Passkontrolle an Flughäfen Ganz mit der Ruhe

Pass auflegen, durch die Glastür gehen, filmen lassen: Bislang gibt es die automatisierte Passkontrolle an vier deutschen Flughäfen.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

An immer mehr Flughäfen scannen Apparate den Ausweis, fotografieren seinen Inhaber und nehmen Fingerabdrücke. Auch in Deutschland. Das soll helfen, nervige Schlangen bei der Einreise zu verhindern, sorgt jedoch zugleich für Irritationen.

Von Monika Maier-Albang

Normalerweise läuft eine Einreise in die USA so ab: Erst steht der übermüdete Fluggast Schlange am Schalter der Immigration, der Einwanderungsbehörde, dann einem hartnäckigen Officer Rede und Antwort, warum er ausgerechnet in dieses Land möchte. Dann wird er fotografiert. Er muss seine Fingerabdrücke hinterlassen, anschließend wartet er auf sein Gepäck, und ist dieses dann endlich da, kann es passieren, dass am Zollschalter ein weiteres Screening folgt. Zwei Stunden Wartezeit sind eher die Regel als die Ausnahme. Willkommen im Land der unbegrenzten Kontrollmöglichkeiten.

Dass die langatmige und manchmal durchaus ruppige Begrüßung kein gutes Bild auf die USA wirft, ist dort bekannt. Im Frühjahr hatte US-Präsident Barack Obama versprochen, sich für eine schnellere Abfertigung an den Flughäfen einzusetzen - eine Umfrage der Tourismusorganisation US Travel Association hatte ergeben, dass die langen Wartezeiten Touristen verschrecken. "Wenn wir nichts unternehmen, gehen die Touristen in andere Länder, wo es schneller geht", sagte der Chef der Organisation, Roger Dow. Zwei Drittel der Befragten hatten angegeben, dass sie wegen der Probleme bei der Einreise in den nächsten Jahren nicht wieder in die USA kommen würden; 43 Prozent wollten sogar Freunden und Verwandten abraten, in die Vereinigten Staaten zu reisen.

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Es gibt bereits ein Verfahren, das die Einreise in die USA beschleunigen soll - allerdings ist auch dieses so kompliziert und mit einer Gebühr von 100 Dollar für fünf Jahre auch so teuer, dass es für Touristen kaum infrage kommt und eher Vielflieger anspricht. Das Programm heißt "Global Entry", deutsche Staatsbürger können seit Oktober 2012 daran teilnehmen. Bislang haben sich nach Angaben der Frankfurter Bundespolizei 6600 Bundesbürger registrieren lassen. Geschäftsreisende berichten, dass die Einreise damit tatsächlich spürbar schneller vonstatten geht. Möglich ist die Vorzugseinreise in die USA an mittlerweile 45 Flughäfen. Wer in dem Global-Entry-Programm registriert ist, kann sich an speziellen Schaltern anstellen, sogenannten Kiosken, die aussehen wie Check-in-Automaten. Dort scannt man den Reisepass selbst ein, man wird fotografiert, gibt seine Fingerabdrücke ab, füllt eine Zoll-Erklärung aus - und kann direkt zur Gepäckabholung gehen. Die Befragung fällt bei der voll automatisierten Einreise weg. Allerdings verzichten die Behörden nicht darauf - die Befragung findet nur vor der eigentlichen Einreise statt.

Erforderlich ist zunächst eine Vorregistrierung, die bei den deutschen Behörden möglich ist. Christian Köglmeier von der Bundespolizei in München spricht in diesem Zusammenhang allerdings nicht von "Zusammenarbeit" mit den amerikanischen Behörden, sondern von einer "Servicedienstleistung" für die Einreisewilligen. Bislang ist diese Vorregistrierung nur bei der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen möglich. Vom Frühjahr 2015 an werden Reisende auch zur Bundespolizei am Münchner Flughafen gehen können. Nach einer persönlichen Vorsprache dort erhält der Bewerber einen "Promotional Code", mit dem er dann bei der amerikanischen Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP eine Global-Entry-Zulassung beantragen kann. Der eigentliche Check, bei dem die US-Behörden den Reisenden befragen, Fingerabdrücke nehmen und ihn einer Hintergrundüberprüfung unterziehen, findet in den USA statt, in einem sogenannten Enrollment Center.

Auch in Deutschland versucht man derzeit, die Passkontrollen zu vereinfachen, indem man das Verfahren automatisiert. Seit Februar können Reisende aus EU-Staaten, sofern sie volljährig sind und einen Reisepass mit Chip oder einen der neuen Ausweise im Scheckkarten-Format besitzen, an den Flughäfen Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf eine elektronische Grenzkontrolle passieren. Die Flughäfen Köln und Berlin-Tegel werden nächstes Jahr nachziehen und ebenfalls das sogenannte Easy-Pass-System einführen, das Reisende freiwillig in Anspruch nehmen können.

Fluggäste passieren dabei einen Automaten, der eigentlich einfach zu bedienen ist. Dennoch irritiert das Gerät viele, die es zum ersten Mal benutzen. Wer durch die gläserne Schranke will, muss zunächst seinen Pass auf ein Lesegerät legen, der Namen, Staatsangehörigkeit und weitere Daten ausliest. Die Daten werden nach Angaben der Bundespolizei nicht gespeichert. Ist alles korrekt, öffnet sich die Schranke. Dahinter steht eine Kamera, die abgleicht, ob der Passagier in der Schranke auch wirklich die Person auf dem Ausweis ist. Gibt das System grünes Licht, öffnet sich die zweite Schranke und man hat die Passkontrolle hinter sich.

Auf die richtige Haltung des Koffers kommt es an

"In 15 bis 20 Sekunden ist eigentlich alles erledigt", sagt Peter Pretzl von der Bundespolizei in München. Geschäftsreisende, die das Gerät schon öfter benutzt haben, schaffen es wohl auch in der kurzen Zeit. Andere stehen aber erst einmal vor dem Pass-Lesegerät und rätseln, wie sie ihr Dokument auflegen sollen. Am Münchner Flughafen ist deshalb ein Mitarbeiter an den sogenannten Spuren postiert, der Passagieren erklärt, wie sie sich richtig verhalten: Pass mit dem Foto nach unten aufs Gerät, warten, bis sich die Glastür öffnet, zur Kamera gehen und dort ruhig stehen, weil das Gerät sonst die Daten nicht erfassen kann, den Trolley nah an sich heranschieben. Wird er hinterhergezogen, kann das von den Sensoren falsch interpretiert werden - als zweite Person.

"Die Geschäftsleute aus London kennen das schon seit Langem", sagt Pretzl, "die haben damit kein Problem mehr." Aber auch in München hat sich die Zahl der Passagiere, die täglich durch die Easy-Pass-Kontrolle gehen, im Vergleich zum Frühjahr verdoppelt. Sechs Spuren hat man hier derzeit, bis 2016 sollen es 42 werden. Das spart Personal, das anderswo eingesetzt werden kann. Ganz auf den Faktor Mensch verzichten - wie in den USA bei der Global-Entry-Einreise - will man in Deutschland aber nicht. Es sei schon vorgekommen, so Pretzl, dass eilige Reisende durch die Schranke gegangen sind und dann merkten, dass ihre minderjährigen Kinder vor verschlossenen Türen standen.

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