Deutsche Fußball Liga Herausforderungen in der heilen Welt

Die DFL vermeldet zum elften Mal in Serie einen Umsatz-Rekord ihrer Bundesligisten. Und doch mahnt ihr Chef Seifert, dass die Klubs ihre Anstrengungen erheblich steigern müssen.

Von Philipp Selldorf, Köln

Die Zahlen, die Christian Seifert am Mittwoch in Köln bei der Vorstellung des jüngsten Bundesliga-Reports präsentierte, sind das gewohnte, willkommene Kompliment an den deutschen Profifußball und seine Wirtschaftsleistung: Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL) verkündete erneut einen substantiellen Umsatzrekord (2,62 Milliarden Euro kamen in der ersten Liga 2014/15 zusammen); er berichtete von der ausbalancierten Mischung der Einnahmequellen und der steigenden Zahl an Vereinen, deren Jahresbilanz nach Steuern Gewinn ausweist (lediglich neun der 36 Profivereine ist das nicht gelungen). Zur speziellen Wahrheit der deutschen Fußball-Ligen gehört außerdem, dass die Gehälter zwar zunehmend obszön erscheinen mögen, im Verhältnis zu den sonstigen Kennzahlen aber immer noch eine ökonomisch tragbare Größe ergeben. Und obwohl im ganzen Land beklagt wird, dass die Meisterschaft nicht mehr spannend ist, weil der FC Bayern mitspielt, kamen abermals mehr Zuschauer als jemals vorher in die Stadien - 13 Millionen in der ersten, 5,4 Millionen in der zweiten Liga. Heile deutsche Fußballwelt.

Andererseits war es Seifert nicht vergönnt, sich allzu ausführlich an den Zahlen zu ergötzen, denn das internationale Fußballgeschäft befindet sich mehr denn je im Aufbruch und Umbruch. Eine heile deutsche Fußballwelt wird es nach seiner Deutung nur so lange geben, wie sie im globalen Wettbewerb mitzubieten weiß. Dass die Ligen vor zwölf Jahren mit einem Umsatz von 1,15 Milliarden Euro zurechtkamen, zeigt die dynamische Entwicklung. Innerhalb der nächsten zehn Jahre aber, so meint der DFL-Chef, werden die Klubs und die Liga die Anstrengungen erheblich steigern müssen: "Die Bundesliga ist eine Wachstumsbranche. Sie muss auch weiterhin stark wachsen, wenn sie sich im Wettbewerb der Topligen behaupten möchte.

DFL-Chef Christian Seifert glaubt nicht, dass die deutschen Klubs indirekt vom Reichtum der englischen Liga profitieren können.

(Foto: Matthias Hangst/Getty)

In den Jahren 2025 bis 2030 sind nach den Berechnungen der DFL Umsätze bis sechs Milliarden Euro erforderlich, um in Europa einen Platz unter den ersten Drei zu erreichen. Wobei Platz eins wohl schon jetzt an die Premier League vergeben ist.

Warum Seifert so weise und weit in die Zukunft blickt, beruht auch darauf, dass die führenden Vertreter der deutschen Profiklubs derzeit vor allem auf die Zahlen fixiert sind, die im nächsten Fernsehvertrag stehen könnten. Man hofft auf einen spürbar größeren Spielraum. Die DFL bereitet die Ausschreibung für die nächste Rechtevergabe vor, noch vor der EM sollen die potentiellen Bieter um die Bilderrechte sich mit den Einzelheiten der Konditionen vertraut machen können.

Zunächst muss sich die DFL allerdings verbindlich mit dem Kartellamt abstimmen. Dass Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern, von der DFL erwartet, aus den Verhandlungen einen jährlichen Ertrag von einer Milliarde Euro "plus X" nach Hause zu bringen, schreckt Seifert nicht. Sagt er jedenfalls. Seine Zielerwartung beträgt ebenfalls 1,2 bis 1,3 Milliarden, im Laufe der nächsten Saison erhalten die Ligen 835 Millionen (inklusive Auslandsgeschäft). Er setzt vor allem auf Zugewinne im Export. Derzeit verdient der deutsche Fußball mit dem weltweiten Verkauf der Bundesligabilder 160 Millionen Euro, 300 Millionen hält Seifert im Laufe der nächsten Vergabeperiode für möglich.

Elfter Rekord in Serie - Der Gesamtumsatz der Bundesliga seit 2003 Die 18 Vereine der Fußball-Bundesliga setzten in der Saison 2014/15 insgesamt 2,62 Milliarden Euro um und erzielten damit zum elften Mal in Serie einen neuen Höchstwert. Das Plus gegenüber dem Vorjahr betrug knapp sieben Prozent. Umsatz-Entwicklung der Bundesliga 2003/04: 1,09 Mrd. Euro 2004/05: 1,28 Mrd. Euro 2005/06: 1,29 Mrd. Euro 2006/07: 1,46 Mrd. Euro 2007/08: 1,57 Mrd. Euro 2008/09: 1,72 Mrd. Euro 2009/10: 1,77 Mrd. Euro 2010/11: 1,94 Mrd. Euro 2011/12: 2,08 Mrd. Euro 2012/13: 2,17 Mrd. Euro 2013/14: 2,45 Mrd. Euro 2014/15: 2,62 Mrd. Euro

Seifert glaubt nicht, dass England- Transfers die Klubs reich machen

Dass Seifert eine kühne Perspektive bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts entwirft, hat wohl auch damit zu tun, dass er einerseits die gegenwärtigen Erwartungen der Klubs relativieren und andererseits die Ligamanager auf die Notwendigkeit zu womöglich schwierigen strategischen Entscheidungen vorbereiten will. "Alle drei Jahre zu diskutieren, dass Sky jetzt für die Rechte ein bisschen mehr bezahlen muss, ist zwar bequem, wird aber nicht ausreichen", sagt er, "die nächste Rechtevergabe ist wichtig, sie ist aber auch nur ein weiterer Schritt in die Zukunft." In England etwa gibt es zurzeit zwei Abo-Sender, die für sehr viel Entgelt die Premier League zeigen - und trotzdem nicht alle Spiele übertragen dürfen. Ein solches Modell auf Deutschland übertragen zu wollen, wäre, gelinde gesagt, eine unpopuläre Maßnahme. Deutsche Zuschauer sind Vollversorgung zu moderaten Preisen gewohnt.

Wenig Illusionen macht sich Seifert, dass die deutschen Klubs durch eine indirekte Beteiligung an den englischen Reichtümern ihr wirtschaftliches Wachstum steigern könnten. Mancher Manager träumt ja davon, dass die Engländer durch irre Transfersummen den deutschen Betrieb subventionieren. Im Berichtsjahr sind rund 230 Millionen Euro an Transfererlösen zusammengekommen (neun Prozent an der Gesamtsumme). "Ich glaube nicht, dass dieser Anteil in kurzer Zeit auf 20 Prozent steigen kann", meint Seifert. Obwohl er durchaus der Ansicht ist, dass die Engländer durch ihr TV-Geld gefährdet sind: "Der Hang zu irrationalem Handeln wird zunehmen."