Biathlon Johannes Kühn wird es schwindelig in Ruhpolding

Nicht sein Rennen: Johannes Kühn patzt beim Weltcup in Ruhpolding beim Schießen.

(Foto: dpa)

Als Führender in den Schießstand, als 16. wieder heraus: Biathlet Johannes Kühn patzt im Staffelrennen ausgerechnet in seinem Wohnort.

Von Saskia Aleythe, Ruhpolding

Lange allein blieben sie nicht. Zwei Schneemännchen standen da neben der Strecke in Ruhpolding, ein großes, ein kleines, mit Armen, Gesicht und Tannenzweigen als Kopfschmuck. So liebevoll geformt, als hätte sich der Erschaffer beim Winter bedanken wollen: Gut, dass du endlich da bist. Seit zwei Tagen war der Naturschnee zurück im Biathlon-Weltcup, und wer am Freitag zur Arena in die Chiemgauer Alpen kam, passierte die Schneefiguren beim Rundgang um die Strecke. Und bekam trotz neuntem Wettbewerb in Ruhpolding noch etwas Neues geboten: Das erste Staffelrennen der Männer mit Johannes Kühn nach drei Jahren.

Für Johannes Kühn ist dieser Weltcup in Ruhpolding ein besonderer, denn der 24-Jährige wohnt in Ruhpolding und hat schon viele Schneemänner gesehen. Für den WSV Reit im Winkl bestritt er zuletzt vor allem Rennen im unterklassigen IBU-Cup - in dieser Woche holte ihn Männer-Bundestrainer Mark Kirchner in den Weltcup-Kader zurück. "Die Jungen müssen nachrücken", hatte Kirchner erklärt. Am Ende landete das Team aus Kühn, Erik Lesser, Arnd Peiffer und Benedikt Doll auf Rang fünf, Norwegen siegte vor Russland und Österreich. Und Kühn? Er muss diesen Nachmittag erst einmal verkraften.

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Seinen Knackmoment erlebte Kühn um 16.04 Uhr. Als Führender kam er am Schießstand an. Als 16. ging er wieder auf die Strecke. Fünf Mal löste Kühn den Abzug an der Waffe, doch die Scheiben: Sie fielen nicht. Keine einzige. Mit seinen Nachladepatronen versenkte Kühn noch zwei Scheiben, am Ende standen drei Strafrunden auf der Anzeige, die 13 500 Zuschauer verstummten - ein Podiumsplatz für Deutschland war nun so gut wie unmöglich. Und Kühn kreiselte einsam durch die Runden, während die Konkurrenz an ihm vorbeizog.

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Das Stehendschießen ist eine der fiesesten Disziplinen im Biathlon: Die Bewegung im Arm muss stärker kompensiert werden als im Liegen, wo der Arm auf der Matte ruht. Fehlerfrei war Kühn liegend geblieben, dann folgte das Desaster. "Stehend ist immer meine Wackeldisziplin", berichtete der gebürtige Passauer später tapfer. Nach den ersten zwei verschossenen Scheiben sei er unsicher geworden, "und dann hat das Unglück seinen Lauf genommen."

Das Rennen war für die Deutschen gut losgegangen, eine Blaskapelle begleitete Startläufer Erik Lesser musikalisch auf seine erste Runde, Kuhglocken schickten ihn nach dem zweiten Schießen wieder auf die Loipe: Nur einen Nachlader musste Lesser bemühen, als Zweiter übergab er dann auf Kühn. Der holte läuferisch nach seinem Patzer noch Rang zwölf heraus, Arnd Peiffer konnte mit zwei Nachladern und flinken Beinen sechs Positionen gut machen. Schlussläufer Benedikt Doll hievte sich mit drei Nachladern insgesamt noch auf Rang fünf. "Der fünfte Platz ist sicher nicht die Wunschvorstellung", gab Doll zu, "aber es ist ein Ergebnis, mit dem man leben kann".