Atommülllager Asse Stark erhöhte Radioaktivität gemessen

Das Bundesamt für Strahlenschutz misst im maroden Endlager Asse Höchstwerte von radioaktivem Cäsium - mehr als doppelt so viel wie vor drei Jahren. Verstrahlte Lauge hat sich offenbar in einem Bohrloch angesammelt, doch woher die Radioaktivität genau stammt, konnten die Experten noch nicht feststellen.

Von Michael Bauchmüller

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat erneut massiv verstrahlte Lauge im maroden Atomendlager Asse gefunden. In 750 Meter Tiefe seien bei Proben 240.000 Becquerel des radioaktiven Isotops Cäsium 137 pro Liter festgestellt worden, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Das sei der bislang höchste Wert an Cäsium 137, der seit dem Ende der Einlagerung im Jahr 1978 gemessen wurde. Ein Gefährdung für das Personal bestehe aber nicht.

Cäsium 137 ist ein langlebiges Isotop, seine Halbwertzeit beträgt 30 Jahre. Zuletzt waren im Jahr 2008 hohe Werte gemessen worden - sie lagen mit 90.000 Becquerel pro Liter allerdings damals noch deutlich unter dem neuen Wert. Damals fand sich die Lauge im so genannten Laugensumpf vor Kammer 12, 750 Meter unter der Erde. Der neue Fund ist ganz in der Nähe: Die neue Lauge habe sich in einem Bohrloch, das der frühere Betreiber der Asse, das Helmholtz-Zentrum München, einst angelegt hatte, angesammelt. Damit hat sich die Kontamination in diesem Bereich des Salzstocks binnen drei Jahren mehr als verdoppelt. Auch fanden sich in der Lauge geringe Mengen von Kobalt-60. Dieses Isotop war bisher nur an einer anderen Stelle gefunden worden - nämlich im benachbarten Laugensumpf.

Die Funde des Helmholtz-Zentrums 2008 hatten seinerzeit den Asse-Skandal ausgelöst; damals ließ sich nicht länger verheimlichen, dass sich das Versuchsendlager in einem bedenklichen Zustand befindet. In der Folge übernahm das Bundesamt für Strahlenschutz die Führung der Asse. Seit 2010 wird untersucht, ob sich die 126000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Müll wieder zutage fördern lassen, oder ob sie besser in der Asse eingeschlossen bleiben.

Das Endlager, das 1967 eingerichtet worden war, galt jahrelang als massiv einsturzgefährdet. Bis heute ist nicht bekannt, was in den Fässern genau enthalten ist, mehrere Untersuchungen konnten sich nur auf Teils lückenhaftes Material stützen. Zudem strömt seit 1988 Wasser in den Salzstock ein. Wasser gilt als größte Gefahr für Endlager in Salzstöcken, weil sich das Salz darin löst. Das Wasser kann sich damit einen stetig größeren Weg in die Tiefe bahnen.

Woher die nun gemessene Radioaktivität genau stammt, lässt sich bisher nicht genau feststellen. Allerdings habe die Behörde bereits Maßnahmen ergriffen, um die Mitarbeiter unter tage vor einer Kontamination zu schützen. Eine akute Gefährdung bestehe nicht, auch sammelten sich an der betreffenden Stelle stets nur kleine Menge Lauge. Die Herkunft werde nun untersucht.