1. FC Nürnberg Der ewige Schäfer geht

Der Karrierehöhepunkt: Kapitän Raphael Schäfer präsentiert (vor zehn Jahren) seiner Mannschaft und den Fans den DFB-Pokal. Der Club gewann in der Verlängerung 3:2 gegen Stuttgart.

(Foto: Andreas Rentz/Getty)
  • Raphael Schäfer verabschiedet sich im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf vom Nürnberger Publikum.
  • Mit ihm als Torwart erlebte der Club seine größten Erfolge.
  • Nun wird er sich um den Torwart-Nachwuchs kümmern.
Von Thomas Gröbner

Am Sonntag, im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf, wird wohl geweint werden in Nürnberg, beim letzten Heimspiel von Club-Torwart Raphael Schäfer, 38. Dann werden sie noch einmal die alten Fotos rauskramen: Schäfer, wie er nach dem Pokal-Triumph 2007 mit Javier Pinola auf dem Berliner Rasen gackerte, wie Bayern-Fans seinen Strafraum mit Klopapier-Rollen fluteten, oder wie Trainer Klaus Augenthaler 2002 den jungen Schäfer gegen Dortmund zum ersten Mal aufs Feld warf. Irgendwie mag dieser Schäfer ja nicht so richtig altern, man wird ihn auf allen Fotos leicht identifizieren können.

Es ist erst zweieinhalb Jahre her, da war Schäfer so beleidigt, dass er drohte: "Vielleicht spiele ich nie wieder für den Club." Er war auf die Tribüne verbannt worden, ein Generationenwechsel stand mal wieder an. Um ihn herum wurden die Spieler immer jünger, nur Schäfer nicht. Doch am Ende war es immer wieder Schäfer, der sich in 388 Pflichtspielen für den 1. FC Nürnberg in die Bälle warf und auch mal dem gegnerischen Stürmer an die Gurgel ging. Mit ihm geht nun auch der letzte Zeuge einer Zeit, in der Nürnberg sich plötzlich Gedanken machen musste, ob man so eine wertvolle Trophäe in die Vitrine oder lieber in den Tresor stellt. Als Kapitän führte er den Club zum DFB-Pokalsieg, an dieser Erinnerung wärmen sich die Anhänger heute noch, zehn Jahre ist das her.

Danach unterlief Schäfer ein Irrtum: Er verließ seinen Club. Denn in dieser Stunde des Triumphs, da schien ihm Nürnberg plötzlich zu klein zu werden. Der Torwart fühlte sich damals zu Größerem berufen, er schielte auf einen Platz in der Nationalmannschaft. Er wollte weg, nach Stuttgart. "Ich musste bei der Entscheidung auch an mich denken", sagte der damals 28-Jährige, "ich steige in eine andere Kategorie auf". So beobachtete Schäfer aus der Ferne, wie eine vom Pokalerfolg berauschte und von Europapokal-Strapazen gezeichnete Club-Mannschaft in die Zweitliga-Tristesse plumpste. Er selbst wurde von VfB-Trainer Armin Veh ausgemustert, floh zurück nach Nürnberg. Der Club, er konnte nicht mehr ohne Schäfer, und Schäfer nicht ohne den Club.

Mit dem Torwart verliert die Mannschaft nun ihr Herzstück. Schäfer war ein Seismograf für die Schwingungen im Verein, der aber auch selbst Erschütterungen verursachte. Künftig wird er sich um den Torhüter-Nachwuchs kümmern. Es müsse schon viel zusammenkommen, damit er noch mal eingreife, sagte er jüngst in der Bild. Und legte nach: Aber was, "wenn Anfang September plötzlich mehrere Torhüter ausfallen?"