Biathlon-WM in Nove Mesto Aufschwung im bleiernen Hochnebel

Biathletin Miriam Gössner: in aussichtsreicher Position für die Verfolgung

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Leichte Steigerung der deutschen Biathleten: Bei der WM in Tschechien verschafft sich Miriam Gössner eine gute Ausgangslage für die Verfolgung, mit den Medaillen haben die Deutschen aber auch am zweiten Wettkampftag nichts zu tun. Andreas Birnbacher spricht nach zwei Schießfehlern von einer "Klatsche für den Kopf".

Von Volker Kreisl, Nove Mesto

Von allem gab es etwas weniger. Der Sprintsamstag dieser WM, der Tag der ersten Einzelwettkämpfe wirkte im Vergleich zum glanzvollen Donnerstagabend, als die Mixed-Staffel die Titelkämpfe eröffnete, bleiern und matt. Hochnebel hing über dem Stadion, minus drei Grad wurden gemessen, und nur 21.000 Zuschauer gezählt, 6.000 weniger als vor zwei Tagen. Am Donnerstag hatte das tschechische Team Bronze geholt, zwei Tage später fielen die einheimischen Läufer wieder zurück. Im zeitversetzt gestarteten Sprint verlieren die Fans zudem schnell den Überblick über die aktuell Besten, die Sieger, Emil Hegle Svendsen (Norwegen) und Olena Pidrushna (Ukraine) wurden verhaltener gefeiert.

Und für die deutschen Biathleten war das Erlebnis am Samstag auch abgeschwächt, wenngleich sich darüber niemand beschwerte. Sie kassierten abermals deutliche Rückstände, aber eben nur halb so große wie bei ihrem dreizehnten Mixed-Staffel-Platz.

Ihr Sportdirektor Thomas Pfüller hatte sich vorab fünf bis sechs Medaillen ausgerechnet, nun scheint es eine WM zu werden, in der für die Teilnehmer des Deutschen Skiverbandes (DSV) nicht mehr das Podium im Vordergrund steht, sondern der einzelne Fortschritt von Tag zu Tag.

Den markantesten Aufschwung hat am Samstag Miriam Gössner vom SC Garmisch erfahren. Nach ihrer Strafrunde vom Donnerstag wurde sie Sechste im Sprint und startet daher im Verfolgungsrennen am Sonntag in aussichtsreicher Position. 36 Sekunden Rückstand auf Siegerin Pidrushna sind grundsätzlich aufholbar, jedenfalls in der Laufform, die Gössner nun zeigte.

"Ich habe schon am Donnerstag gewusst, dass meine Form stimmt", sagte Gössner. Am Samstag stimmte obendrein auch noch die Verfassung im Stehendschießen, alle fünf Scheiben fielen. Überrascht hatte zudem Franziska Hildebrand (Clausthal-Zellerfeld), sie wurde Zwölfte. Andrea Henkel (Großbreitenbach) und Nadine Horchler (Willingen) haben nach schlechtem Stehendschießen im Jagdrennen dagegen so gut wie keine Chance.

Die Männer des DSV hatten in ihrem Sprint - auch das eine Steigerung zur Mixedstaffel - immerhin Medaillen-Spannung erzeugt. Andreas Birnbacher war früh, als Achter von 136 Läufern, ins Rennen gegangen, in der ersten Runde schnell gelaufen, hatte zackig geschossen und getroffen. Er lag in Führung, auch die zweite Runde gab ihm das Gefühl: "Da geht was." Der Rückschlag kam im Stehendschießen mit zwei Fehlern.

"Das ist für den Kopf wie eine Klatsche", sagte Birnbacher, in der Schlussrunde siegte die Enttäuschung über den Ehrgeiz, in den letzten drei Kilometern fiel er, auch weil die Ski nachließen, um weitere zehn Sekunden zurück. Ähnlich erging es Erik Lesser und Simon Schempp, die nach fehlerfreiem Liegendschießen stehend alle Chancen auf einen Top-Ten-Platz vergaben.

Allein Arnd Peiffer machte es umgekehrt, er steigerte sich, obwohl er sich, wie er sagte, "zurzeit nicht gut fühlt". Die Arena verließ er mit einem in dieser missratenen Saison seltenen Vorkommnis: einem Erfolgserlebnis. Ein Fehler liegend und null stehend führten zu Platz 16. Eine halbe Minute Rückstand auf Platz zehn hatte er - das gibt ihm noch eine Chance auf ein einstelliges Verfolgungsergebnis. Nur die Top Ten - das hätte vor zwei Jahren, als Peiffer Sprintweltmeister wurde, noch wie Tiefstapelei gewirkt. In diesen WM-Tagen wäre es ein großer Schritt.