5. Dezember 2012 09:35 FC Bayern Basketball Ein Schleifer für Jared Homan

Von Andreas Burkert

Uli Hoeneß ist in den vergangenen Wochen nicht müde geworden, die angeblich unzureichende Arbeit in der Halle und den Fitnesszustand seiner Basketballer zu geißeln. Nun gibt es nicht nur einen neuen Trainer: Der als Schleifer bekannt gewordene Fußballcoach Egon Coordes berät die Mannschaft.

Ob es wirklich am Fitnesszustand des Teams lag, dass die Basketballer des FC Bayern kurz vor der Saison Trainer Dirk Bauermann entließen und darauf unter Interimscoach Yannis Christopoulos die unwürdige Bilanz von 10:10 Punkten einspielten - das ließe sich heute wohl nur noch anhand von alten Laktat-Werten verifizieren.

Zumindest Klubchef Uli Hoeneß, 61, ist aber nicht müde geworden, die angeblich unzureichende Arbeit in der Halle zu geißeln; Christopoulos schrieb er immerhin zum Abschied ins Zeugnis, der Grieche habe die Mannschaft vergangene Woche in gutem physischen Zustand an Svetislav Pesic übergeben. Hoeneß wird deshalb gefallen, dass seit geraumer Zeit jemand als Fitnessberater seiner Sorgenkinder dient, der schon "Schleifer" gerufen wurde, als der Felix Magath noch selbst kickte und nicht die zweifelhaften Gütesiegel "Quälix" und "Saddam" trug.

Der einstige Polizeibeamte Egon Coordes, 68, ist eigentlich Fußballlehrer, amüsanterweise begann er seine Laufbahn - wie Magath - in Bremerhaven (1977 bis '82). Der frühere Profi diente den Bayern-Trainern Udo Lattek und Jupp Heynckes als Assistent, ehe er jeweils sehr kurz währende, weil erfolglose Cheftrainer-Engagements innehatte (VfB Stuttgart, HSV, Austria Wien, Hannover, Luzern).

Vor einem Jahrzehnt stieg er dann aus, bei den Bayern zählt er seit Jahren zum erweiterten Analysestab. "Er ist auch diese Saison noch einer meiner Scouts", sagt Heynckes über den Hoeneß-Vertrauten, der nun also den Korbjägern etwas Beine machen soll. Heynckes traut ihm das zu: "Er kann alles."

Sportchef Marko Pesic, 36, betont allerdings, dass Coordes "kein offizielles Amt im Trainerstab hat". Sein Vater, der neue Chefcoach, wolle sich aber zusammensetzen mit Coordes; Athletik-Coach der Basketballer bleibe Jovan Buha. Coordes soll jedoch seine Erfahrung gerade bezüglich des Lauf-/Ausdauertrainings einbringen und als Ratgeber dienen. "Mein Vater möchte einfach die im Verein vorhandene Kompetenz nutzen", sagt Marko Pesic.

Ans Kopfballpendel werden die Homan, Jagla und Rice wohl nicht treten müssen. Dem Vernehmen nach dient Coordes' Einbeziehung dem Neuankömmling Svetislav Pesic, 63, wohl auch dazu, einen eigenwilligen Großverein kennenzulernen. Coordes hat zudem in den vergangenen Monaten den Basketball für sich entdeckt und wurde schon unter Bauermann als interessierter Begleiter nahe der Bank gesichtet; als Hoeneß vor einer Woche Svetislav Pesic präsentierte, hatte er dann Coordes im Schlepptau.

Ein Detail aus der Vita des Freundes prädestiniert ihn in Hoeneß' Augen womöglich geradezu, mehrfach durch intensive Freizeitgestaltung auffällig gewordene Profis wie US-Center Jared Homan disziplinieren zu können: Beim HSV wurde Coordes im Herbst 1992 entlassen, weil er gefordert hatte, die Profis Thomas von Heesen, Harald Spörl, Frank Rohde, Jörg Bode und Carsten Kober zu suspendieren. Sie hatten den Schleifer mit einem ausgiebigen Disco-Besuch verärgert.