Deutsche Bewerbung für Olympia 2024 Duell offen, Chancen gleich null

Der Rathausmarkt in Hamburg: 64 Prozent der Bürger wollen die Spiele 2024.

(Foto: dpa)

Warum sind die Umfrage-Ergebnisse alles andere als überwältigend? Was spricht für Berlin, was für Hamburg? Und warum hat eine deutsche Stadt sowieso keine Chance? Wie es mit der Bewerbung für Olympia 2024 weitergeht.

Von Lisa Sonnabend

Trotz Hamburgs Vorsprung bei der Umfrage zur deutschen Olympia-Bewerbung ist noch nichts entschieden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bedeutet das Ergebnis?

In beiden Städten gibt es ein Mehrheit für Olympia, doch überwältigend sind diese nicht: 64 Prozent der befragten Hamburger wollen die Spiele 2024, in Berlin sind es nur 55 Prozent. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte angekündigt, sich bei der Entscheidung, mit welcher Stadt Deutschlands sich bewirbt, an den Ergebnissen der von ihm in Auftrag gegebenen Umfrage orientieren zu wollen. Doch diese unterscheiden sich nun nicht eklatant. In Berlin ist die Zustimmung offenbar gewachsen, im Herbst hatten nur 48 Prozent eine Bewerbung unterstützt. "Es hätte Konstellationen geben können, dass wir heute eine Vorentscheidung haben", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Dienstag. "Das Ergebnis, das jetzt vorliegt, lässt aus unserer Sicht nach wie vor eine Entscheidung für beide Städte zu." Das Rennen um den deutschen Kandidaten ist also weiterhin offen.

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Wer wurde überhaupt gefragt?

Die Forsa-Umfrage ist repräsentativ. Befragt wurden im Auftrag des DOSB je 1500 Bürger in Hamburg und Berlin. Die Ergebnisse lagen der DOSB-Führung seit Donnerstag vor.

Wie geht es weiter?

Am Sonntag und Montag trifft sich das DOSB-Präsidium mit den deutschen Spitzensportverbänden, um über die Bewerbung zu beraten. Hamburg und Berlin dürfen in einer 15-minütigen Präsentation noch einmal ihre jeweiligen Vorzüge anpreisen. Die Funktionäre bewerten die Kandidaten nach fünf Kriterien: Vision & Olympisches Erbe, Gesamtkonzept der Spiele, Olympisches Dorf, Sportstätten sowie Umwelt und Nachhaltigkeit. Am Montagabend gibt der DOSB dann eine Empfehlung ab - und die dürfte wohl richtungsweisend sein. Dann steht fest, ob Hamburg oder Berlin für Deutschland ins Rennen gehen. Wenn sich die DOSB-Mitglieder dann am 21. März in der Frankfurter Paulskirche treffen, entscheiden sie nur noch darüber, ob sie dem vorgeschlagenen Kandidaten zustimmen oder nicht.

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Doch durch ist die Bewerbung damit noch immer nicht. Sowohl in Hamburg als auch Berlin wird im Herbst ein Bürgerentscheid stattfinden - falls die Wahl auf die Stadt fällt. Sollte Berlin auserkoren werden, würde dieser am 13. September abgehalten werden, ein Termin für Hamburg steht noch nicht fest. Die Bürger werden dann noch einmal gefragt - diesmal nicht nur 1500, sondern alle. Im Januar 2016 müssen dann die ersten Bewerbungsunterlagen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eingereicht werden. Im Sommer 2017 wird in Lima der Gastgeber der Spiele 2024 gekürt.

Ist die Zustimmung größer als in München?

Ein Nein aus einer Stadt hätte im Herbst 2013 schon gereicht, doch das Ergebnis fiel noch deutlicher aus: Bei den drei Bürgerentscheiden in München, Garmisch-Partenkirchen und Traunstein lehnten die Bewohner eine Bewerbung für Olympia 2022 ab. Die Spiele werden nicht nach Bayern kommen. Ist in Hamburg und Berlin die Zustimmung nun größer? Bislang wohl kaum. Denn in München haben sich in einer Stimmungsumfrage vor dem Bürgerentscheid sogar 65 Prozent der Befragten für Olympia ausgesprochen.

Fest steht: Die Austragung von Sommerspielen ist grundsätzlich attraktiver für Städte und Bewohner als Olympia im Winter. Doch es bleibt abzuwarten, wie der Bürgerentscheid im Herbst ausgeht. Denn die Ergebnisse aus München, Garmisch und Traunstein haben gezeigt: Gegner lassen sich meist leichter dazu bringen, zum Wahllokal zu gehen als Indifferente und Befürworter.