US-Vorwahlen Die Treue der Trump-Fans ist grenzenlos

Der Milliardär siegt, obwohl bei seinen Events geprügelt wird. Die Kampagnen der Gegner, die Trump als sexistischen Betrüger und Rassisten darstellen, kommen Monate zu spät.

Von Matthias Kolb, Austin

Von den vier US-Staaten, deren Vorwahlen Donald Trump an diesem Dienstag gewonnen hat, ist dem Milliardär Florida sicher am wichtigsten. Hier, in seiner "zweiten Heimat" besitzt er viele Immobilien wie den Mar-a-Lago-Club in Palm Beach, wo er gerne pompöse Pressekonferenzen gibt. Sein Sieg ist der Knock-out für Marco Rubio und die 99 Delegierten vergrößern seinen Vorsprung erheblich.

Die Ergebnisse der US-Vorwahlen auf einen Blick

Floridas Bedeutung kennen auch jene konservativen Organisationen, Politiker (allen voran Ex-Kandidat Mitt Romney) und Strippenzieher, die seit Wochen versuchen, Trump als Kandidaten der Republikaner zu verhindern. Allein in Florida investierten diverse Gruppen laut Washington Post mehr als 15 Millionen Dollar, um den Wählern klarzumachen, dass Trump "unwählbar" (so der Titel eines Clips) sei. Das Ergebnis? Trump siegt mit knapp 20 Punkten Vorsprung.

Seit Tagen sehen TV-Zuschauer in Florida einen Spot, in dem Frauen vorlesen, was Donald Trump über Frauen gesagt hat. Das geht von "fettes Schwein", "Bimbo" über "Eine flachbrüstige Frau kann nie eine 10 sein" bis zu "Ich mag Kinder, aber ich will mich nicht um sie kümmern. Ich habe das Geld, damit sie das tut." Die Botschaft ist eindeutig: "So spricht Donald Trump über unsere Mütter, Töchter und Schwestern. Stimmt gegen Donald Trump."

Der Clip ist professionell gemacht und potenziell wirkungsvoll - denn schließlich hat auch jeder männliche Wähler eine Mutter/Schwester/Tochter oder Partnerin. Doch dieses Video ist genauso verpufft wie andere Clips, die Trumps Aussagen zum Ku-Klux-Klan dokumentierten.

Wer sich noch fragte, ob die Treue der Trump-Fans Grenzen kennt, der ahnt nach diesem zweiten Super Tuesday: Eher nicht. Die Wut auf Washington und der Wunsch, dass Trump die dortige Elite so richtig durchrüttelt, ist größer als das mögliche Unbehagen über die Aussagen des Kandidaten. Sie haben sich längst entschieden, ihre Hoffnungen in ihn zu setzen - und so stört es nicht, was dieser über Journalisten ("ekelhaft") und Muslime ("Ich glaube, der Islam hasst uns") sagt oder dass seine Anhänger immer brutaler auftreten. Die Anti-Trump-Offensive, sie kommt Monate zu spät.

"Ich werde prüfen, ob ich seine Anwaltskosten übernehme": Das sagt Trump über jenen Mann aus North Carolina, der bei einer Trump-Veranstaltung einem schwarzen Protestierer den Ellenbogen ins Gesicht schlug und anschließend meinte: "Das nächste Mal müssen wir ihn vielleicht umbringen." Bisher hat sich Trump nicht vom gewalttätigen Verhalten distanziert oder eingestanden, dass sein Auftreten und seine Sprüche dieses Klima fördern könnten.

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"Das sind schlimme Sachen, die da über mich gesagt werden"

Dass Kritik von außen die Solidarität der Trump-Anhänger nur verstärkt, ist mehrmals beschrieben worden (etwa hier). Umfragedaten vom Wochenende ließen erahnen, dass die Bilder von den Rangeleien in Chicago und Fayetteville dem Milliardär nicht schaden würden: Für zwei Drittel der Befragten spielt dies keine Rolle; 22 Prozent sagten sogar, dass die Kontroverse die Wahrscheinlichkeit, dass sie für Trump stimmen würden, erhöht habe.

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Dass all diese Attacken seiner Popularität nicht schaden, wundert Donald Trump selbst. Bei seiner Siegesrede sagte der Milliardär, der sonst für alles eine Lösung hat, dass er sich dies nicht erklären könne. Und dann folgt ein typischer Trump-Satz, der so manche ratlos machen dürfte: "Das sind schlimme Sachen, die da über mich gesagt werden. Die meisten Aussagen sind übrigens falsch. Ich würde nicht sagen, dass sie zu 100 Prozent falsch sind, aber zu 90 Prozent schon."

Ausführlich schildert er, wie er bei einem Golf-Turnier, das kürzlich auf seinem Golfkurs Trump National Doral Miami stattfand, die Gäste ständig ablenken musste, damit diese die "hinterhältigen" Werbespots nicht sehen. "Brutal" sei das gewesen, klagt Trump - und es klingt fast so, als sei der Milliardär der Einzige, den diese Negativwerbung zum Nachdenken bringt.

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