Weltklimakonferenz "Es geht ums Überleben"

Der Friedensnobelpreisträger Kofi Annan warnt eindringlich vor den Folgen des Klimawandels.

Eindringlich appelliert der frühere UN-Generalsekretär Annan an die Weltgemeinschaft, den Kampf gegen die Erderwärmung zu forcieren. Im SZ-Interview vor dem Klimagipfel in Polen präsentiert er einen interessanten Vorschlag, den Ressourcenverbrauch einzudämmen.

Von Michael Bauchmüller und Marlene Weiß

Kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz in Warschau hat der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan eindringlich vor einem Scheitern im Kampf gegen die Erderwärmung gewarnt. "Letztendlich geht es ums Überleben", sagte der Friedensnobelpreisträger der Süddeutschen Zeitung. "Ich weiß, dass viele daran zweifeln, aber der Klimawandel ist da, und kein Land, reich oder arm, kann den Folgen ausweichen."

Kommenden Montag treffen sich in Warschau Klimaverhandler aus 195 Nationen, um ein neues Klimaabkommen vorzubereiten, das bis 2015 ausgehandelt sein soll. Die Erwartungen an die Konferenz sind bislang bescheiden, zumal Gastgeber Polen nicht als sonderlich ehrgeizig gilt, was Klimaschutz angeht. Annan, der am Donnerstag mit dem Reinhard-Mohn-Preis der Bertelsmann-Stiftung ausgezeichnet wurde, warnte davor, sich allein auf die Politik zu verlassen. Die Rolle des Einzelnen werde oft unterschätzt. "Das Volk kann führen, wenn die politischen Anführer es nicht tun."

Auch brauche es eine Reform der Vereinten Nationen, um diese effektiver zu machen. So hätten immer noch kleine Staatengruppen die Möglichkeit, Entscheidungen zu blockieren. Das einzige schlagkräftige Gremium, der Sicherheitsrat, reflektiere die Welt von 1945 - mit den Vetomächten China, USA, Russland, Großbritannien und Frankreich. Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen von 1997 bis 2006, hatte in seiner Amtszeit vergeblich versucht, diese Strukturen zu reformieren. Auch auf Klimakonferenzen waren zuletzt immer wieder Vorstöße an einigen wenigen Staaten gescheitert.

"Wir brauchen dringend Umweltsteuern"

Das Versagen der UN beim Bekämpfen des Klimawandels sei "größer, folgenreicher" als ihr Versagen bei Srebrenica oder Ruanda, sagte Annan. Dennoch werde die Erderwärmung von vielen Menschen unterschätzt. "Es ist eine schleichende Gefahr von ungeheurem Ausmaß", warnte Annan. Auch die "bedenkenlose Ausbeutung der Ressourcen" müsse gestoppt werden. "Wir brauchen dringend Umweltsteuern, um den Konsum zu drosseln." Andernfalls würde wer viele Ressourcen verbraucht nicht anders behandelt als jemand, der sparsam damit umgeht.

In einer Resolution verlangte am Freitag auch der Weltkirchenrat Fortschritte auf dem Warschauer Klimagipfel. "Der Klimawandel ist heute zu einer der größten globalen Bedrohungen geworden, von der insbesondere die verwundbarsten Bevölkerungsgruppen betroffen sind", heißt es in einer Erklärung, die von 350 Kirchen getragen wird.

Derweil brachten die EU-Staaten eine Korrektur des wichtigsten europäischen Klimaschutz-Instruments, des Emissionshandels, auf den Weg. Vertreter der Mitgliedstaaten stimmten in Brüssel für eine vorübergehende Kürzung der CO2-Zertifikate. Dies soll den Klimaschutz wiederbeleben. Die Intervention war monatelang nicht möglich gewesen, weil die schwarz-gelbe Bundesregierung sie nicht billigte. Erst am Montag sprachen sich die Verhandlungspartner in der Arbeitsgruppe Energie für eine Reform aus.