Werratal-Kaserne in Bad Salzungen Bundeswehrsoldat in Thüringen soll schwer misshandelt worden sein

Die Werratal-Kaserne: Hier soll ein Bundeswehrsoldat systematisch gedemütigt worden sein.

Geknebelt, geschlagen - und mit einem Tackergerät beschossen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen drei Bundeswehrsoldaten, die einen Gefreiten in Thüringen systematisch gedemütigt und misshandelt haben sollen. Leider kein Einzelfall, sagt der Wehrbeauftragte.

Von Christoph Hickmann, Berlin

Bei der Bundeswehr sollen drei Soldaten einen Kameraden mit niedrigerem Dienstgrad über einen längeren Zeitraum misshandelt und gedemütigt haben. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung handelt es sich bei den mutmaßlichen Tätern um zwei Oberstabsgefreite und einen Stabsunteroffizier, bei dem möglichen Opfer um einen freiwillig Wehrdienstleistenden im Rang eines Gefreiten, der erst Anfang Juli in die Truppe eingetreten war.

Alle gehören zum Panzergrenadierbataillon 391, die Vorfälle sollen sich im Oktober und November in der Werratal-Kaserne in Bad Salzungen in Thüringen zugetragen haben. Die Bundeswehr, die den Verdacht am Freitag öffentlich machte, hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Nach SZ-Informationen wandte sich der Gefreite Mitte vergangener Woche an einen Gruppenführer und berichtete diesem, er werde seit Ende Oktober regelmäßig misshandelt. Seinen Schilderungen zufolge sollen ihn die mutmaßlichen Täter mit starkem Klebeband, sogenanntem Panzertape, gefesselt sowie ihn geschlagen und getreten haben. Zudem hätten sie ihn als "Nichtsnutz" sowie "totalen Versager" beschimpft und ihn verletzt, indem sie ihn mit Tackernadeln aus einem Tackergerät beschossen hätten.

Sie sollen darüber hinaus die Verpflegung des möglichen Opfers mit ihren Geschlechtsteilen berührt und dies gefilmt haben. Nachdem der Gefreite die Nahrung gegessen hatte, sollen sie ihm das Filmmaterial vorgespielt haben. Der junge Mann berichtete außerdem, die drei Zeitsoldaten hätten sein Gesicht mit Filzstift bemalt, Ausrüstungsgegenstände zerstört, ihm mit einer Feldmütze ins Gesicht geschlagen sowie ihn in den Schwitzkasten genommen und über den Flur gezogen.

Staatsanwaltschaft verspricht Aufklärung

Ein Sprecher der Bundeswehr wollte zu diesen Details auf Anfrage keine Stellung nehmen: Zu Einzelheiten laufender Ermittlungen und dem aktuellen Stand äußere man sich grundsätzlich nicht. Zudem ermittele nun die Staatsanwaltschaft. Die Bundeswehr teilte lediglich mit, dass man den Vorfall "sehr ernst" nehme und "alle Maßnahmen zur Aufklärung" treffe.

Auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Er verwies auf die Ermittlungen sowohl der Staatsanwaltschaft als auch der Bundeswehr. "Vergleichbare Fälle gibt es leider immer wieder einmal, eine Häufung oder gar ein systematisches Problem kann ich aber momentan nicht erkennen", teilte Königshaus mit. "Jeder einzelne Misshandlungsfall ist einer zu viel und muss rasch und umfassend durch die Bundeswehr sowie die Staatsanwaltschaft aufgeklärt werden."

Im Jahresbericht des Wehrbeauftragten tauchen immer wieder Fälle auf, in denen Soldaten misshandelt und gedemütigt wurden. Anfang 2010 hatte ein Fall bei den Gebirgsjägern in Mittenwald Aufsehen erregt. Ein ehemaliger Wehrpflichtiger hatte von entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen berichtet, bei denen Soldaten bis zum Erbrechen Alkohol trinken sowie rohe Schweineleber und Hefe essen mussten.