Biathlon Von den Zielen gequält

Erkältet: Simon Schempp entwickelte sich zu einem der weltbesten Biathleten - nun kämpft er darum, wieder gesund zu werden.

(Foto: Antonio Bat/dpa)

Simon Schempp erfährt bei den Heimrennen, dass sich der Körper doch nicht ganz kontrollieren lässt.

Von Saskia Aleythe, Ruhpolding

Ziele können eine Qual sein. Vor allem die eigenen. Simon Schempp hat schon immer viel gewollt, anders geht es ja auch nicht im Profisport - aber Probleme bereiten ihm die Ziele eben auch. Zum Beispiel mit dem eigenen Körper. Regelrecht bremsen mussten ihn die Bundestrainer vor einigen Jahren, damit er sich durch zu viel Training nicht überlastet, immer wieder brachen Erschöpfungsphasen aus. Seit er das in den Griff bekommen hat, läuft es für Schempp - doch nun wird er schon wieder von den eigenen Zielen gequält.

"Der Fokus liegt ganz klar auf dem Gesamtweltcup", hatte Schempp vor dem Saisonstart gesagt, und bis zu diesen Wettbewerben in Ruhpolding sah das gar nicht schlecht aus, obwohl er beim Auftakt in Östersund/Schweden nur 77. im Sprint wurde, dadurch auch die Verfolgung verpasste und Punkte liegen ließ: Mit drei Siegen und zwei weiteren Podiumsplätzen lag er dennoch aussichtsreich auf Rang drei. Nun aber: Platz sechs, 210 Punkte Rückstand auf den Führenden Martin Fourcade. "Jetzt muss er seine Ziele umorientieren", sagt Männer-Bundestrainer Mark Kirchner und führt aus: "Er hat eine Weile gebraucht, um die Situation zu akzeptieren." Dass Schempp in Ruhpolding nicht antreten würde, hatte sich erst kurzfristig entschieden, er trainierte schon in der Arena, in der auf großen Plakaten sein Bild zu sehen ist. Doch am Freitagmorgen das schmerzliche Erwachen: Schempp hatte Halsweh, eine verschleppte Erkältung breitete sich aus. Schempp sei "not amused" gewesen, berichtete DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach. "Wenn man nicht zu hundert Prozent fit ist, macht ein Start keinen Sinn", ließ der Athlet ausrichten.

"Ich glaube nicht, dass Simon noch eine Chance hat."

60 Punkte bringt jeder Einzelerfolg, der zehnte Platz noch 31 Punkte - selbst wenn Schempp fortan nur noch gewinnen würde, wäre der Rückstand kaum noch aufzuholen. Denn es ist ja nicht nur dieser Fourcade, Dauer-Weltcupsieger seit 2012, der in Ruhpolding durch einen vierten, zweiten und ersten Platz richtig punkten konnte. Auch die starken Norweger Emil Hegle Svendsen und Tarjei Bö räumten für Schempp empfindlich ab und sind nun an ihm vorbeigezogen. "Ich glaube nicht, dass Simon noch eine Chance hat", schätzte Fourcade nach seinen Triumphen die Lage ein. Krankheiten seien schwer zu vergleichen, sagte der Franzose noch, "aber auch ich habe schon Rennen bestritten, wenn ich krank war". Wenn man den Gesamtweltcup gewinnen will, "muss man manchmal Dinge tun, die nicht gut für den Körper sind", sagt er.

Ob Schempp am Mittwoch beim Einzel in Ruhpolding dabei sein wird, soll wieder kurzfristig entschieden werden. "Es gibt definitiv etwas Schöneres, als ausgerechnet beim Heimweltcup krank zu Hause sitzen zu müssen", meldete sich er sich am Montag zurück. Zwar wolle er alles daran setzen, "zumindest in der zweiten Woche" mit dabei sein zu können. Aber, das machte er ebenfalls klar: "Auch da werde ich ganz sicher nichts riskieren, sondern wirklich nur dann an den Start gehen, wenn ich vollkommen gesund bin." Auf seinen Körper zu hören, hat sich Schempp mühsam antrainiert.

Und es gibt ja noch ein anderes Ziel, auf das er seinen Fokus nun verlagern kann: Die Weltmeisterschaften, die am 3. März in Oslo in Norwegen starten. Schon im vergangenen Jahr gehörte Schempp zu den Favoriten auf WM-Medaillen, bis auf den Sieg mit der Staffel fiel der Deutsche da aber weit hinter den Erwartungen zurück. Als es ernst wurde, machte ihm der Schießstand im finnischen Kontiolahti zu schaffen. Sieben Fehler im Sprint, am Ende Rang 77 - Schempp verpasste die Verfolgung, in der schließlich Erik Lesser groß auftrumpfte. In Einzel und Massenstart reichte es mit Platz acht immerhin für die Top Ten. Für einen wie Simon Schempp, mit all seinen Ambitionen, hat diese Saison also noch genügend Herausforderungen parat.