Gesine Schwan und DGB-Chef Sommer im Kreuzfeuer der Kritik: Nun warnt auch Bundespräsident Horst Köhler vor Panikmache angesichts der Wirtschaftskrise.
Bundespräsident Horst Köhler hat vor Panikmache angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise gewarnt. "Natürlich ist die Krise beherrschbar", sagte er dem Inforadio des rbb. "Was nicht geschehen sollte, ist: uns selbst erstens in Panik reden. Und zweitens in eine Situation reden, als könnten wir diese Krise am Ende nicht beherrschen - weder im Wirtschaftspolitischen noch im Sozialen."
Bundespräsident Horst Köhler: "Die Krise ist beherrschbar." (© Foto: dpa)
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Unterm Strich habe die Bundesregierung besonnen in die richtige Richtung gehandelt, indem sie sich beispielsweise um internationale Abstimmung bemüht habe. Köhler distanzierte sich damit indirekt von der SPD-Bewerberin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, sowie vom DGB-Vorsitzenden Michael Sommer. Für den Fall einer Verschärfung der Krise hatte Sommer sozialen Unruhen gewarnt. Schwan hatte davon gesprochen, dass die Stimmung explosiv werden könnte. Wenn nicht gegengesteuert werde, könne die Krise zu einer "Gefahr für die Demokratie" werden, sagte sie der Frankfurter Rundschau.
Köhler sagte jetzt: "Ich bin überzeugt davon, dass die Demokratie in Deutschland feste Wurzeln gefasst hat. Und deshalb denke ich, dass die Demokratie in Deutschland auch diese Krise bestehen wird." Der Bundespräsident fügte hinzu: "Ich bin zutiefst überzeugt davon: Die Deutschen sind nicht nur dann Demokraten, wenn's mehr zu verteilen gibt, sondern sie haben dieses Wertekonzept der Demokratie aufgenommen und werden dann auch mit dieser Krise entsprechend fertig werden."
Auch führende SPD-Politiker distanzieren sich von Schwans Äußerungen: "Deutschland ist stark. Es gibt Vertrauen in die, die politisch handeln, in Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände", sagte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Ich denke, dass wir gut aufgestellt sind auch weil wir ein Sozialstaat sind, der den Menschen sagt: 'Wir geben euch Sicherheit.'"
Der Online-Ausgabe der Zeitung sagte Müntefering: "Die Krise muss ein Wahlkampfthema sein." Die Parteien müssten "die Antworten auf die Krise und für die Zeit danach" geben. "Genauso wie wir jetzt im Regieren die Antworten auf die Krise geben, dürfen wir die Menschen nicht im Unklaren lassen darüber, wohin die Reise gehen soll", sagte Müntefering. Auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier warnte vor Panikmache. Im weltweiten Vergleich habe sich die Politik in Deutschland durchaus handlungsfähig gezeigt.
"Saudummes Dahergerede"
FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte DGB-Chef Sommer auf, nicht weiter das Schreckgespenst sozialer Unruhen an die Wand zu malen. Er solle seine unsägliche Äußerung noch vor dem 1. Mai zurücknehmen, sagte er der Rheinpfalz am Sonntag. Schwan müsse sich fragen lassen, ob sie die Chancen ihrer zweiten Kandidatur erhöhen wolle, "indem sie eine explosive Lage herbeiredet, die verantwortungsvolle Politiker gerade verhindern wollen". Der Sozialstaat Deutschland sei ein zu hohes Gut, um es durch fahrlässige Wahlkampf-Zündeleien zu gefährden.
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte gar die SPD auf, Schwan als ihre Kandidatin für die Wahl am 23. Mai zurückzuziehen. "Schwan wird zu einer Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden in Deutschland. Mit ihrem saudummen Dahergerede von sozialen Unruhen provoziert sie die Spaltung unserer Gesellschaft", erklärte Dobrindt.
Mit ungewöhnlich scharfen Worten hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag die Warnungen vor sozialen Unruhen in Deutschland als Folge der Wirtschaftskrise zurückgewiesen. Es sei "völlig unverantwortlich, jetzt Panik zu verbreiten und Ängste zu schüren", sagte die CDU-Chefin.
In ihrer wöchentlichen Videobotschaft beschwor die Kanzlerin am Samstag den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Darauf komme es gerade in Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten an. Dazu leisteten bereits viele Menschen jeden Tag einen Beitrag. Stellvertretend für sie will Merkel am kommenden Donnerstag 200 hauptamtlichen Jugendhelfern "ein ganz herzliches Dankeschön" sagen.
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(dpa/AFP/hai/woja)
Schwan und Sommer übten mit ihren Aussagen keine Panikmache und sollten in ihren berechtigten Sorgen ernst genommen werden. Köhler steht mit seinen Ansichten leider nicht immer wie ein "Demokratie-Gott" über den Dingen des Lebens. Seine Aussagen lassen mitunter auch Widerspruch zu. Das Entstehen sozialer Unruhen kann sich Köhler in seinem umsorgten und hoch gesicherten Umfeld kaum vorstellen. Er lebte und lebt weiterhin in einer gut-bürgerlichen Welt. Sommer und Schwan hingegen erleben die reale Wirklichkeit unseres Landes viel näher. Die Probleme deutlich beim Namen zu nennen ist ehrlicher als nur präsidiale Sprüche zu klopfen. Natürlich muß der arrogante Populist Niebel von der FDP auch noch seinen Senf dazu geben. Seine "Erkenntnisse" und "Orientierungen" aus dem ideologischen Topf des Neoliberalismus sind uns gut bekannt. Es wäre besser, Niebel würde sich mal unvoreingenommen und ehrlich mit Thesen von Karl Marx befassen. Vielleicht fehlt es ihm dazu und Geist und Bereiotschaft.
