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Die frisch geputzten Fensterscheiben der pittoresken Altbauhäuser glänzen um die Wette mit den gepflegten Mittelklassewagen süddeutscher Autobauer, und über allem scheint eine blanke Sonne aus dem makellosen Himmel. Der Wochenmarkt bietet regionales Obst vom Biobauern, kaltgeschleuderten Honig aus dem Schwarzwald, und die freundlichen Verkäufer nehmen sich für jeden Kunden viel Zeit. Erdbeer- und äpfelbeladen führt der Weg ins sorglose Wochenende an einem Obdachlosen mit verfilztem Haar und drecksteifen Klamotten vorbei.

Hektisch wird die Geldbörse gesucht und dafür das Obst in einem Blumenkübel abgelegt. Während man noch überlegt, ob zwei Euro ausreichende Gewissenserleichterung bringen, ruft der Herr in Not in feinstem Badisch: "He Sie! Des is net fein, des Zeugs in de Blümle zu legen!"

Malte Conradi, SZ vom 15./16.9.2012

Bild: dpa

4. Januar 2013, 16:57 2013-01-04 16:57:00

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