Urlaub in Israel Ein Gefühl von Sicherheit

Jahrtausendealte Geschichte und weite Sandstrände: Nach Jahren der Zurückhaltung machen wieder mehr ausländische Touristen Urlaub in Israel.

Von Sebastian Erb

Eigentlich bräuchte Dani Neumann keine Werbung für sein Land zu machen. Jeder weiß, dass es in Israel Jahrtausende an Geschichte zu erleben gibt - schließlich steht hier gewissermaßen die Wiege dreier Weltreligionen. Für Badeurlauber ist die Sandstrandküste von Haifa ein begehrtes Ziel, Naturfreunde können die insgesamt 42 Nationalparks des Landes erkunden. An Angeboten für einen ausgiebigen Bildungs- oder Erholungsurlaub fehlt es in Israel also nicht.

Und trotzdem hat der Direktor des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros in Berlin ein Problem: Das Land gilt als unsicher wegen des Nahost-Konflikts und drohender Selbstmordattentate. "Das ist aber nur ein Image-Problem", sagt Neumann. Es sei doch schließlich ein gutes Zeichen, dass gerade die Zahl der Urlauber, die zum wiederholten Male nach Israel fahren, sehr groß sei. "Man würde ja nicht wiederkommen, wenn man sich unsicher gefühlt hat."

Mit der zweiten Intifada im Jahr 2000 waren die Besucherzahlen drastisch eingebrochen. Viele deutsche Veranstalter nahmen Israel-Reisen aus dem Programm. Jetzt hat sich der Trend aber umgekehrt: Knapp 2,3 Millionen ausländische Gäste reisten im vergangenen Jahr ins Land, 2008 rechnet man mit bis zu drei Millionen, darunter 135.000 aus Deutschland.

Mitte der 1990er Jahre waren es zwar noch fast doppelt so viele, aber im Vergleich zu den vergangenen Jahren erlebt Israel im 60. Jahr seit der Staatsgründung einen regelrechten Ansturm von deutschen Besuchern. Bei Studiosus-Reisen sind die Frühjahrstermine komplett ausgebucht, für den Herbst werden zusätzliche Angebote geschaffen. Bei Dertour und Meier's Weltreisen spricht man gar davon, dass die Nachfrage aufgrund begrenzter Flugkapazitäten kaum zu bewältigen sei. Nachdem es in letzter Zeit nun weniger Anschläge gab, fühlen die Touristen sich offenbar wieder sicher genug.

Für die Veranstalter sind Israel-Reisen grundsätzlich ein schwieriges Geschäft, denn die Reisefreudigkeit hängt stark von der jeweils aktuellen Nachrichtenlage ab. Die Urlauber buchen kurzfristig. Kommen Meldungen über Anschläge, wollen viele sofort umbuchen oder stornieren. Da spielt es kaum eine Rolle, wo genau der Anschlag war und dass Touristen keine Ziele sind. "Das ist wie bei einem Jojo", erklärt Manfred Schreiber, der bei Studiosus-Reisen als Gebietsleiter für den Nahen Osten arbeitet. "Das geht ganz schnell hoch und runter."

Weil das touristische Interesse auch die palästinensischen, von Israel besetzten Gebiete mit einschließt, müssen Israelis und Palästinenser in irgendeiner Form kooperieren. "Im Tourismus funktioniert die Zusammenarbeit auch sehr gut", sagt Dani Neumann vom israelischen Verkehrsbüro. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Viele Veranstalter verzichten aus Sicherheitsgründen ganz auf Abstecher in die palästinensischen Gebiete.

Während Touristen im ganzen Land vom Auswärtigen Amt zu "erhöhter Vorsicht" aufgefordert werden, wird vor Reisen ins Westjordanland "grundsätzlich abgeraten". Wenn ein Ziel im Reiseprogramm steht, ist es meist Bethlehem mit der Geburtskirche - der Besuch sei laut Auswärtigem Amt "derzeit vertretbar".

Der Verlauf sieht dann zumeist so aus: Der Tourist wird mit einem israelischen Bus bis zum Checkpoint gefahren. Mit einem deutschen Pass darf er ohne Visum ins Westjordanland. Für jüdisch-israelische Busfahrer und Reiseleiter gilt das nicht, deshalb wartet auf der anderen Seite des Zaunes der palästinensische Kollege. Zumindest der Bus muss inzwischen in den meisten Fällen nicht mehr gewechselt werden. Später wiederholt sich das Prozedere in umgekehrter Richtung - länger als einen Tag bleibt kaum jemand in den Palästinensergebieten.

Um dem entgegen zu wirken, wurde Ende 2007 die Internetseite visitpalestine.ps gestartet, auf der für das Touristenziel Palästina Werbung gemacht wird. Ein Problem sei, dass bislang nicht viele israelische und palästinensische Reiseveranstalter kooperieren, sagt Nabil Darwish von der Marketing-Agentur ABS Tourism, welche die Seite betreibt.

Das Bayerische Pilgerbüro stellt in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar. Man biete auch Übernachtungen in Bethlehem an, sagt Direktor Bernhard Meyer. Er beobachte keinerlei Berührungsängste zwischen den Partnern auf israelischer und palästinensischer Seite, mit denen man gleichermaßen kooperiere.

Jason Damon ist überzeugt davon, dass die Friedenschancen steigen, wenn im Tourismus zusammengearbeitet wird. Damon ist Generalsekretär des "Tourism4Peace Forum", einer Initiative, die vom israelischen und vom palästinensischen Hotelverband getragen wird. Man trifft sich - auch mit Vertretern aus Ägypten und Jordanien - auf Konferenzen, gibt Schulungen für Tourismus-Mitarbeiter im Tourismussektor und versucht ein gemeinsames Marketing auf die Beine zu stellen. In Kürze erscheint eine Broschüre, in der das "Heilige Land" mit all seinen Facetten in Europa beworben werden soll.