Bislang waren Wahlkampfspenden von US-Firmen untersagt. Dieses Verbot hat der Supreme Court gekippt - und Kritik von Präsident Obama kassiert.
In den USA können Unternehmen und Gewerkschaften künftig stärker als bisher Einfluss auf den Wahlkampf nehmen. Der Oberste Gerichtshof hob am Donnerstag ein Jahrzehnte altes Verbot jeglicher Wahlkampfwerbung von Firmen auf.
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Supreme Court: Das oberste US-Gericht hat über Wahlkampfspenden von Unternehmen entschieden. (© Foto: AFP)
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Präsident Barack Obama kritisierte das Urteil und kündigte Gegenmaßnahmen im Kongress an. Die Entscheidung öffne "Geldern von Interessenorganisationen in unserer Politik" Tür und Tor, kritisierte er.
Der Supreme Court entschied mit fünf gegen vier Stimmen, dass Firmen die Kandidaten für Präsidentschafts- und Kongresswahlen mit eigenen Anzeigenkampagnen finanziell unterstützen dürfen. Direkte Spenden sind ihnen und Gewerkschaften aber weiterhin nicht erlaubt.
Kritiker der bislang geltenden Regelung hatten argumentiert, das Verbot schränke die Meinungsfreiheit ein und sei daher nicht mit der Verfassung zu vereinbaren. Dieser Auffassung folgte das Gericht mehrheitlich.
Richter Anthony Kennedy sprach in der Entscheidung am Donnerstag von einer langjährigen umfangreichen Zensur. Richter Paul Stevens, der gegen eine Aufhebung des Verbots gestimmt hatte, sah dagegen landesweit "die Integrität gewählter Institutionen" in Gefahr.
Befürworter der bisherigen Gesetze befürchten nun bereits vor den Kongresswahlen im November eine Flut an Geldern von Unternehmen und Gewerkschaften für den Wahlkampf.
Nicht betroffen von der Entscheidung sind sogenannte politische Aktionskomitees, über die Firmen und Gewerkschaften direkt Kandidaten finanziell unterstützen können. Traditionell unterstützen Gewerkschaften eher die Demokratische Partei, Unternehmen stehen eher auf der Seite der Republikaner.
Auslöser des Gerichtsentscheids war ein kritischer Film der konservativen Gruppe Citizens United zur Präsidentschaftsbewerbung von Hillary Clinton im Jahr 2008. Citizens United wollte den 90 Minuten langen Beitrag während des Wahlkampfs über Video-on-Demand im Kabelfernsehen verbreiten und dafür Werbespots schalten.
Bundesgerichte entschieden jedoch, dass er einer ausführlichen Wahlkampfwerbung gleichkomme. Der Film wurde schließlich unter Umgehung der bisherigen Gesetze über das Internet beworben, als DVD verkauft und in einigen Kinos gezeigt.
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(DAPD/bica/gba)
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wann unser Tigerentenclub ähnliches bei uns einführen wird.
Richtig, ein Schritt zur Errichtung einer offenen Plutokratie. Es steckt jedoch mehr dahinter, nämlich ein totaler Verlust von nationalstaatlicher Souveränität. Nur ein Beispiel: Es gibt Sen.- und Rep.-Kandidaten in den USA, die aus patriotischen Gründen wollen, dass nicht EADS/Airbus, sondern Boeing das Tankflugzeug fürs US-Militär baut. Boeing könnte im nächsten Wahlkampf dann offen für diese Kandidaten werben. Umgekehrt jedoch kann EADS North America genauso in den US-Wahlkampf eingreifen und für Kandidaten, die EADS favorisieren, Wahlwerbung machen. Somit nimmt ein nicht-amerikanischer, ausländischer bzw. internationaler Konzern direkten Einfluss auf den Wahlausgang und die Politik der folgenden Legislaturperiode. Und das ist jetzt generell möglich. Dass die USA keine Demokratie mehr sind, dürfte ja jedem mittlerweile klargeworden sein. Aber mittlerweile muss man sich wohl auch fragen: Existieren die USA überhaupt noch? Als souveräne Nation? Mit einem "British subject" als Präsident? Unter dem jetzt vollständigen Einfluss nicht-amerikanischer Interessen? Mit verhökerter Infrastruktur und demnächst verkauften Politikern? Welche Gefahr geht von so einer "corporate dictatorship" aus? Welche Gefahr für den Rest der Welt? Langsam graust's mir.
Man kann diese Entscheidung des obersten Gerichtshofs der USA nur als konsequent ansehen, nämlich als folgerichtigen Schritt zur Errichtung einer offenen Plutokratie. Dann wird wenigstens nicht mehr verdeckt, was jetzt schon der Fall ist, die Herrschaft einiger großer Industriekonzerne, großer finanzkapitalistischer Einrichtungen und deren Banken. Die Bürger in den USA haben deshalb auch guten Grund, ihr Recht auf Selbstbewaffnung zu verteidigen, für den Fall, dass sie sich gegen privatisierte staatliche Gewalt in Unternehmerhand (Blackwater) wehren müssen. Auch so kann ein moderner Faschismus aussehen.
dem Herrn Obama: ausgerechnet er...man staunt.
Andererseits dürfte er die grundsätzlich weitsichtige Witterung haben, wonach für ihn das Thema "Wer finanziert meinen nächsten Wahlkampf?" ohnehin erledigt ist.
Welch ein Populismus - Zusammen mit dem anderen Kommentar hier bei Sz wonach "Endlich tut Obama etwas" - fast schon wieder komisch.
"Kritiker der bislang geltenden Regelung hatten argumentiert, das Verbot schränke die Meinungsfreiheit ein und sei daher nicht mit der Verfassung zu vereinbaren. Dieser Auffassung folgte das Gericht mehrheitlich."
Mir war bis heute gar nicht bewusst, das juristische Personen eine Meinung haben können. Ich frage mal meinen Toaster, was der davon hält...
Paging