Auftritt Viktor Orbán vor dem EU-Parlament: Einige Abgeordnete empfangen Ungarns Premier mit Protesten, einer spricht vom europäischen Hugo Chávez. Und Orbán selbst? Der verbittet sich eine Einmischung in innenpolitische Angelegenheiten.
Eigentlich ist es ein Routinetermin: Ungarns Premier Viktor Orbán ist im Straßburger Europaparlament zu Gast, um das Programm seiner EU-Ratspräsidentschaft für die nächsten sechs Monate vorzustellen. Meist ist das ein recht freundlicher Meinungsaustausch mit den Parlamentariern.
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Die Grünen im Europaparlament haben Ungarns Premier mit einer Protestaktion empfangen. (© REUTERS)
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Doch an diesem Mittwoch rechnet selbst der ungarische Premier mit einer stürmischen Debatte: "Ich nehme den Kampf an", hatte Orbán noch provokant in einem Interview mit der Bild-Zeitung angekündigt. Hintergrund ist das umstrittene Mediengesetz, das seit Januar in Ungarn gilt.
Nun also tritt Orbán vor das Parlament in Straßburg: Er trägt einen grauen Anzug, dazu ein weißes Hemd, kombiniert mit einer lilafarbenen Krawatte. Er will gerade zu sprechen ansetzen, da wird er schon vom Parlamentspräsidenten Jerzy Buzek unterbrochen. Der mahnt die Abgeordneten zur Disziplin. Parlamentarier der Fraktion der Grünen sind aufgestanden, einige haben sich den Mund überklebt, sie halten Ungarns Premier Plakate entgegen. Die Schriftzüge von Zeitungen und Magazinen stehen drauf - darunter auf einer blanken Titelseite: "Zensiert".
Orbán stellt das Programm für die nächsten sechs Monate vor: Er präsentiert ein dünnes, grünes Buch mit den Prioritäten der ungarischen Präsidentschaft - unter anderem zur Wirtschaftspolitik, zur Politik gegenüber den Sinti und Roma und zu den Zielen, die Ungarn für die Erweiterung der Europäischen Union setzen will. Im Speziellen strebt das Land einen Beitritt von Kroatien an und eine mögliche Erweiterung der Schengen-Zone um Bulgarien und Rumänien (das Programm der ungarischen Ratspräsidentschaft ist hier online abrufbar).
In seiner halbstündigen Rede lässt er nur eine indirekte Bemerkung zu dem umstrittenen Gesetz einfließen: "Verwechseln Sie die ungarische Innenpolitik nicht mit dem EU-Ratsvorsitz", appelliert Orbán an die Parlamentarier - und wiederholt den Satz, den er schon im Interview mit der Bild angekündigt hatte: "Wenn Sie das tun, dann bin ich zum Kampf bereit." Dies werde dann aber nicht Ungarn schaden, sondern der EU.
Barroso mahnt Änderungen an
Ganz anders hört sich das bei EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso an, der seit seinem vergangenen Treffen mit Orbán um einen versöhnlichen Tonfall bemüht ist. Der Premier habe ihm zugesichert, dass er zu Anpassungen des Gesetzes bereit sei, sollte die Kommission dies für erforderlich halten. Und das tue sie, sagt Barroso: Noch in dieser Woche wolle die EU-Kommission einen Brief an Orbán mit den kritischen Punkten des Gesetzes übergeben.
Orbán, dessen Fidesz-Partei in Budapest mit einer Zweidrittelmehrheit regiert, hat einen Medienrat installiert, der mit Mitgliedern der Regierungspartei und ihr nahestehenden Parteien besetzt ist. Das Gremium soll die Berichterstattung in Presse, Internet, Funk und Fernsehen auf ihre Ausgewogenheit hin kontrollieren und kann hohe, teilweise existenzgefährdende Geldstrafen gegen Verlage und Redaktionen verhängen.
"Ein einseitig besetzter Medienrat kontrolliert, was ausgewogene Berichterstattung ist. Das geht in der Europäischen Gemeinschaft nicht", poltert der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Europaparlament, Martin Schulz. Ähnlich äußerte sich der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff: Er fordert, dass Ungarn die Anwendung des Gesetzes aussetzen solle, bis die Überprüfung der Kommission abgeschlossen sei.
