Wirtschaftsminister in Iran Peinlich, Herr Gabriel

Die Bundesregierung zeigt mit der Iran-Reise von Wirtschaftsminister Gabriel eindrucksvoll, was aus ihrer Sicht am wichtigsten ist: die Geschäfte.

Kommentar von Stefan Braun

Dass Sigmar Gabriel nur wenige Tage nach der Atom-Einigung mit Iran nach Teheran reist, um der deutschen Wirtschaft die Tür zu öffnen, ist zuallererst ehrlich. Die Bundesregierung und ihr Wirtschaftsminister zeigen damit eindrucksvoll, was aus ihrer Sicht am wichtigsten ist für Deutschland: Es sind die Geschäfte und die damit vielleicht verbundenen Arbeitsplätze. Wer so denkt, will nicht zu spät kommen. Sonst könnte der Auftraggeber einen ja strafen, indem er zur Konkurrenz geht.

Der Auftraggeber ist in diesem Fall allerdings einer, der seit vielen Jahren das Existenzrecht Israels ablehnt. Ein Auftraggeber, der seit Langem eine Atombombe bauen wollte. Also ein Auftraggeber, der noch beweisen muss, dass er diese Idee aufgibt. Erst dann werden die Wirtschaftssanktionen Schritt für Schritt gelockert. Gabriel ist also nach Teheran gefahren, bevor das Land seinen Sinneswandel belegt hat. Seine Reise ist deshalb nicht nur ehrlich; sie ist auch peinlich.

Sie gefährdet das, was sich Berlin zuletzt an Ansehen in der Welt aufgebaut hat - als Makler für den Frieden, der nicht nur die eigenen Interessen im Kopf hat. Das Abkommen mit Teheran sollte eine iranische Atombombe verhindern und so die Gefahren für Israel mindern. Jetzt entsteht der Eindruck, Deutschland habe sich vor allem um seine Geschäfte gekümmert. Zu spät kommen ist blöd; zu früh fliegen ist manchmal viel blöder.

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