Weltklimakonferenz in Cancún Spät, aber noch nicht zu spät

Noch ist der Kampf um den Klimaschutz nicht entschieden, der Gipfel in Cancún ließ viele Punkte offen. Doch der Beschluss aus Mexiko und der Ton der Verhandlungen machen Hoffnung.

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Für alle, die am Schicksal künftiger Generationen interessiert sind, ist dieser Samstag ein guter Tag. Nach zwei Wochen teils zäher Verhandlungen haben die Staaten einen neuen Anlauf im Klimaschutz vereinbart. Das Wachkoma nach der desaströsen Konferenz in Kopenhagen - es ist beendet.

Gewonnen ist damit noch nichts im Kampf gegen die Erderwärmung. Cancún hat lediglich die endgültige Niederlage abgewendet. Allein das aber ist ein großer Erfolg. Mit der Vereinbarung wollen sich die Staaten nun abermals aufmachen, die Aufheizung der Atmosphäre einzudämmen. Sie haben sich, erstmals in der Geschichte der Vereinten Nationen, dafür ein fixes Klimaziel gesetzt: Um nicht mehr als zwei Grad soll sich die Erde erwärmen, gemessen an dem Niveau vor der Industrialisierung.

Alle Vereinbarungen zum Klimaschutz werden sich künftig daran messen lassen müssen, ob sie dieses Ziel erreichen können. Auch haben die Staaten den Grundstein gelegt für einen wirkungsvollen Schutz tropischer Wälder und für einen Finanzfonds, der künftig arme Staaten in ihrem Kampf gegen den Klimawandel unterstützen soll.

Vor allem aber haben sie zu einem neuen Stil gefunden, einem neuen Stil der internationalen Zusammenarbeit. Zu danken ist das allein der Gastgeberin. Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa hat eine Form von Offenheit und Transparenz in internationalen Verhandlungen etabliert, die seinesgleichen bisher suchte. Respekt und Rücksicht waren die Schlüssel zum Erfolg - zu einem Erfolg, der reiche und arme Staaten gleichermaßen forderte.

Also alles gut mit dem Klima? Mitnichten. Die beiden größten Klimasünder der Welt, China und die USA, wollen den Kampf gegen die Erderwärmung weiterhin nur unverbindlich führen. Japans Widerstand gegen neue, feste Klimaziele unter dem Dach des Kyoto-Protokolls ist nicht gebrochen - der Streit ist nur aufgeschoben. Und es ist keineswegs sicher, dass das Kyoto-Protokoll im kommenden Jahr verlängert wird. All das konnte in Cancún nicht gelöst werden, es ist vertagt auf die nächste Konferenz in Südafrika. Wird das Anschlussabkommen dort abermals verschoben, schlittert der Klimaschutz in die nächste Krise.

Dennoch weckt das Treffen in Mexiko neue Hoffnung. Denn die Ziele der Staaten sind ehrgeiziger denn je, zumindest auf dem Papier. Verhandeln sie weiter mit dem Esprit dieser Tage, dann können sie auch Wege finden, diese Ziele zu erreichen. Und auch das lehrt die Konferenz: Jenseits der zähen Verhandlungen nimmt der Klimaschutz in vielen Ländern längst seinen Lauf - in China mit dem neuen Fünf-Jahresplan, in Südkorea mit Milliardenprogrammen für erneuerbare Energien, in Brasilien und Indonesien mit Großprojekten zum Schutz der Regenwälder. Es ist spät für eine Wende im Interesse künftiger Generationen. Aber noch nicht zu spät.