Waffenlobby in den USA Auf Kollisionskurs mit Obama

Ein Demonstrant der Gruppe "Code Pink" hält ein Plakat in die Kameras während einer Pressekonferenz von Wayne LaPierre, dem Vizepräsidenten der National Rifle Association.

(Foto: AFP)

Gegen Druck hilft nur Gegendruck - nach dieser Devise macht Amerikas mächtige Waffenlobby Stimmung gegen die Regierung, die nach dem Amoklauf von Newtown die Waffengesetze verschärfen will. In ihrer Medienoffensive beschränken sich die Lobbyisten aber nicht auf die Politik - auch die Medien selbst geraten ins Visier. Ein britischer Moderator soll abgeschoben werden.

Spät brach die National Rifle Association (NRA) ihr Schweigen. Tagelang schwiegen die Waffenlobbyisten, nachdem Adam Lanza an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown ein Massaker unter Kindern angerichtet hatte.

Doch wer vor dem Hintergrund des Amoklaufs in Connecticut ein Einknicken erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Das Gegenteil war der Fall: NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre ging zum Gegenangriff über, übte heftige Kritik an den Medien, die er für die Amokläufe verantwortlich sah - und forderte bewaffnetes Sicherheitspersonal an den Schulen.

Die Kritik am Gebaren der NRA fiel heftig aus, doch die Waffenlobby geht unbeirrt ihren Weg - und nun auch auf Konfrontationskurs zu Präsident Obama, der nach dem Amoklauf in Newtown die Waffengesetze verschärfen will.

Man werde jede Einschränkung des Rechts auf das Tragen einer Waffe bekämpfen, machte die Lobby in TV-Interviews deutlich. Nicht die Waffen seien das Problem, sondern die Schützen, argumentierte NRA-Präsident David Keene im Sender CBS. Dabei ging er auch auf Menschen mit psychischen Problemen ein. "Ich sage nicht, dass jeder in psychischer Behandlung ein potenzieller Killer ist. Ich sage nicht, dass jeder, der Videos guckt, ein potenzieller Killer ist. Das stimmt nicht. Aber genauso wenig stimmt, dass jeder, der eine Waffe besitzt, ein potenzieller Killer ist."

NRA-Vize Wayne LaPierre kritisierte auch die von Obama zur Waffengewalt eingesetzte Taskforce unter Leitung von US-Vizepräsident Joe Biden. "Wenn das eine Kommission ist, die nur aus einem Haufen Leuten zusammengesetzt wird, die schon in den letzten 20 Jahren versucht haben, den zweiten Zusatzartikel (zur Verfassung) zu zerstören, bin ich nicht daran interessiert, in dieser Kommission zu sitzen", sagte er dem Sender NBC.

Im zweiten Zusatzartikel wird den Amerikanern das Recht auf Besitz und Tragen von Waffen garantiert, was Gegner anzweifeln. Auch ein Verkaufsverbot der von Obama besonders ins Visier genommenen Sturmgewehre und Schnellfeuerwaffen mit großen Magazinen an Privatpersonen lehnt die NRA ab. "Es wird nicht helfen. Es hat nicht geholfen", sagte LaPierre mit Hinweis auf ein bereits zwischen 1994 und 2004 bestehendes Verbot, das unter US-Präsident George W. Bush ausgelaufen und nicht verlängert worden war. "Ich halte das für ein falsches Stück Gesetzgebung, und aus diesem Grund glaube ich nicht, dass es durchkommen wird: Es ist nur auf Lügen aufgebaut, die bereits aufgedeckt sind."

Doch die Waffenlobby beschränkt sich in ihrer Medienoffensive nicht darauf, Druck auf die Politik auszuüben. Sie nimmt auch die Medien selbst ins Visier. So haben Waffenrechtsanwälte eine Petition an das Weiße Haus gerichtet, die eine Auslieferung des britischen CNN-Moderators Piers Morgan verlangt. Bis Montag erhielt die Forderung etwa 30.000 Unterstützer. Das Weiße Haus muss sich zu Petitionen verhalten, wenn diese mehr als 25.000 unterschrieben haben.

Morgan führt seit dem Amoklauf von Newtown eine regelrechte Kampagne gegen die Waffenlobby in den USA. Auf die typisch britische Höflichkeit verzichtet er dabei. In einem Interview hatte Morgan den US-Waffenlobbyisten Larry Pratt einen "unvorstellbar dummen Mann" genannt, als dieser als Reaktion auf die Ereignisse von Newtown mehr statt weniger Waffen forderte. "Sie haben überhaupt kein schlüssiges Argument, Sie scheren sich einen Dreck um die Zahl der Waffenmorde in Amerika."

In welchen Ländern gibt es die meisten zivilen Schusswaffen? In welchen die wenigsten?

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