Buch von Theo Zwanziger Ein Gefühlsmensch packt aus

Den öffentlichkeitswirksamen Angriffen auf Uli Hoeneß folgt die Vorstellung des Erstlingswerks: Auf der Buchvorstellung von "Die Zwanziger Jahre" schäkert Theo Zwanziger nicht nur mit Claudia Roth, er erzählt auch Anekdoten von der Herrentoilette. Und verteidigt Fifa-Präsident Joseph Blatter.

Von Boris Herrmann

Schlechte Stimmung gegen Hoeneß, gute Laune bei der Buchvorstellung: Theo Zwanziger.

(Foto: dapd)

Mit der Präsentation des literarischen Highlights dieses Herbstes hat am Mittwochabend in Berlin das Weihnachtsgeschäft begonnen. Der skandalumtoste Autor Dr. Theo Zwanziger präsentierte vor gut 200 Schaulustigen im Redaktionsgebäude der Zeitung Der Tagesspiegel sein Erstlingswerk "Die Zwanziger Jahre". Dem Gros der Literaturkritiker (Uli Hoeneß, Wolfgang Niersbach, Matthias Sammer, Jürgen Klinsmann), die dem Buch bislang eher skeptisch begegnet waren, hielt Zwanziger in seinem flammenden Eingangsstatement entgegen: "Das ist eine Liebeserklärung an den Fußball!"

Kaum aber war der ehemalige DFB-Präsident in die Tiefen-Interpretation seiner Thesen eingestiegen ("Lesen Sie mal, was ich über Mayer-Vorfelder schreibe, das ist auch interessant, da gibt es gar keine Watschen"), verließen bereits die ersten Zuhörer den Saal. Sie waren gekommen, um sich ein Autogramm von Günter Netzer zu besorgen. Der hatte jedoch seine angekündigte Teilnahme kurzfristig abgesagt - wegen einer diskursiven Grippe, wie der Moderator vermutete. Die verbliebenen Zuschauer indes spendeten Zwanziger warmen Applaus. Allzu viele Uli Hoeneße saßen offenbar nicht im Publikum - wobei sich der Autor vehement gegen dessen Behauptung wehrte, er habe sich mit seinem Werk endgültig in die Isolation befördert.

Und Zwanziger präsentierte auch Beweise. Er konnte zum Beispiel "meinen Freund Horst", "meinen Freund Otto" sowie "meinen Freund Hans-Georg" begrüßen. Gemeint waren der DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt, der Ehrenpräsident des Berliner Fußballverbandes Otto Höhne sowie der ehemalige DFB-Vize Hans-Georg Moldenhauer.