Erst Ausfall in der Kälte, nun Kollaps in der Hitze: Der ICE war einst das Schmuckstück der Bahn. Seit einiger Zeit häufen sich die Mängel - aus unterschiedlichen Gründen.
Wie war die Welt auf Schienen 1966 noch in Ordnung. "Alle reden vom Wetter. Wir nicht" warb die Bahn damals in ganzseitigen Anzeigen, "Fahr lieber mit der Bundesbahn". Es ist ein Slogan aus einer längst vergangenen Zeit. In der Anzeige pflügte seinerzeit eine E-Lok der legendären Baureihe E 10 durch die Winterlandschaft - heutzutage legt Tief Daisy mal eben ganze ICE-Züge lahm, so geschehen im letzten Winter. In den fünfziger und sechziger Jahren ließ die Bahn erstmals klimatisierte TEE-Züge durchs Land fahren. Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends legt Hoch Zadok reihenweise Züge lahm. "Der Zug hat sich selbsttätig abgeschaltet", erfuhren Reisende im ICE von Stuttgart Richtung Norden vorigen Donnerstag.
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Am Wochenende fielen Kühlaggregate in Zügen der Deutschen Bahn aus, drei ICE-Züge mussten evakuiert werden: Bei Temperaturen von mehr als 50 Grad erlitten Passagiere Zusammenbrüche. Wenn derzeit etwas in vollen Zügen zu genießen ist, dann nicht die Reise mit einem ICE. (© AFP)
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Seither häufen sich die Zwischenfälle, bis hin zum "Massenanfall von Verletzten" auf dem Bielefelder Bahnhof am vergangenen Samstag. Weil die Klimaanlage des gesamten Zugs ausfiel, stiegen die Temperaturen im Inneren auf an die 50 Grad, mehrere Reisende erlitten einen Hitzekollaps. In zwei weiteren Zügen geschah Ähnliches, die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt: wegen fahrlässiger Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung. Der ICE, einst Schmuckstück der deutschen Bahnindustrie, will derzeit überhaupt nicht so wie die Bahn.
Die Probleme reihen sich seit Jahren. Nach einem Achsbruch im Kölner Hauptbahnhof stellten Experten bei mehreren Fahrzeugen feine Risse fest, die teils auf ermüdetes Material, teils auf schlechte Wartung zurückgehen. Seitdem kämpft die Bahn mit einem nie dagewesenen Andrang vor ihren Werkstätten. Noch bis 2013 wird es brauchen, bis alle Achsen ausgetauscht sind. In der Zwischenzeit sind die Züge Dauergäste in den Werkstätten zur regelmäßigen Kontrolle. Die Folge: Für den Bahnverkehr stehen weniger Züge zur Verfügung, ergo auch weniger Ersatzzüge, falls einer mal ausfällt.
Damit können kleine Probleme riesige Auswirkungen haben. Als im Winter bei ICEs ein kleiner, aber wichtiger Abfluss einfror, konnte die Bahn tagelang keine ICEs zwischen München und Berlin verkehren lassen - ausgerechnet zwischen Weihnachten und Neujahr, auf einer der Premiumstrecken der Bahn. Dieser Tage sind es Temperaturen von 37 Grad und mehr, die der Elektronik zu schaffen machen. Fällt aber die Klimaanlage aus, gibt es auch keine Lüftung mehr in den Zügen, so will es die Technologie. Fenster lassen sich im ICE ohnehin nicht mehr öffnen - sie haben schließlich eine Klimaanlage.
Weshalb eine verzweifelte Mutter im ICE nach Bielefeld die Scheibe zertrümmern wollte. Aber auch dagegen ist der ICE gefeit, die Scheiben splittern nur, sie brechen nicht leicht. Wer einmal in dem Hochgeschwindigkeitszug sitzt, muss sich auf dessen Funktionsfähigkeit schon verlassen. "Wir haben uns daran gewöhnt, dass die komplexen Systeme funktionieren", sagt der Dortmunder Techniksoziologe Johannes Weyer. Gleichzeitig seien aber auch die Ansprüche gewachsen - die Systeme geraten so immer stärker unter Druck. "Früher stand ein Zug zehn Minuten im Bahnhof, heute muss er nach zwei Minuten wieder raus", sagt Weyer. "So ein eng getaktetes System erlaubt keine Regeneration." Allerdings ist es insgesamt auch schneller, sofern der Zug im Plan fährt.