Ich hab mal nen paar Fragen bzw. Konkretisierungswünsche:
1. "völlig substanzlose "Wert"-Papiere gehandelt werden" Was genau meinst du? Weil Banken handeln für sich selbst so einiges an Börsen...
2. "jetzt fehlen ihnen die nätigen Kriterien und wir haben ein Problem." Ihnen fehlen wofür die nötigen kriterien? Der Satz macht ansich keinen Sinn - zumal Banken bzw. deren Mitarbeiter sehr wohl sehr viel Ahnung von Wirtschaft haben und Investitionsdarlehen auch sehr unterschiedlich besichert werden (und nicht die Immobilien) und je nach Besicherung der zu zahlende Zins variiert.
3. " Die Politik ermöglicht es, daß so die Bank gleich 2 mal zuschlägt: einmal mittels Versteigerung, und dann mittels Steuergelder." Meinst du denn, dass eine Bank wenn ihre Forderung dann ausfällt auch nur annähernd auf ihre kosten geschweige denn den verliehenen Betrag kommt? Seit wann bekommen Banken Steuergelder wenn Forderungen ausfallen?! Sie können/müssen die Forderungen wertberichtigen und diesen theoretischen Verlust vom zu versteuernden Gewinn abziehen, aber ein Steuergeschenk ist das nicht... O_o
Deine wirklich mies unterlegte Bankenkritik ist ziemlich unangebracht - es geht hier darum, das zwei Menschen entgegen besserem Wissen Panikmache betreiben um damit im Lager das sich Panik wünscht ein wenig Symphatien zu erhaschen und nicht um das ewige Lied: "Ichhabzwarkeineahnungvonbankwirtschaftaberallebänkersindverbrecher"
Vielen Dank!
PS: Ich find übrigens Köhler hat Recht - das schlimmste was man in der Krise machen kann ist die Krise auch noch an die Wand zu malen... aufwachen, nach vorne schauen!
haben die Leute Wut. und diese könnte auch steigen. Allerdings glaube ich besteht unbedingt Klärungsbedarf hinsichtlich der Frage, auf was haben die Leute Wut?
Ich denke, es trifft in erster Linie die heute in Verantwortung stehenden Politiker, weil sie
1. es erst ermöglicht haben, daß völlig substanzlose "Wert"-Papiere gehandelt werden durften und
2. sie bis heute nichts unternommen haben, um diesen Fehler wenigstens zu beenden,und
3. die in rasendem Aktionismus unser und das Geld unserer Kinder den Kettbriefschreibern hinterhergeworfen haben.
Wer Geschäftsmann ist der wieß, daß die Banken von Wirtschaft dem Grunde nach garkeine Ahnung haben sondern nach sehr einfachen Maßstäben die Absicherung von Investitionsdarlehen vornehmen, nämlich durch Besicherung von Immoblilien. Und siehe da: jetzt fehlen ihnen die nätigen Kriterien und wir haben ein Problem.
Wer ein kleiner Häuslebauer ist erlebt, daß die Krdeitgebende Bank gerettet wird, aber im Falle einer überraschenden Arbeitslosigkeit er selber den Kuckuk bekommt. Die Politik ermöglicht es, daß so die Bank gleich 2 mal zuschlägt: einmal mittels Versteigerung, und dann mittels Steuergelder.
Diese Wut ist schon längst da, aber Leute wie Sommer, oder Steinbrück oder Schwan lenken von sich selber ab indem sie die Reichen unter Generalverdacht stellen.
genauso ist es.
Spricht jemand die wachsende Wut der Menschen an, dann wird er zum Unruhestifter. Nicht jene, die die soziale Spaltung vorangetrieben haben sind die Übeltäter, sondern jene, die die Dinge beim Namen nennen.
Man tut so, als gäbe es die Krise nicht, also dürfe man sie nicht herbeireden. Man redet statt dessen den Menschen ein, es sei unumgänglich, dass die Steuerzahler für all die toxischen Spekulationspapiere haften müssten. Das erklärt die aggressiven Abwehrreaktion gegen die Warnung von Gesine Schwan:
`Die Krise kann zu einer Gefahr für die Demokratie werden.´
Die Politik, die Experten, die Medien wollen uns Glauben machen, als sei die Krise wie ein Unwetter über uns hereingebrochen. Alle Mittel werden eingesetzt, damit sich bei den Bürgern der Zorn nicht auf die Verantwortlichen richtet. Wer dieses abgekartete Spiel nicht mitmacht gilt als Nestbeschmutzer und soll in einem Staatsamt nichts zu suchen haben. Gesine Schwan darf deshalb nicht Bundespräsidentin werden.
Vorbildlich dagegen Horst Köhler: ´Natürlich ist die Krise beherrschbar´.
Nach ihm liegt die Ursache der Krise weder bei den Bankern noch bei den Politikern, sondern bei uns allen: Wir alle haben über unsere Verhältnisse gelebt. Diese Schuldzuweisung für die Krise passt vorzüglich ins Konzept der Abwiegler. Denn weil wir alle über unsere Verhältnisse gelebt haben, ist es auch richtig, dass wir für die Krise bezahlen.
Die Gehirnwäsche wirkt Horst Köhler ist überaus beliebt.