Mitten in Absurdistan – Mitten in ... Ettal

Die Ettaler Mühle ist das, was man eine bayerische Traditionswirtschaft nennt. "1701" ist als Baujahr stolz über der Eingangstür des betagten, gut erhaltenen Hauses gepinselt. Drinnen dunkles Holz, draußen Biergartentische unter Kastanien, dazwischen Dirndl-gewandete Bedienungen, die Schweinsbraten, Haxe, Sauerkraut, Obatzten herantragen. Das Bier kommt vom benachbarten Benediktinerkloster, ebenso der Kräuterlikör für danach. Als Ausflugslokal ist die Mühle bei Wanderern und Radlern schon lange beliebt, inzwischen kommen sogar chinesische Touristen.

So auch die zwei jungen Damen, die sich an einem der Biergartentische niederlassen und die Karte studieren. Die Kellnerin tritt heran. "Chinese food?", fragt eine Besucherin. Die Kellnerin stutzt und schüttelt den Kopf. Wortlos lächelnd stehen die zwei auf und verlassen das Lokal.

Viola Schenz, SZ vom 29./30.9.2012

Bild: Victoria Bonn-Meuser/dpa 4. Januar 2013, 16:572013-01-04 16:57:00 © SZ/kaeb/dd