Unangekündigte Reise nach Afghanistan Gauck spricht von "kriegsähnlichen Zuständen"

Eine Woche vor Weihnachten ist Joachim Gauck nach Afghanistan gereist, um Soldaten und zivilen Experten für ihren Einsatz zu danken. Vor Truppen fordert er einen realistischen Blick auf die Lage am Hindukusch - und spricht von "kriegsähnlichen Zuständen".

General Pototzky heißt Bundespräsident Joachim Gauck auf dem Flughafen Masar-i-Scharif willkommen.

(Foto: REUTERS)

Bundespräsident Joachim Gauck hat vor einer zu optimistischen Sicht auf die Lage in Afghanistan gewarnt. Bei einem Überraschungsbesuch in dem Land am Hindukusch sprach er am Montag vor Soldaten von "kriegsähnlichen Zuständen", die noch immer in dem Land herrschten.

Zugleich lobte Gauck die erzielten Erfolge in Teilen des Landes. "Wir sind nicht am Ziel - und doch spreche ich bewusst von Erfolg", sagte er im größten deutschen Feldlager in Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Zugleich äußerte er den Wunsch, die deutsche Debatte über die Situation am Hindukusch möge "weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus" prägen. "Von verwundeten oder getöteten Soldaten hören wir verlässlich - von neuen Stromanschlüssen, gelungenen Unternehmen, erfolgreichen Schulabschlüssen selte", sagte Gauck vor Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern.

Auch dankte das Staatsoberhaupt ihnen für ihren Einsatz."Sie leisten Außerordentliches. Sie bringen Opfer. Sie zeigen Mut." Der Bundespräsident hob das Engagement von Soldaten und zivilen Experten in dem Land hervor. "Sie arbeiten auch daran, hier in Afghanistan diejenigen zu ermutigen, die Frieden, Demokratie und Wohlstand schaffen wollen."

Gauck war am Montag in Afghanistan eingetroffen. Er landete mit einer deutschen Regierungsmaschine direkt auf dem internationalen Flughafen Masar-i-Scharif, wo ihn der Kommandeur des ISAF-Regionalkommandos, Generalmajor Erich Pfeffer, begrüßte.

Die Reise findet unter stärksten Sicherheitsvorkehrungen statt

Aus Sicherheitsgründen war die Reise vorher nicht angekündigt worden. Der Besuch Gaucks findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Der Bundespräsident will sich in den kommenden Tagen vor Ort ein Bild der Lage des Einsatzes und der Stimmung bei den deutschen Soldaten verschaffen. Bei seiner Reise wird Gauck von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt und vom Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, begleitet.

Es ist Gaucks erster Besuch als Bundespräsident in Afghanistan. Auch dessen Vorgänger Christian Wulff und Horst Köhler hatten jeweils einmal während ihrer Amtszeit Afghanistan besucht. Zuletzt war Wulff im Oktober 2011 in das Land am Hindukusch gereist.

Derzeit sind noch etwa 4500 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert. Bis Ende 2014 soll die Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Streitkräfte übertragen werden.

Im November war Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) erstmals mit einem zivilen Regierungs-Airbus direkt nach Masar-i-Scharif geflogen - so wie jetzt auch Gauck. Davor mussten Regierungsmitglieder und andere hochrangige Besucher immer im usbekischen Termes in eine Militärmaschine umsteigen. Der Direktflug soll auch die verbesserte Sicherheitslage im Norden Afghanistans unterstreichen.