Für Schauspieler Walter Sittler geht es beim Protest in Stuttgart nicht nur um den Bahnhof, sondern darum, was Politiker nicht tun dürfen. Zum Beispiel sollten sie keinen "irrwitzig" teuren Bahnhof bauen, der schlechter geplant ist als ein Einfamilienhaus.
Der Schauspieler Walter Sittler, 57, bekannt aus den Serien Nikola und Girlfriends, wohnt seit 1988 mit seiner Frau und drei Kindern in Stuttgart. Sittler ist einer der prominentesten Gegner des Bauprojekts Stuttgart 21, bei dem der Stuttgarter Kopfbahnhof einem unterirdischen Durchgangsbahnhof weichen und an eine künftige Schnellstrecke angebunden werden soll. Die Kosten für den Bahnhof und die neue Strecke werden derzeit auf sieben Milliarden Euro geschätzt. Sittler engagiert sich seit November öffentlich gegen das Vorhaben und demonstriert derzeit mehrmals in der Woche dagegen.
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"Der Tiefbahnhof ist Unsinn: Schauspieler Walter Sittler beim Protestmarsch gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. (© dpa)
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sueddeutsche.de: Herr Sittler, geht es bei dem Protest noch um das Bauprojekt an sich oder geht es schon ums Prinzip, wie die Politik mit den Bürgern umzugehen hat?
Sittler: Es geht um beides: Erstens ist der Tiefbahnhof Unsinn, der kann nichts verbessern, dazu ist er zu klein dimensioniert. Zweitens geht es darum, wie Politiker mit den Bürgern umgehen. Wenn man so irrwitzig viel Geld ausgeben will, muss man das begründen können. Eine Wahl ist nicht die Ermächtigung, alles zu machen. Sie ist eine Verpflichtung, zum Wohl der Bürger zu handeln.
sueddeutsche.de: Ministerpräsident und Oberbürgermeister, beide von der CDU, halten den Bau aber für nötig und gut für Entwicklung der Stadt und der Region, gewählte Gremien haben dem Projekt zugestimmt. Ist der Protest nicht unangemessen?
Sittler: Nein. Ständig gibt es neue Erkenntnisse über Risiken und steigende Kosten. Alle Prognosen der Planer mussten nachgebessert werden. Jedes Einfamilienhaus ist sorgfältiger durchdacht. Die Entscheidung für Stuttgart 21 ist getroffen worden, ohne dass man die nötige Entscheidungsgrundlage hatte. Damit fehlt die Legitimation. Das muss man nachholen, indem man jetzt neu entscheidet.
sueddeutsche.de: Landtagsvizepräsident Wolfgang Drexler von der SPD sagt, als Politiker habe er die Aufgabe, auch zu seinen Entscheidungen zu stehen.
Sittler: Ich finde es gut, wenn man zu einer Sache steht. Aber wenn sich rausstellt, dass die Vision nur mit so großen Opfern zu haben ist, wäre es nicht Konsequenz, sondern Sturheit, darauf zu beharren.
sueddeutsche.de: Würde man der Politik Populismus vorwerfen, wenn sie jetzt einlenkt?
Sittler: Der Souverän ist immer noch der Bürger. Ich fände es einfach klug, jetzt die Pläne neu zu prüfen. Ministerpräsident Mappus würde dadurch auch nicht sein Gesicht verlieren. Meinen Applaus hätte er. Schließlich geht es hier nicht gegen Personen, sondern gegen eine Entscheidung.
sueddeutsche.de: Was für eine Lösung für Bahnhof und Neubaustrecke wünschen Sie sich?
Sittler: Man sollte das, was schon da ist, renovieren. Jahrelang ist da nichts mehr gemacht worden. Der Bahnhof könnte ein Glasdach vertragen. Und wenn man die Gleise wieder intensiver wartet, würden auch auf der bestehenden Strecke die Verbindungen wieder schneller - denn das waren sie ja mal: Vor 15 Jahren dauerte die Fahrt von Stuttgart nach München 25 Minuten weniger.
sueddeutsche.de: Wenn das Gleisbett bleibt, wo es ist, bleibt Stuttgart weiterhin zweigeteilt, während die unterirdischen Gleise Platz machen würden für ein neues Baugebiet.
