Höhere Fahrpreise Die Bahn kassiert mehr und kommt später

Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 erhöht die Bahn die Fahrpreise um 2,8 Prozent.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bahn erhöht an diesem Wochenende die Preise: Bahnfahren wird um 2,8 Prozent teurer, doch pünktlicher kommen die Züge deswegen nicht. Wie viel die Tickets auf einzelnen Strecken mehr kosten und wo sich Bahnkunden über Verbesserungen freuen dürfen.

Am zweiten Advent ist es wieder so weit: Die Deutsche Bahn wechselt ihren Fahrplan und zugleich erhöht sie die Preise, wie fast in jedem Jahr. Das Unternehmen rechtfertigt die Erhöhung mit gestiegenen Strompreisen, Verbraucherschützer halten sie zumindest für überzogen. Den Fahrgästen bleibt nichts anderes übrig, als zu bezahlen.

Die Argumentation der Bahn stößt vielerorts auf Unverständnis. Der Bahnkritiker Anton Hofreiter von den Grünen weist auf Vorteile des Großkunden hin. Die Bahn profitiere seit Monaten von sinkenden Strompreisen. "Sie freut sich darüber, dass der Großhandelspreis sinkt, und gegenüber den Kunden begründet sie die höheren Ticketpreise mit steigenden Strompreisen", schimpft der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses in der ZDF-Sendung "Frontal 21".

Fest steht, dass sich Bahnfahren nach einem Umbau des Preissystems seit Ende 2003 um rund 35 Prozent verteuert hat, während die Verbraucherpreise - laut Index des Statistischen Bundesamtes - insgesamt nur um 16,3 Prozent stiegen. Umgerechnet sind das pro Jahr im Durchschnitt 3,4 Prozent Preisaufschlag für Bahntickets im Vergleich zu 1,7 Prozent Teuerungsrate.

Die Deutsche Bahn macht eine andere Rechnung auf: Ihr Preisniveau sei 2003 um zwölf Prozent gesenkt worden. Wenn man das berücksichtige, liege sie mit ihren Anhebungen nicht über der Inflationsrate.

Deutlich mehr Verspätungen im Bahnverkehr

"Die Qualität ist nicht so, dass man eine Preiserhöhung rechtfertigen könnte", sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Er meint damit vor allem die vielen Zugverspätungen. Die jüngste Statistik der Bahn belegt das. Demnach waren im Oktober 27,4 Prozent der Fernzüge mit Verspätung unterwegs. Im März lag diese Quote noch bei 14,4 Prozent. "Solange die Bahn das nicht im Griff hat, kann sie nicht mehr Geld verlangen", moniert Naumann. Sie solle wie zuletzt lieber noch mehr Fahrgäste gewinnen und so die Einnahmen erhöhen. Im ersten Halbjahr ist die Fahrgastzahl um vier Prozent gestiegen.

Mehr Züge an den Wochenenden

Vom 9. Dezember an will die Bahn außerdem freitags und sonntags ein paar Züge mehr einsetzen. Davon sollen Wochenendpendler auf stark genutzten Verbindungen profitieren, etwa auf der Strecke Hamburg-Köln oder Köln-Hannover-Berlin. "Kleine punktuelle Entlastungen", sagt Naumann dazu. Auf der Intercity-Linie Stuttgart-Köln-Hamburg setzt die Bahn die ersten von 770 Wagen ein, die bis 2014 eine neue Inneneinrichtung bekommen. Das ist kein Zufall: Seit Ende Juli pendelt der Bahnkonkurrent HKX zwischen Köln und Hamburg.

Winterreserve im Fernverkehr fehlt

Nicht eingesetzt werden können acht nagelneue ICE von Siemens. Sie sind bei Testfahrten durchgefallen, die Software für die Zugsteuerung erwies sich als mangelhaft. Der Bahn fehlt deshalb im Fernverkehr eine Winterreserve. Sollten bei Schnee und Eis viele Züge ausfallen, hat sie kaum Ersatz.

Im Schienennetz gibt es ab Sonntag zwei wesentliche Verbesserungen. Der Katzenbergtunnel südlich von Freiburg im Breisgau wird den grenzüberschreitenden Güterverkehr mit der Schweiz beschleunigen. Und zwischen Hildesheim und Braunschweig verschwindet ein 34 Kilometer langes eingleisiges Nadelöhr.

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