Historischer Tiefstand: Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik sind nur rund 70 Prozent der Bürger zur Wahl gegangen. Die "Partei der Nichtwähler" ist die zweitstärkste Kraft im Land.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik sind am Sonntag mehr als ein Viertel der Bürger nicht zur Wahl gegangen. Der historische Tiefstand der Abstimmung von 2005, als nur noch 77,7 Prozent teilgenommen hatten, wurde damit wie befürchtet noch einmal deutlich unterschritten.
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Nun liegt er wohl nach den Hochrechnungen bei 70,8 Prozent. Bei der ersten Bundestagswahl vor 60 Jahren lag die Wahlbeteiligung bei 78,5 Prozent - dies ist in der Negativhitliste der dritte Platz. Üblich waren mit wenigen Ausnahmen immer Beteiligungen von deutlich mehr als 85 Prozent.
Schon immer galt die Wahlbeteiligung als wichtiger Indikator für den Grad der politischen Beteiligung und des politischen Interesses der Bevölkerung. Diesmal gingen nur 44,3 von 62,2 Millionen Bürgern zur Wahl. Gleich nach der Union ist damit die "Partei der Nichtwähler" mit wohl mehr als 28 Prozent die zweitstärkste Kraft im Land.
Legte man den Stimmanteil der Parteien anhand aller Wahlberechtigter zugrunde (und nicht nur die Zahl der abgegebenen Stimmen), käme die Union auf 24Prozent, die SPD auf 17. Für Schwarz-Gelb hätten demnach etwa 35 Prozent gestimmt.
Bereits am frühen Nachmittag hatte sich die geringe Teilnahme abgezeichnet. Bundeswahlleiter Roderich Egeler teilte mit, dass bis 14 Uhr erst 36,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten - 2005 waren es zu diesem Zeitpunkt noch 41,9 Prozent gewesen. Noch nicht in die Berechnung eingeflossen sind dann allerdings die Briefwähler.
Wegen des in fast ganz Deutschland schönen Herbstwetters hatten die Politiker gehofft, dass die Bürger eventuell erst kurz vor Schließung der Wahllokale ihre Stimme abgeben - nach ihrer Rückkehr vom Sonntagsausflug. Die Hoffnung erfüllte sich freilich nicht.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 28.09.2009)
Russland unter Putin
Man müßte sie nach den Gründen unterteilen. Grob gesagt.
Faulheit, weil man sich nicht an der Politik beteiligen will und einfach die anderen machen läßt und "Nichtwähler aus Protest".
Ich vermute der größte Anteil ließe sich in der ersten Gruppe finden und da meine ich, wer sich für Politik nicht interessiert und sich noch nicht einmal anläßlich von Wahlen beteiligt, der braucht auch keine Ansprüche an den Staat bzw. an die Politik stellen. Der soll sich einfach verwalten lassen.
Insofern vertritt die gewählte Regierung das Volk der Wähler und verwaltet auch die Nichtwähler. Wenn sich die Nichtwähler das gefallen lassen, ist das auch in unserer Demokratie ok.
Hab mir mal die Mühe gemacht, das "richtige" Wahlergebnis zu berechnen, d.h. die Prozentzahlen auf der Basis der WAHLBERECHTIGTEN:
CDU - 24,5
SPD - 16,7
FDP - 10,6
Linke - 8,6
Grüne - 7,8
Sonstige - 4,4
Nichtwähler 27,5
Damit ist klar, dass die Nichtwähler die stärkste "Partei" sind. Die Gründe dafür dürften klar sein.
Was zu denken gibt: Unsere Regierungskoalition wurde von nur 35,1 % der Wahlberechtigten gewählt! Kann man da noch von einer legitimierten Volksvertretung sprechen?? Die Parteien sollten mal aufwachen und sich endlich fragen, woran das wohl liegt...
Wo sind bei uns die Politiker vom Schlage eines Obama, dem man (noch?) vertrauen kann?
Die Nichtwähler sind nicht wie vermeldet zweitstärkste Kraft, sondern die mit Abstand stärkste "Partei". Der Autor begeht den beliebten Fehler, die Prozentzahl der Nichtwähler mit der der abgegebenen Stimme einer Partei, in diesem Fall der CDU/CSU-Fraktion zu vergleichen. Die absoluten Zahlen sind da eindeutig: Nichtwähler und ungültige Stimmen: 18,89 Millionen, CDU/CSU-Wähler 17,04 Mio.
Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, warum über die geringe Wahlbeteiligung lamentiert wird. Da spiegelt sich doch nur das wieder, was bei den Bundestagsdebatten praktiziert wird. Der Plenarsaal ist doch auch immer gähnend leer. Ich erinnere mich an Zeiten, da waren Bundestagsdebatten ein Highlight, die live im Fernsehen übertragen wurden und die Leute hörten begierig zu. Die Abgeordnetenbänke waren gut gefüllt und die Debatten waren durchaus spannend und spritzig, besonders wegen der kritischen bis ironischen Zwischenrufen und den gut pointierten Reaktionen darauf. Obwohl ich damals noch ein Kind war, ist mir z.B. Herbert Wehners Äußerung: das war schon Quatsch vor der Wahl und das ist jetzt noch 'quätscher' völlig präsent.
Wenn ich heute eine Bundestagsdebatte im Fernsehen sehe, scheinen doch nur einige Claqueure anwesend zu sein und die Hanseln der Opposition, die beim Auslosendes unbeliebten Jobs irgendwie Pech gehabt haben und wirklich mitreißende Redner stehen selten am Pult. Da wundert es mich nicht, dass die Menschen das Interesse an der Zusammensetzung ihres Parlamentes irgendwie verloren haben.
und drei Viertel rennen leider immer noch hin. Diesem Land ist weissgott nicht mehr zu helfen.
Was soll ein Mensch, der noch halbwegs denken kann, bei so einer Scheinveranstaltung?