten.
  • Das IOC verabschiedete beim Kongress in Lima zwar einen Bußgeldkatalog für dopende Athleten, wehrte sich aber gegen einen Komplettausschluss der Russen.
  • Kritik kommt vor allem von den nationalen Anti-Doping-Agenturen
Von Thomas Kistner

Das Internationale Olympische Komitee tut so, als steuere es noch immer auf eine schwierige Entscheidung zu. Es geht um die Frage, ob Russlands Sportler bei den Winterspielen in Pyeongchang starten dürfen - trotz eines atemberaubenden, staatlich orchestrierten Betrugsprogramms 2014 in Sotschi. Für die Dopingproben russischer Athleten war dort ein weitflächiges, mit geheimdienstlicher Akribie verfertigtes Austauschprogramm umgesetzt worden. Während große Teile des Sports wegen dieses Anschlags auf die Integrität der Spiele den Komplettausschluss der Russen fordern, scheint die Sache längst geregelt zu sein - dort, wo das IOC solche Deals auszukarteln pflegt: im Hinterzimmer.

Die Sport-Armada des Kreml wird antreten dürfen. Das signalisierte die IOC-Session in Lima in der vergangenen Woche. In Lima griff der Ringe-Konzern mit dem deutschen Wirtschaftsanwalt Thomas Bach an der Spitze tief in die Trickkiste - und schrieb sich einfach Geldstrafen für Dopingsünder in die Olympische Charta. In Windeseile. Denn leider war der Deal kurz vorher schon in den Medien durchgesickert: Das IOC, war weltweit berichtet worden, eröffne Russland die Möglichkeit, einen Betrugsskandal vom Richtertisch wegzukaufen, der die Sotschi-Spiele historisch für immer entwertet hat.

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Gäbe Russland das Staatsdoping zu, würde das nicht den Deal brechen

Die Sportpolitik des IOC ist, wie die des Fußball-Bruderverbands Fifa, kaum mehr auf ernsthaftem Wege vermittelbar. Sie liefert Comedy - nur ohne den Wunsch, das Publikum amüsieren zu wollen. Umzingelt von internationalen Strafbehörden, die einen korruptionsverdächtigen Topfunktionär nach dem anderen herausfischen, managt das IOC sein Dopingproblem so, wie es seine Spiele vergibt: intransparent. Und im Zeichen von Partikularinteressen.

In Anti-Doping-Kreisen herrscht schon lange der Eindruck vor, dass der von Bach dirigierte Ringe-Clan am liebsten mit Knöllchen arbeiten würde, die man dopenden Athleten unters Trikot klemmt: 50 Euro Buße für die falsche Pille, 100 für die falsche Spritze. Ein platter Scherz? Gewiss. Umso schlimmer, dass ihn nun die Realität eingeholt hat. Und Bach selbst krönte die Russen-Posse, als ihm in Lima vor der Presse entfuhr: Selbst wenn diese ihre Verfehlungen zugäben, "würde das nicht den Deal brechen oder das Spiel verändern".

Solche Versprecher, dazu der Beschluss, auf Geldstrafen für Dopingsünden umzusatteln, oder der Umstand, dass es vom IOC selbst gelenkte Kommissionen sind, die formal noch tapfer der Frage nachgehen, wie die Russland-Causa zu entscheiden ist: Derartige Hinweise zerstreuen jeden vernünftigen Zweifel daran, dass der Deal mit Russland längst besiegelt ist. So, wie es immer läuft in heiklen Dingen des Sports, und wie es schon vor den Rio-Sommerspielen 2016 der Fall war. Auch damals widersetzte sich das IOC mit seiner Willkommenskultur für Moskaus Athleten den Protesten in großen Teilen der Sportwelt, auch damals gab es lustige Phrasierungen zum Thema Gerechtigkeit. Und während es dann jede Menge Sünder und Verdächtige nach Rio reisen ließ, hielt das IOC eine einzige Athletin mit List und Tücke von dort fern: Julia Stepanowa. Jene russische Läuferin, die mit mutigen Enthüllungen das Lügengebilde in der früheren Heimat auffliegen ließ. Und die sogar ihre komplette Dopingsperre abgesessen hatte.