Unruhen in Donezk und Charkow Prorussische Aktivisten stürmen ostukrainische Verwaltungen

Nach der russischen Annektierung der Krim protestieren auch im Osten der Ukraine Demonstranten für eine Abspaltung von Kiew. Trotz massiven Polizeiaufgebots dringen Aktivisten in Verwaltungsgebäude in Donezk und Charkow ein und hissen die russische Flagge.

In der ostukrainischen Stadt Donezk haben Dutzende Demonstranten den Sitz der Regionalverwaltung gestürmt und die russische Flagge gehisst. Die Aktivisten befestigten die Fahne an einem Balkon des Gebäudes, was von einer Menschenmenge mit Jubelrufen begrüßt wurde.

Unter den etwa 1500 Demonstranten riefen zahlreiche Teilnehmer "Russland, Russland". Die rund 500 Einsatzkräfte der Polizei beobachteten die Szenerie ohne einzugreifen, brachten jedoch einen Wasserwerfer in Stellung. Donezk ist die Heimatstadt des gestürzten pro-russischen Präsidenten Viktor Janukowitsch.

In der Stadt Lugansk nahe der Grenze zu Russland stürmten pro-russische Aktivisten zudem ein Gebäude der Staatsanwaltschaft. Außerdem attackierten sie die Vertretung des Geheimdiensts SBU. Demonstranten schlugen die Tür ein und warfen Ziegelsteine sowie Rauchbomben. Bei den Krawallen sollen zwei Menschen verletzt worden sein, wie örtliche Medien berichteten.

In Charkow besetzten prorussische Aktivisten die Verwaltung

Der SBU hatte am Vortag die Festnahme von 15 Männern in dem Gebiet bekanntgegeben, die angeblich mit Waffengewalt staatliche Gebäude besetzen wollten. Es war aber zunächst unklar, ob es sich bei den Verdächtigen um moskautreue Kräfte handelt.

In der ostukrainischen Millionenstadt Charkow haben Hunderte prorussische Aktivisten das Gebäude der Gebietsverwaltung besetzt. Die Angreifer hätten eine massive Polizeiabsperrung überwunden, berichteten örtliche Medien am Sonntag. Befürworter einer Abspaltung von Kiew schwenkten die russische Flagge aus dem Gebäude. Zuvor waren bei zwei Kundgebungen insgesamt etwa 1500 prorussische Demonstranten auf die Straße.

Nach der Eingliederung der Halbinsel Krim durch Russland wächst die Sorge, dass die Regierung in Moskau die Lage auch im Osten der Ukraine destabilisieren und Truppen in das Nachbarland einmarschieren lassen könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte Russland vor einem solchen Schritt und drohte mit wirtschaftlichen Sanktionen.

Der EU-Währungkommissar Olli Rehn hat in einem Gespräch mit der FAZ der russischen Führung eine "nachhaltige Erschütterung" der Ordnung vorgeworfen, die sich nach dem Ende des Kalten Kriegs in Europa herausgebildet habe. Er trete entschieden dem Vorwurf entgegen, die EU habe zu den Ereignissen in Osteuropa beigetragen: "Wir haben der Ukraine niemals gesagt, sie müssen sich zwischen Europa und Russland entscheiden." Über die möglichen Motive für das Verhalten Moskaus sagte Rehn der Zeitung: "Erkennbar ist die Absicht Präsident Putins, Herr in einer Eurasischen Union zu sein."