"Eine Zeit zum Nachdenken, nicht zur Vergeltung": Barack Obama will CIA-Mitarbeiter nicht für umstrittene Verhörmethoden bei Terrorverdächtigen bestrafen. Menschenrechtler sind "schwer enttäuscht" und bestürzt.
CIA-Agenten, die unter der Bush-Regierung terrorverdächtige Gefangene misshandelt und gefoltert haben, werden in den USA nicht juristisch belangt. Das entschied Präsident Barack Obama am Donnerstag.
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Barack Obama enttäuscht mit seiner Entscheidung US-amerikansiche Menschenrechtler. (© Foto: AFP)
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Wer "seine Pflicht im guten Glauben an den Rat des Justizministeriums erfüllt hat", habe keine strafrechtliche Verfolgung zu befürchten, teilte der Präsident mit. Die Geheimdienstler hätten sich auf Rechtsgutachten des Justizministeriums verlassen, in denen die teilweise brutalen Verhörmethoden ausdrücklich gebilligt worden waren. Obama ordnete an, vier Memoranden mit detaillierten Verhörvorschriften zu veröffentlichen.
In einer Art Ehrenerklärung lobte Obama die "Männer und Frauen in unseren Geheimdiensten, die mutig an den Frontlinien einer gefährlichen Welt dienen". Im Wahlkampf hatte Obama die Bush-Regierung noch teilweise heftig für die Methoden ihres Anti-Terror-Krieges kritisiert.
"Lieber nach vorne schauen"
Nach Amtsantritt ordnete er umgehend eine Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo auf Kuba und ein Verbot jeglicher Folter an. Zugleich signalisierte der Präsident damals jedoch, dass er "lieber nach vorne schauen" wolle, statt die Geheimdienste mit einer Aufarbeitung der Vergangenheit zu verprellen. Nun erklärte er, dies sei "eine Zeit zum Nachdenken, nicht zur Vergeltung".
In einem persönlichen Statement legte der Präsident zudem dar, dass er die nun veröffentlichten Folter-Memos nur freigebe, weil deren Inhalt ohnehin weitgehend bekannt und die entsprechende Politik längst eingestellt worden sei. Dies seien "außergewöhnliche Umstände". In Zukunft hingegen werde er als Präsident jedoch "keine Erosion der Rechtsgrundlagen" für die Geheimhaltung von Regierungsaktivitäten zulassen: "Ich werde immer alles Nötige tun, um die nationale Sicherheit der USA zu schützen."
Zugleich legte das Justizministerium vier Rechtsgutachten aus den Jahren 2002 bis 2005 vor, die bis ins Detail die genauen Umstände von foltergleichen Verhörmethoden regelten. Das so genannte Office of Legal Council, das für die gesamte Regierung die Verfassungsmäßigkeit staatlichen Handelns prüft, billigt darin unter anderem die kumulative Anwendung äußerst umstrittener Verhörmethoden wie das simulierte Ertränken ("Waterboarding"), den Zwang zum langen Stehen und das Vorenthalten von Nahrung.
28 Terrorverdächtige wurden gefoltert
Andere Techniken, die gegenüber terrorverdächtigen Gefangenen als legal betrachtet wurden, waren etwa, den Kopf des Gefangenen mit einem Kunststoffkragen zu versehen und dann gegen eine Wand zu schleudern oder den Internierten über lange Zeit extremer Kälte auszusetzen. Auch Schlagen und Treten sowie Schlafentzug und langes Anketten wurden ausdrücklich gebilligt. Die Methoden wurden gegen 28 Terrorverdächtige eingesetzt. In mindestens einem Fall wurde zudem erlaubt, einen Gefangenen mit dem Einschleusen diverser Insekten in seiner Zelle Angst einzujagen.
Menschenrechtsorganisationen, aber auch Obama und sein Justizminister Eric Holder hatten das Vorgehen als Folter gebrandmarkt. Die Bürgerrechtsorganisation ACLU kritisierte die Ankündigung der Obama-Regierung als "schlicht unhaltbar". Wenn Verbrechen begangen worden seien, müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
Das Center for Constitutional Rights erklärte, dies sei eine der "schwersten Enttäuschungen" durch die neue Regierung. Larry Cox, stellvertretender Direktor von Amnesty International, beklagte den "Freifahrtschein aus der Haft" für Menschen, die in Folter verwickelt waren.
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(SZ vom 17.04.2009/liv)
Protest gegen dritte Startbahn
Das mindeste ist eine "symbolische" Bestrafung sowohl der Anordnenden wie der Ausführenden amerrikanischer Menschenrechtsverletzungen. Unverzichtbar wäre so etwas wie "Kollektivscham", zu der der amerikanische Präsident aufrufen müsste. Sie wäre so etwas wie der Ansatz einer Aufarbeitung der begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nicht verjähren wie die Wahrheit nicht verjährt.
Die Entscheidung, nichts zu tun, wird als Makel des neuen amerikanischen Präsidenten bleiben. Sie zeugt nicht von Stärke, sondern von Schwäche. Sein Wahlkampf, sein zur Schau gestelltes Charisma war gerade auf moralische Erneuerung, auf Change, ausgerichtet. Dass diese Versprechen sich nun sehr schnell als hohl entpuppen, macht betroffen und enttäuscht, weil sie die Abkehr von den verkündeten Zielen bedeuten.
Gehorsam hat in Deutschland eine lange Tradition......
Gibt es einen Grund warum mein Kommentar von 14:32 ...weg ist???
Man kann sich dazu stellen wie auch immer. Man wußte in der Franzöischen Revolution, wo der Adel wohnte.
Im bis an die Zähne bewaffneten Amerika wird der Bürger vielleicht nicht an Bernanke herankommen, aber an den einen oder anderen Banker, Politiker oder Manager.
Das wird spätestens dann der Fall sein, wenn Obama als Messias scheitert. Und das wird er zwangsläufig. Dann gnade den USA Gott.
hat sich mit einer Meisterleistung in Sachen Unschuldsvermutung heute schon verausgabt - in dieser unappetitlichen Aids-Geschichte mit einer Träller-Jungfrau, die nun in Haft ist.
Sein Text, in der Tat, zur Unschuldsvermutung passt hier - wie eigentlich bei jedem anderen Artikel dieser Tage bei SZ - treffsicher.
Fakt ist: alles was, sei's zur CIA, zum Waterboarden oder eben zur Jungsängerin gesagt wird: es ist selektiv und daher un-ehrlich, un-wert, gehalt-los.
Solange Demokratie, Rechtsstaatlichkeit selektiv angewandt werden - und zwar widerspruchslos - oder wo haben wir dasselbe für den zugegeben sehr schwierigen Charakter Demjanjuk gelesen (dem das aber eben auch zusteht!) - oder wo haben wir fieberkurvigen Aufschrei gelesen, als ich hier bei SZ zu einem Miss.brauchs-täter lynchige Nachbarschaftsauftriebe lesen musste mit der Überschrift "wir wissen wo Du wohnst?"
Nein, nein mein Lieber: es kann einem zwanglos und sehr intensiv übel werden angesichts der grundsätzlichen Schönwetterdemokratie" allerorten.
Paging