Aber ein komplexes System wird anfällig für Fehler auch da, wo es keiner vermutet. Beispiel S-Bahn Berlin: Die neueren Wagen verfügen über modernste Technik, die aber empfindlich auf hohe Temperaturen reagiert - weswegen es in den Führerständen inzwischen Klimaanlagen gibt. Nur hat die Bahn zwischenzeitlich auf vielen Bahnhöfen das Personal abgebaut, das die Züge abfertigte, aus Kostengründen. Die Folge: An jedem Bahnhof muss der Fahrer seine Tür öffnen, um seinen S-Bahn-Zug selbst abzufertigen - und die Temperatur im Führerhaus steigt. Nicht alle Wagen verkraften das, einige haben einstweilen hitzefrei. In den verbleibenden Zügen wird es dagegen enger.
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Träumen, planen, reisen
das ist so.
Das Gesamtkunstwerk "Zugfahren" hat halt nicht nur mit der steigenden Komplexität der Züge zu kämpfen, sondern gleichzeitig mit
- Personalabbau
- Eliminierung von Redundanzen
- Einsparungen auf allen Ebenen
zu kämpfen. So gesehen ist das alles keine Kathastrophe sondern eine logische Konsequenz. Zu diesem Schluss zu kommen müsste auch den hochqualifizierten Leistungsträgern möglich sein, schliesslich erhalten sie für ihre überragenden Leistungen auch genug Geld. Und das alles war politisch gewollt und von langer Hand vorbereitet. Es wird also wieder einmal auf die Falschen eingeschlagen.
"...daß uns dieser katastophale Börsengang durch "höhere Gewalt" erspart geblieben ist."
Da fehlt leider ein "vorläufig" in Ihrem Satz. Sobald die "Wirtschaft wieder anzieht" und ein dementsprechend höherer Gewinn beim Verkauf der Bahn erzielt werden kann, geht das Ganze über die Bühne.
daß uns dieser katastophale Börsengang durch "höhere Gewalt" erspart geblieben ist.
Die übrigen Kommentare zielen m.E. genau in die richtige Richtung.
Leider müssen wir die weiteren Fehlleistungen dieser Kanzlerin und ihrer Handlanger ertragen.
Eine Schande, dass uns die Franzosen und andere vormachen, wie man High-Tec. baut, nur weil hier die Profitgier Überhand nimmt.
Ein Klimaanlage ist kein Hexenwerk, man muß nur bereit sein, die notwendigen Belastungstests den Extremwerten anzupassen. Das ist halt einfach ein bischen teurer, funktioniert dann aber.
Ein typischer Fall, wie man aus fremden Schlagzeilen unter strengster Vermeidung des Hinzutuns eigenen Wissens einen Artikel schreibt.
Beispiel: Öffnen Sie einmal (gedanklich) ein Fenster bei 200 oder mehr. Da fallen Ihnen fast die Ohren ab, auch ohne Begegnung im Tunnel.
Andersrum wird ein Schuh draus: So ein Zug ist bei Ausfall der Klimaanlagen einer begrenzten Anzahl der Wagen NICHT MEHR EINSETZBAR, wenn man die Reisenden nicht in funktionierende Wagen verteilen kann. Das geht freitags und sonntags praktisch nie.
Bei allein mindestens sechs Personenunfällen am vergangenen Freitag, keiner durch Schuld der Bahn, ist das System so gestört, dass es aufzugeben wäre und neu gestartet werden müsste - WENN ES DENN GINGE!!!
Zwei bis drei Stunden Streckensperrung mit Stromabschaltung (Da ist sie wieder, die Klimaanlage!) je Personenunfall führen natürlich zu Verspätungen, aber auch dazu, dass kein Zug, kein Reisender, kein Lokführer zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr dort ist, wo er nach Plan eigentlich sein müsste.
Von "untergeordneten Zügen" - Regio, S-Bahn oder gar Güterzügen - wird nicht mal mehr gesprochen, obwohl dort ebenfalls Menschen mit einer "begrenzten Haltbarkeit" draufsitzen.
Das Ganze kommt zustande durch bedingungsloses Ausquetschen aller Reserven, personell, materiell und organisatorisch.
Wenn wir, im Gegensatz zur Staatsbahn, so eine Bahn gewollt haben, dann haben wir sie jetzt.
kaufen muss, wird es Probleme geben. Natürlich der angebliche Sparzwang dazu. Von Zügen, bei denen Siemens "mitgebastelt" hat hört man von überal her, dass es jahrelang Probleme gab und gibt. Hört man das auch in Frankreich und/oder Japan, wo SIemens nicht dabei ist??
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