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Verpfuschte Bauwerke wie der BER – Rom, Petersdom: Ruinantes Werk

Ein neuer Petersdom erschien zwingend in Augen seines ersten Bauherrn, des Renaissancepapstes Julius II.. Die ehrwürdige alte Peterskirche ging zwar auf Konstantin den Großen im 4. Jahrhundert zurück, war aber zu klein für das monumentale marmorne Grab, das Julius sich hier wünschte. Also beauftragte er den Architekten Bramante, von Spöttern "ruinante" genannt wegen seines fehlenden Sinns für den Schutz des Bestehenden. Als am 18. April 1506 der Grundstein gelegt wurde, ahnte niemand, dass der Bau weit mehr ruinieren würde als die Säulen der Vorgängerkirche. Auf dem Spiel stand binnen weniger Jahre die geistige Vorherrschaft des Katholizismus. Der Bau wurde immer teuer, die Ablassforderung immer höher, und besonders jenseits der Alpen wüteten die Gläubigen ob dieser Verschwendung. Ohne den Peterspfennig, die Abgaben für den Heiligen Stuhl, hätte sich die Reformation wohl kaum so schnell ausbreiten können.

Der Humanist Erasmus schrieb ein Theaterstück, in dem Petrus persönlich Papst Julius II. vor der Himmelstür abweist mit den Worten: "Du selbst bist ein guter Bauherr; errichte dir ein neues Paradies!" Deutsche Landsknechte begnügten sich nicht mit feiner Ironie und stürmten 1527 die Ewige Stadt, metzelten die Einwohner nieder und spielten mit steinernen Heiligenköpfen Ball. Der Petersdom wuchs dennoch unter diversen Architekten und Päpsten weiter; 1626 war er nach 120 Jahren Bauzeit endlich fertig. Kein Bauwerk der Macht mehr, sondern eines des Trotzes, das großspurige Schaustück einer Institution, die nur knapp dem Untergang entkommen war.

Kia Vahland

Bild: Getty Images 20. Januar 2013, 11:352013-01-20 11:35:13 © SZ vom 19.01.2013/cag