"Ein europäischer Hugo Chávez"
Schulz war schon einmal im Mittelpunkt eines Tumults bei der Antrittsrede eines Ratspräsidenten: Das war 2003, nachdem Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi sein Programm für die EU-Ratspräsidentschaft seines Landes vorgestellt hatte. Unter anderem Schulz äußerte daraufhin Zweifel an seinem Demokratieverständnis wegen eines umstrittenen Immunitätsgesetzes. Italiens Premier fühlte sich beleidigt und verglich Schulz daraufhin mit einem KZ-Schergen.
Auch an diesem Mittwoch zeigen Schulz' Worte Wirkung: Premier Orbán spricht von einer "Beleidigung des ungarischen Volks" - und verteidigt das umstrittene Gesetz nun deutlich gegen die Kritik, die insbesondere von den Sozialdemokraten, den Grünen und den Liberalen kommt. Das neue Gesetz sei wesentlich "demokratischer" als das alte. In den Medien würden Lügen verbreitet: "Sie sind da falschen Tatsachen auf den Leim gegangen", sagt er.
Dann geht es Schlag auf Schlag: Schulz tritt erneut ans Rednerpult. "Sie haben in den nächsten Monaten den Hut des Ratspräsidenten auf und wir wollen, dass Sie Ungarn nicht gegen die Union ausspielen", ruft er in Richtung des Premiers. Der Grünen-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit spricht davon, dass Orbán auf dem besten Weg sei, ein "europäischer Hugo Chávez" zu werden, ein Nationalpopulist, der das Wesen und die Struktur der Demokratie nicht verstehe: "Sie haben uns eingeladen, sich mit Ihnen an den Tisch zu setzen und zu essen. Das hat uns gehörig den Appetit verdorben." Orbán quittiert den Angriff mit einem Lächeln. Aus den Reihen der EVP-Fraktion, zu der auch Orbáns Fidesz-Partei gehört, kommen Buhrufe.
FDP-Politiker hofft auf "Europäisierung Orbáns"
Eine eher nüchterne Einschätzung zur Antrittsrede von Orbán im EU-Parlament gab der FDP-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkaki im Vorfeld ab: "Ich erwarte mir keine Bekehrung", sagte Chatzimarkakis zu sueddeutsche.de. "Aber ich erwarte mir eine Europäisierung Orbáns", so der Politiker weiter. Ziel seiner Fraktion in Straßburg sei es, Ungarns Premier deutlich zu machen, welche Verantwortung er in seiner Position als EU-Ratspräsident trage. "Dieses Gefühl müssen wir ihm vermitteln. Das wird auch sein Denken verändern", sagte Chatzimarkakis.
Der Politiker verwies auf den Umgang der EU mit Österreich im Jahr 2000, als es dort zu einer Regierungsbeteiligung des Rechtspopulisten Jörg Haider kommen sollte. 14 der damals 15 EU-Mitgliedstaaten drohten mit einer Isolierung Österreichs. Die Botschaft: In der demokratischen Wertegemeinschaft der EU solle es keine Regierung unter Beteiligung radikaler antidemokratischer Parteien geben. Haider konnte man schließlich verhindern. Eine Regierungsbeteiligung der FPÖ indes nicht.
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(sueddeutsche.de/dpa/AFP/bavo)
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Betrachte die Geschehnisse in Ungarn mit Besorgnis. Das Mediengesetz ist natürlich der Gipfelpunk. Es ist schon war, dass in den Medien auch viel Blödsinn erscheint, da muss man sich schon zu recht finden. Aber auf keinen Fall möchte man es von oben gesagt bekommt was gut ist und was schlecht ist. Wir brauchen keinen Illusionen haben, der Medienrat, dessen Mitglieder von der regierenden Partei kommen, werden schon wissen was für sie gut ist!
Schon die Reaktion von Viktor Orbán im EU-Parlament , wo er sich wegen den Kritiken, auf die Beleidigung des ungarischen Volkes berufen hat, verrät viel. Das sind die Worte eines Tyranns, der keine andere Meinung duldet, aber kein besseres Argument gefunden hat. Ich fühle mich überhaupt nicht beleidigt, dass das halbe Europa protestiert gegen das ungarische Mediengesetz, sondern im Gegenteil, bin sehr dankbar für die Hilfe.
