Borussia Dortmund Tore zur Ablenkung

Fokussiert: Rielasingen-Arlen findet kein Gegenmittel - weshalb Pierre-Emerick Aubameyang (l.) mit einem Dreierpack glänzen kann.

(Foto: Adam Pretty/Getty Images)

Die Posse um Ousmane Dembélé beschäftigt den BVB, trotz des Sieges im Pokal. Und auch Pierre-Emerick Aubameyang sorgt für Verwirrung.

Von Tobias Müller, Freiburg/München

Zum Glück, werden sich die Dortmunder gedacht haben, gibt es den DFB-Pokal. Ein bisschen Pause zum Verschnaufen und einfach mal Fußball spielen, das tut momentan ganz gut, nach all dem, was passiert ist in den letzten Wochen. Diese Erfahrung machten sie beim BVB ja letzte Saison schon, inmitten der Tuchel-Turbulenzen, da holten sich die Dortmunder den Pokal - und dann war Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, wenigstens für einen ganz kurzen Moment. Nun traf der BVB in der ersten Runde auf den Verbandsligisten Rielasingen-Arlen und gewann problemlos mit 4:0. Nach dem Schlusspfiff ließen sich die Gäste in Freiburg vom mitgereisten Anhang feiern. Für einen Moment war all das Schlechte und Verrückte, was sich zurzeit um den Verein abspielt, vergessen.

Im Schwarzwald-Stadion, das mit 24000 Zuschauern ausverkauft war, prallten am Samstagnachmittag zwei Fußballwelten aufeinander, ein Bild für Sportromantiker. Auf der einen Seite der Underdog, der drei Mal die Woche trainiert und bei dem die Spieler vor der Partie des Jahres noch beim Ticketverkauf mithalfen, um die Hütte voll zu bekommen. Auf der anderen Seite der Pokalsieger der letzten Saison, bei dem Spieler nach China oder nach Barcelona wechseln wollen, um dort ein paar Millionen mehr zu verdienen. Und dafür auch mal das Training schwänzen.

Dass der angebliche 120-Millionen-Euro-Mann Ousmane Dembélé nach seinem Fernbleiben am Donnerstag suspendiert wurde und gegen Rielasingen-Arlen nicht mitspielen durfte, fiel gegen die Amateure natürlich nicht allzu schwer ins Gewicht. Der zweite Auftritt unter dem neuen Trainer Peter Bosz, der die Tempofußball-DNA von Thomas Tuchel weiterführen und die Mannschaft mit einer Spur Menschlichkeit bereichern soll, geriet schnell in die erwartete Bahn. Auf der einen Seite der Außenseiter, der sich in bester Handball-Manier um den eigenen Strafraum positionierte und den Ball einfach wegschlug, wenn er ihn dann mal erkämpft hatte. Auf der anderen Seite der Favorit, der wartete, bis sich da im Zehn-Mann-Bollwerk endlich eine Lücke offenbarte.

Bleibt Aubameyang? "Die Situation ist nicht einfach"

Zum ersten Mal passierte das in der 12. Minute, als Marc Bartra zum 1:0 traf. Danach kombinierten sich die Dortmunder immer wieder durch, aber ohne Erfolgserlebnis, bis Pierre-Emerick Aubameyang per Strafstoß das 2:0 erzielte (41.). Der Gabuner machte in der Startrunde des Pokals dort weiter, wo er letzte Saison im Finale aufgehört hat - als gäbe es nichts Einfacheres. Nach dem Elfmeter schoss er zwei weitere Tore (55./80.), sieben hätten es an diesem Nachmittag sein können. Der 28-Jährige war mächtig gut gelaunt, der Energietank trotz Tumult-Sommer randvoll für den Bundesliga-Start am nächsten Samstag gegen Wolfsburg. Sein dritter Treffer an diesem Tag ließ ihn zum BVB-Rekordtorschützen aufsteigen. Er steht nun bei 124 Toren, der Schweizer Stéphane Chapuisat traf 123 Mal für den BVB.

So war es also ein ziemlich erfolgreicher Nachmittag für die Gäste aus der Bundesliga, ein kurzes Zeitfenster der guten Laune. Auch darum, weil die zuletzt verletzten André Schürrle (in der Startelf, nach 61 Minuten ausgewechselt), Mario Götze und Marcel Schmelzer (beide auf der Bank) wieder im Kader standen.

Lange dauerte es aber nicht, bis man nach dem Schlusspfiff wieder über Abgangswünsche und Millionen sprechen musste beim BVB. Nach der Partie antwortete der Dreifach-Torschütze Aubameyang im Interview ziemlich kryptisch auf die Frage, ob er dann jetzt nach dem geplatzten Transfer in den Osten vorhat bei Dortmund zu bleiben: "Die Situation ist nicht einfach, wir werden sehen, was passiert." Und ein Update zu Dembélé gab es dann auch noch, wie es denn jetzt weitergehe, nach der Suspendierung und dem ersten erfolglosen Gespräch mit Barcelona: Sportdirektor Michael Zorc sagte, dass man die Öffentlichkeit am Sonntag informieren werde.