Sittler: Ohne einen vernünftigen Stadtentwicklungsplan macht das keinen Sinn. Und den gibt es immer noch nicht.
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(sueddeutsche.de/mati)
Documenta-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev
Ich verstehe gar nicht, warum immer wieder davon gesprochen wird, dass Stuttgart durch den Bahnhof und sein Gleisbett zweigeteilt ist. Ich lebe seit 64 Jahren in Stuttgart und hatte noch niemals den Eindruck, in einer zweigeteilten Stadt zu leben, und habe das auch noch niemals von jemandem anderen gehört.
Das sind alles so blöde, unverschämte Geschichten, die man auferstehen läßt, um die Menschen, vor allen Dingen diejenigen, die weiter weg sind, davon zu überzeugen, wie gut doch ein neuer Bahnhof für das arme zweigeteilte Stuttgart sein wird.
die Baukosten auf den Fahrkartenverkauf Stuttgart im Abschreibungszeitraum für dieses Industriegut umzulegen. Dazu die erhöhten Betriebskosten durch Anhydrittreiben gegen alle unterirdischen Bauwerke im Wirkbereich.
Dem wäre eine Objektsanierung mit Überbrückungsprojekten dort, wo das Gleisbett die Stadtfunktionen zerschneidet, gegenzurechnen, die sich wohl wirtschaftlich in dieser Lage selbst finanzieren würden.
Mit einer angemessenen und vernünftigen Neuplanung wäre das Problem dann gelöst. Schadensersatzforderungen der Auftragnehmer werden an die Verantwortlichen verwiesen, die dieses angerichtet haben, soweit die Unternehmen selbst nicht Kenntnis über die auch ihnen Verluste zufügenden Umstände haben mußten. Deren Leistungspreise müßten also diese zu erwartenden Risiken bereits eingepreist haben. Eine Hinweispflicht hinsichtlich der Risiken an den Bauherren wäre von fachlicher Seite (Planer, wie Unternehmer) wohl auch gegeben.
Bin gespannt wie es tatsächlich weitergeht!
Schuster wird sich eh wieder verkriechen. Stuttgart heißt alle Gäste herzlich willkommen. Da brauchts keinen OB für.
Schade, dass ich nicht selbst dort sein kann. Ich würde dem Schuster sogar 'ne Flasche "spendieren"...
Der Abriss des Nordflügels hat offensichtlich begonnen, es sollen wohl unumkehrbare Fakten geschaffen werden. Den "Machern" scheinen die Argumente ja bis zum Hals zu stehen...
Unter http://www.parkschuetzer.de/parkschuetzer/11852 findet sich hierzu noch folgende Information bzgl. Denkmalschutz des Bahnhofs:
"...Dabei wurde dem Archtekten Ingenhoven erst gestern nachgewiesen, dass er die Öffentlichkeit in Bezug auf die Meinung des Denkmalschutzamtes belogen hat. Der GANZE Bahnhof einschließlich Teilen der Gleisvorfeldanlagen stehen unter Denkmalschutz. Das Landesdenkmalamt hat dem Teilabriss nie zugestimmt und warnt ausdrücklich, dass bei einem Teilabriss die Denkmalschutzeigenschaft verloren geht."
Es kann also angenommen werden, dass Demonstranten durch die beschleunigten Abrissmaßnahmen zu spontanen und deswegen zum Teil eventuell unüberlegten Aktionen provoziert werden sollen, um diese dann entsprechend weiterverarbeiten zu können, also im Sinne von "Öffentlichkeitsarbeit" ("Chaoten", "Krawallmacher", etc.).
Seltsame Art von Politik, die die "Volksvertreter" da betreiben. Würde ich eher als "Aufstachelung" oder "Aufhetzung" bezeichnen...
Das_K
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