Der Rücktritt von Bischöfin Maria Jepsen ist traurig - und dennoch gerechtfertigt: Im evangelischen Nordelbien griffen die selben Mechanismen wie in der katholischen Kirche.
Es ist das traurige Ende einer Amtszeit, die als Epochenwandel begann: Maria Jepsen, 1992 in Nordelbien zur ersten lutherischen Bischöfin der Welt gewählt, tritt zurück. Sie tritt zurück, weil sie sich in einem schrecklichen Missbrauchsfall falsch verhalten hat, und weil sie zu lange leugnete, sich falsch verhalten zu haben. Ein Pastor hat seinen Stiefkindern sexuelle Gewalt angetan, über Jahre hinweg. Viele hätten es wissen können, wissen müssen: ein Pfarrerskollege, eine Dekanin, die Bischöfin offenbar spätestens 1999. Doch niemand wollte es so genau wissen, niemand wollte dem beliebten Pfarrer einen solchen Vorwurf anhängen und Konsequenzen ziehen.
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Es ist vorbei: Bischöfin Maria Jepsen nach ihrem Rücktritt. (© rtr)
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Es funktionierten im evangelischen Nordelbien die gleichen Mechanismen wie in der katholischen Kirche: Der Wunsch, die Institution zu schützen, trübte den Blick für die Opfer. Der Täter konnte sich zum Opfer stilisieren. Als er aus der Gemeinde versetzt wurde, hatte er weiterhin Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Zehn Jahre lang hielt die Kirche still, die Opfer mussten das Schweigen brechen. Auch demokratisch organisierte Gemeinschaften ohne Zölibat können Sumpfkulturen entwickeln, in denen Missbrauch ungestraft gedeiht.
Sexuelle Gewalt geschieht überall, Missbrauch durch Geistliche vergewaltigt in besonderer Weise die Seelen der Kinder und Jugendlichen. Die Täter nutzen geschickt ihr Amt, sie missbrauchen in Gottes Namen. Das ist der überkonfessionell kirchliche Geschmack dieser Taten. Und ausgerechnet in Nordelbien, wo man stolz ist auf das fortschrittliche und frauenbewegte Bewusstsein, hat die Kirchenleitung dies nicht erkannt. Das wiegt schwer; auch das ist ein Grund für Maria Jepsens traurigen Rücktritt.mad
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(SZ vom 17.07.2010/mob)
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