Washington IWF-Chefin Lagarde stellt sich gegen Trump

Die Direktorin des Weltwährungsfonds warnt den US-Präsidenten vor Abschottung: Die USA setzen ihre Führungsrolle aufs Spiel.

Von Claus Hulverscheidt, Washington

Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank haben die USA vor einer wirtschaftlichen Abschottung und einem Rückzug aus ihrer globalen Verantwortung gewarnt. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte zum Auftakt der Frühjahrstagung beider Institutionen in Washington, offene Grenzen und Handel seien die Voraussetzungen für mehr Wohlstand. Weltbankpräsident Jim Yong Kim wandte sich gegen Pläne der USA und Großbritanniens, ihre Entwicklungshilfeausgaben zurückzuschrauben. Entwicklungshilfe sei nicht einfach nur ein Geschenk, sondern auch ein Beitrag zur Vermeidung von Flüchtlingsströmen und Extremismus.

An der Tagung in Washington nehmen die Finanz- und Entwicklungshilfeminister von 189 Staaten teil. Überschattet wird das Treffen diesmal nicht nur von den vielen globalen Krisen, sondern auch vom ungewissen wirtschaftspolitischen Kurs des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Er hat exportstarken Ländern wie Deutschland, China und Mexiko mit Strafzöllen gedroht und will zudem die Ausgaben für internationale Institutionen zusammenstreichen. Die Entwicklungsorganisation One erklärte, es seien nicht weniger, sondern mehr Hilfen nötig, um etwa Hungersnöte zu verhindern. "Die USA riskieren ihre globale Führungsrolle einzubüßen, wenn sie sich bei multilateralen Entwicklungsbanken, der Entwicklungshilfe, der G 20 oder der G 7 zurücknehmen", betonte Deutschlanddirektor Stephan Exo-Kreischer.

Kim sagte mit Blick auf die USA, viele Menschen machten die Globalisierung für den Verlust von Arbeitsplätzen verantwortlich. Studien zeigten jedoch, dass ein Großteil der Stellen nicht durch den Handel, sondern durch die immer stärkere Automatisierung der Arbeitswelt verloren gehe. Nationalismus werde "diese Jobs nicht zurückbringen", betonte Kim. Stattdessen müssten die Regierungen viel mehr Geld für Bildung ausgeben, um junge Menschen für anspruchsvollere Berufe zu qualifizieren.

Lagarde räumte ein, dass derzeit nicht alle Menschen gleichermaßen vom Welthandel profitierten. Nötig seien daher bessere Regeln, die dafür sorgten, dass es fair zugehe. Ihre bisherigen Gespräche mit der Regierung Trump hätten gezeigt, dass die USA zur Mitarbeit an einem effizienteren Weltwirtschaftssystem bereit seien. Die Einführung von Strafzöllen und anderen Handelsbarrieren werde die Probleme jedenfalls nicht lösen, so die IWF-Chefin.

Kritik drohte in Washington aber nicht nur den USA, sondern auch Deutschland. Viele Partner kritisieren, dass die Bundesrepublik mit ihren extrem hohen Exportüberschüssen die Weltwirtschaft in eine Schieflage bringe und die Verschuldung vieler Importstaaten nach oben treibe. Tatsächlich liegt der deutsche Handelsüberschuss mit mehr als acht Prozent der Wirtschaftsleistung weit über der international vereinbarten Obergrenze, der auch die Bundesregierung zugestimmt hat. Lagarde betonte, es sei "sehr wünschenswert", dass Deutschland den Überschuss reduziere. Dagegen wies Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) den Vorwurf erneut zurück.