Die beiden Kirchen streiten sich seit langem um Nutzungsrechte und Eigentumsfragen. Vor sechs Jahren musste der Oberste Gerichtshof in Jerusalem einem ägyptischen Priester erlauben, dass er zwischen dem Deir-al-Sultan-Kloster und den Mönchszellen aus Lehm sitzen darf. Monatelang wurde der 72-Jährige von israelischen Polizisten begleitet, wenn er einen Schemel aufs Dach der Grabeskirche trug und dort die Mittagssonne genoss - unter argwöhnischen Blicken der äthiopischen Mönche.
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Äthiopisch-orthodoxe Mönche feiern eine Zeremonie. (© Foto: Reuters)
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Die Grabeskirche, die wichtigste Kirche des Christentums, hat seit ihrer Errichtung durch Kaiser Konstantin 335 immer wieder zu Streitereien zwischen verschiedenen christlichen Konfessionen geführt. Seit dem Jahr 1852 regelt ein osmanisches Gesetz die Besitzansprüche in und an der Grabeskirche. Das Gesetz wurde von Israel übernommen.
Die Kirche teilen sich - wie die Bethlehemer Geburtsbasilika - die römisch-katholische und die griechisch-orthodoxe Kirche sowie die Armenier und die kleineren christlichen Konfessionen der Kopten, Syrer und Äthiopier. In fast 2000 Vorschriften und Regelungen ist festgehalten, wer wann und wo welche Liturgien abhalten darf. In dem Konvolut an Vorschriften wird jede einzelne Treppenstufe der jeweiligen Konfession zugeordnet, selbst das Anzünden von Kerzen ist paritätisch geregelt. Nur der Schlüssel zum Haupteingang der Grabeskirche befindet sich nicht in der Hand der Christen. Den einzigen Zugang verwaltet gemäß der Tradition eine muslimische Familie.
Eine unverrückbare Holzleiter
Die Äthiopier weigern sich nun, dem Druck der israelischen Regierung nach einer Einigung mit den ägyptischen Kopten nachzugeben. Die Kopten besäßen keine Rechte am Deir-al-Sultan-Kloster, schreibt der äthiopische Erzbischof Matthias.
Die ägyptischen Kopten wiederum beanspruchen das Kloster für sich. Die äthiopische Kirche hatte es übernommen, nachdem vor etwa 150 Jahren die ägyptischen Mönche bei einer Pestepidemie ums Leben gekommen waren.
Eine Einigung zwischen Ägyptern und Äthiopiern scheint in weiter Ferne zu liegen. Der Versuch Israels etwa, eine schlichte Holzleiter, die seit dem 19. Jahrhundert an einem der oberen Fenster der Grabeskirche lehnt, an einen sichereren Ort zu stellen, scheiterte am jahrelangen erbitterten Widerspruch der sechs Kirchenbesitzer. Weil man sich nicht einigen konnte, wer die Leiter bewegen dürfe, steht sie noch immer über dem Haupteingang zur Grabeskirche.
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(SZ vom 15.10.2008/lpr)
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Da gönnen die Kopten den Christen nicht das was die den Äthiopisch-Orthodoxen nicht gönnen. Wie christlich.