Verfolge die Geschehnisse in Ungarn mit Besorgnis. Das Mediengesetz ist natürlich der Gipfelpunk. Es ist schon war, dass in den Medien auch viel Blödsinn erscheint, da muss man sich schon zu recht finden. Aber auf keinen Fall möchte man es von oben gesagt bekommt was gut ist und was schlecht ist. Wir brauchen keinen Illusionen haben, der Medienrat, dessen Mitglieder von der regierenden Partei kommen, werden schon wissen was für sie gut ist!
Schon die Reaktion von Viktor Orbán im EU-Parlament , wo er sich wegen den Kritiken, auf die Beleidigung des ungarischen Volkes berufen hat, verrät viel. Das sind die Worte eines Tyranns, der keine andere Meinung duldet, aber kein besseres Argument gefunden hat. Ich fühle mich überhaupt nicht beleidigt, dass das halbe Europa protestiert gegen das ungarische Mediengesetz, sondern im Gegenteil, bin sehr dankbar für die Hilfe.
Herzlichen Dank für diesen Artikel. Die Süddeutsche Zeitung hat wieder bewiesen, dass sie überhaupt keine Ahnung über Demokratie hat, und gleichzeitig indirekt bewiesen hat, dass Herr Viktor Orbán recht hat.
Tatsächlich, Daniel Cohn-Bendit hat überhaupt keine Ahnung von Demokratie, was keine Überrasschung ist, da er hätte längst wegen Verdacht von Pedifile (Google: Daniel Cohn-Bendit Pedofilie) zurückgetreten müssen . Genau wie seiner Vorbild, Nixon.
Der Abgeordnete Jorgo Chatzimarkaki der Lügnerpartei FDP, die bald unter 5% fällt (deswegen wollen sie keine Neuwahl in NRW bzw. nirgendwo in BRD), weil ihre Politik und die Glaubwürdigkeit haben überhaupt nichts miteinander zu tun haben, hat tatsächlich keine Ahnung, was Europa bedeutet. Definitiv nicht primitiv Klientelpolitik und eine lächerliche Erhöhung von dem Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro auf 1000 Euro! Ich erwarte mir tatsächlich eine Europäisierung Chatzimarkaki und der gesamnten FDP. Es wird noch ein langer Weg sein, bis die FDP endlich in Europa ankommt.
Leider ist die sueddeutsche wieder alles ausser ausgewogen. Die Artikel ist sehr einseitig und ungarnfeindlich. Manche Kommentatoren sind gerade ausländerfeindlich (@mungbohne).
Ich emfehle Ihnen einen lesenswerten Beitrag aus der Budapester Zeitung:
"Liebe mitfühlende bundesdeutsche Journalisten,habt recht herzlichen Dank für Euer unermüdliches, aufklärerisches Wirken in Sachen ungarischer Gegenwartspolitik. Ohne Eure präzise Recherche und scharfsinnigen Gedanken hätten sicher viele arglos vor sich hinlebende Ungarn nicht mitbekommen, dass sich ihr Land schon voll auf dem „Marsch in den Führerstaat befindet“ und ihr Premier in Wahrheit ein verkappter „Führer“ ist, mit einem guten Schuss an Lukaschenko, Putin, Berlusconi, Horthy und welche Namen ihr ihm dieser Tage sonst noch anhängt. Da kann einer noch so sehr auf Demokrat machen, Eurem gut geschulten Gespür entgeht kein Bösewicht!"
Quelle:http://www.budapester.hu/index.php?option=com_content&task=view&id=7466&Itemid=27
Bitte lesen Sie es und möglicherweise ändert es Ihre Meinung über das Mediengesetz und Ungarn...
Innere Angelegenheitden der Ungarn? Richtig und unbestritten. Allerdings befindet sich Ungarn (leider!) innerhalb der EU und da gehen solche Machenschaften andere Mitgliedstaaten schon was an.
Also Ungarn wieder raus und dann kann Orban machen was er will und sich Einmischungen vom Hals halten.
Die Ratspräsidentschaft von Ungarn mit so einem Mann an der Spitze zeigt: Die EU folgt dem Euro in die Gosse ...
Paging