Die EU-Reformgegner setzen nach dem Urteil des Verfassungsgerichts darauf, dass sich die Deutschen nun mit der Ratifizierung des Lissabonner Vertrags verspäten. Das bringt die große Koalition in Bedrängnis - mitten im Wahlkampf.
Es ist nun Eile geboten in Berlin. Denn die Karlsruher Verfassungsrichter haben die deutsche Zustimmung zum europäischen Reformvertrag zur Geisel genommen, um eine Änderung des rein innerstaatlichen Begleitgesetzes zu erzwingen. Damit könnte ein sorgfältig austarierter Zeitplan ins Rutschen kommen.
Das Urteil des Verfassungsgerichts setzt die Koalition unter Druck: Je langsamer der Ratifikationsprozess in Deutschland voranschreitet, desto besser für die EU-Gegner (© Foto: AP)
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Der sieht vor, dass der Zustimmungsprozess zur EU-Reform mit dem irischen Referendum Anfang Oktober abgeschlossen wird. Karlsruhe erklärt nun den Lissabon-Vertrag für grundsätzlich verfassungskonform, stoppt aber dessen formelle Ratifizierung; der Bundestag soll erst noch ein neues Begleitgesetz erlassen. Das schafft ein zeitliches Problem.
Politisch könnte das den EU-Gegnern von Nutzen sein. Denn deren letzte Hoffnung ist ein Spiel auf Zeit. Deswegen halten der tschechische Präsident Vaclav Klaus und sein polnischer Kollege Lech Kaczynski ihre Unterschriften unter den Vertrag zurück, obwohl der von den jeweiligen Parlamenten längst beschlossen wurde.
Der eine gibt vor, das irische Votum abwarten zu wollen. Der andere schiebt die Deutschen vor. Erst wenn die ihre Ratifikationsurkunde hinterlegt hätten, will er den Vertrag gegenzeichnen. Auch wenn die beiden Herren durch politische Absonderlichkeiten auffallen, ernst nehmen muss man sie. Denn sie handeln mit einem klaren Kalkül: Wenn es gelingt, den Ratifizierungsprozess bis zu den britischen Wahlen im ersten Halbjahr 2010 zu verschleppen, dann wachsen die Chancen, die Reform noch scheitern zu lassen.
David Cameron, der Chef der britischen Konservativen, hat für den Fall seiner - wahrscheinlichen - Wahl zum Premier bereits angekündigt, dass er, falls die Ratifizierung zu dem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen ist, die britische Zustimmung zurückziehen und den Vertrag einer Volksabstimmung unterwerfen wird. Über deren Ausgang braucht man nicht zu spekulieren.
Eine deutliche Verzögerung bei der deutschen Ratifizierung des Vertrags könnte aber auch dem irischen Nein-Lager wieder Auftrieb geben, das in jüngster Zeit an Unterstützung verloren hatte. Wenn sich die Deutschen verspäten, würde dies der irischen Regierung das Argumentieren schwerer machen. Die will ihre Wähler nämlich damit überzeugen, dass Irland es sich als letztes Land in der Reihe der Ratifizierer nicht leisten könne, den Vertrag zu blockieren und sich so ins Seitenaus der europäischen Entwicklung zu stellen.
Deutsche Regierungen, ob nun rot-grün oder schwarz-rot, haben die Reform der EU wesentlich vorangetrieben. Joschka Fischer hat sie mit einer großen Rede angestoßen. Gerhard Schröder und Jacques Chirac haben sie maßgeblich geformt. Und Angela Merkel hat die wichtigsten Teile des 2005 gescheiterten EU-Verfassungsvertrages in den Lissabon-Vertrag gerettet. Um das alles nicht zu gefährden, müssen Bundestag und Bundesrat bis Mitte September das Gesetz ändern. Das sollte - nein: das muss - trotz Wahlkampf möglich sein.
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(SZ vom 01.07.2009/mikö)
Reiseknigge: Türkei
Bundeskanzlerin Merkel hat unter Termindruck die EU-Verfassung in den Lissaboner Vertrag umgeschrieben. Leider hat sie vergessen, rechtzeitig verfassungsgemäße Begleitgesetze zu schreiben. Das soll nun auch unter Termindruck geschehen. Die Bundeskanzlerin darf dabei nicht schlampig arbeiten. Sonst kommt die nächste Klage vor dem BVG. Sollte das BVG diese Klage annehmen, ist bestimmt kein Termin mehr zu halten.
Die Iren brauchen nun keine Sonderregelungen. Die Kritikpunkte werden durch das BVG-Urteil abgedeckt. Strafrecht, Steuer, militärisches Vorgehen bleibt Angelegenheit der Mitglieder der Union. Das waren die wesentlichen Kritikpunkte der Iren. Vielleicht müssen nun auch die Iren ein neues Begleitgesetz schreiben.
... nach der Überwindung der kapitalistischen Jahrhundertkrise . Vielleicht müssen die Karten danach ganz neu gemischt werden ! Könnte ja sein , dass der ganze schöne EU-Überbau samt Verzierungen durch das grummelnde Erdbeben noch seine Standfestigkeit verlieren wird ...
Nie und nimmer, diese Abgeordneten und Ihre Regierung, denen die totale Unfähigkeit bescheinigt wurde, werden sich sehr beeeilen im Gegensatz zur Vorgabe des BGH
das Wahlrecht endlich demokratisch zu gestalten, was angeblich nicht mehr zu machen ist.
Bürger es ist an der Zeit das Du/Ihr dich bewegst und wählen gehst und das in hoher Zahl.
Der BGH hat für uns entschieden, jetzt sind wir am Zug, zeigen wir den Versagern
und Blendern in Berlin, wo der Hammer hängt, basta.
Der ganze Irrsinn wird mit dem britischen Beispiel deutlich.
Schnell, schnell, wir haben eine Situation in der aus einer Melange von nationalen Mandatsmißbräuchen (keine Volksabstimmungen) und Schmierung (Zugeständnisse für ein erkauftes irisches Votum) etwas durchgewunken werden soll, das schon ein halbes Jahr später nicht mehr dem Willen der Beteiligten entsprechen wird. Die europäische Integration ist an für sich eine tolle Sache. Sex ist auch was Tolles, aber nur wenn er einvernehmlich von statten geht. Und diese Einvernehmlichkeit ist bei der europäischen Bevölkerung nicht zu spüren. Sind die "Lissabonner" nur zu dämlich ihre "Wohltaten" entsprechend zu kommunizieren oder, was wohl zutreffend ist, entsprechen die Vorstellungen der Machtberauschten nicht den Vorstellungen der Völker über ein europäisches Projekt?
Die SPD wäre gut beraten diese notwendigen Nachbesserungen im Wahlkampf zu thematisieren, denn sie betreffen die parlamentarische deutsche Demokratie im Kern, die Ratifizierung zu verzögern und im Wege einer Volksabstimmung (die vermutlich negativ ausfällt) den europäischen Gedanken neu zu denken im Sinne des Volkes.
haben Angst vor dem Bürgerwillen.
Ein Etappenwitz!
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