1. FC Nürnberg Fahnensturm

Gute Laune trotz verlorener Meisterschaft: „Die Legende ist zurück in Liga 1“, steht auf einem Transparent im Fanblock des 1. FC Nürnberg. Zusammen mit der Mannschaft von Fortuna Düsseldorf sind es sogar zwei Legenden.

(Foto: Timm Schamberger/dpa)

Der Club verpasst die Meisterschaft - feiert aber den Aufstieg. Die Mannschaft hat längst einen Zeitenwechsel eingeleitet.

Von Sebastian Leisgang, Nürnberg

Als Ewerton den Ball in all seiner Verzweiflung noch ein letztes Mal kopf- und planlos an den gegnerischen Strafraum geprügelt hatte, da klopfte sich Michael Köllner mit der flachen Hand auf den Oberschenkel und senkte den Kopf. Ewertons Zuspiel kam nicht an, nun war klar: Der 1. FC Nürnberg wird dieses Spiel gegen Fortuna Düsseldorf mit 2:3 verlieren - und nicht als Meister in die Bundesliga zurückkehren.

Wenig später brachen dennoch alle Dämme. Die Zuschauer fluteten den Rasen, ein Fan wollte einem Ordner eine Eckfahne entreißen, begnügte sich aber doch mit einer Werbebande aus Schaumstoff. Ein anderer flehte Edgar Salli im Mittelkreis mit Erfolg an, ihm sein Hemd zu überlassen.

Schon da war bereits vergessen, wie leichtfertig die Nürnberger die Meisterschaft verspielt hatten. Die Fans fielen den Spielern um den Hals. Meisterschaft hin, Platz zwei her. "Wir haben das schnell wieder verdrängt", sagte Mittelfeldmann Kevin Möhwald. Bedeutender ist in diesen Tagen, dass die Mannschaft längst einen Zeitenwechsel eingeleitet hat.

In Nürnberg gehen sie wieder gerne zu ihrem Club. Seit Köllner die Feder führt, haben die Leute die Aussicht, im Max-Morlock-Stadion tatsächlich ein Fußballspiel zu sehen - und nicht nur elf Leute in einem Leibchen, die den Ball hin- und herschieben und planlos an den gegnerischen Strafraum prügeln, wie es Ewerton gegen Düsseldorf notgedrungen in der Schlusssequenz getan hatte. Sonst aber präsentierte Köllners Team auch gegen die Fortuna ein paar hübsche Stafetten und brachte den Ball in Person von Georg Margreitter (6.) und Tim Leibold (13.) in der Anfangsphase zweimal im Netz der Rheinländer unter. Später zeigte auch die Fortuna, dass ihr Aufstieg nicht bloß einer Laune der Natur entsprungen ist, "und wir haben nach dem 2:0 aufgehört, Fußball zu spielen", klagte Möhwald, "da brauchen wir uns nicht wundern". Die Fortuna meldete sich mit Treffern von Takashi Usami (37.) und Niko Gießelmann (59.) zurück - und setzte in der Nachspielzeit noch eine Pointe: Nach einem Freistoß köpfelte Kaan Ayhan die Düsseldorfer zur Meisterschaft (90.+1). "Das war die Krönung, der Gipfel einer überragenden Saison", jubelte Trainer Friedhelm Funkel und fügte an: "Wir sind nicht zu Unrecht Meister geworden." Auch Köllner sprach den Düsseldorfern ein Kompliment aus, betonte aber sogleich das Wesentliche: "Wir haben unser primäres Ziel erreicht - den Aufstieg."

In der Vorwoche hatte Nürnbergs Coach nach dem 2:0 in Sandhausen noch nachdenkliche Töne angeschlagen und offen gelassen, ob er die Mannschaft auch in der Bundesliga betreuen wird. Das hatte hohe Wellen geschlagen. Was hatte Köllner dazu bewogen, sich in der Stunde des Erfolgs die Zukunftsfrage selbst aufzuwerfen? War es die Vorahnung, dass aus den jüngsten Erfolgen eine schwindelerregende Fallhöhe erwächst, die ihn schon bald stürzen lassen könnte? Oder steckte die Idee dahinter, das Umfeld dafür zu sensibilisieren, dass Düsseldorf als Gegner zwar ganz nett ist und durchaus seinen Reiz hat - der FC Bayern aber eine andere Herausforderung ist? Die Antworten auf diese Fragen bleiben Köllners Geheimnis. Mit seinen Worten nach dem Spiel räumte er die letzten Zweifel aus, ob er in der nächsten Saison überhaupt noch eine Partie gegen die Fortuna coachen wird. Er sagte: "Wir freuen uns aufs nächste Jahr, ein paar schöne Spiele im Max-Morlock-Stadion - und auswärts fahren wir auch."