Umfrage Fast die Hälfte der Österreicher fand unter Hitler "nicht alles schlecht"

75 Jahre nach dem "Anschluss" zeigt eine Umfrage, wie verbreitet deutsch-nationales Gedankengut in Österreich ist. Mehr als die Hälfte der Befragten würde der NSDAP Chancen bei freien Wahlen einräumen. 61 Prozent wünschen sich einen "starken Mann" an der Spitze des Landes.

Mehr als sieben Jahrzehnte sind vergangen seit dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland. Am 12. März 1938 marschierten Wehrmachts-, SS- und Polizeieinheiten in das Nachbarland ein. Große Teile der Bevölkerung bejubelten damals die de-facto-Annexion Österreichs, in dem der spätere "großdeutsche" Diktator Adolf Hitler zur Welt gekommen war.

Zum Jahrestag dieses Ereignisses wollte die liberale Tageszeitung Der Standard in einer repräsentativen Umfrage herausfinden, wie verbreitet nationalistisches Gedankengut in dem Land weiter ist.

Die Ergebnisse der Studie des Linzer Market-Instituts, die am Samstag veröffentlicht wurde, sind erschreckend. 42 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass "Unter Hitler war nicht alles schlecht" war, wie die Zeitung schreibt. Immerhin 57 Prozent vertreten die Gegenthese: "Es gab an der Hitler-Zeit keine guten Aspekte."

Unter den 502 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten antworteten außerdem 54 Prozent auf die Frage, ob Nationalisten in Österreich mit einer völkischen Ideologie bei Wahlen eine Chance hätten, mit Ja. 61 Prozent der Befragten wollen gerne einen "starken Mann" an der Spitze des Landes.

Das Market-Institut fragte für den Standard: "Es gibt ja in der Politik und der öffentlichen Diskussion immer wieder Aussagen wie zum Beispiel 'Leistungen vom Staat sollte es nur für das eigene Volk geben' und ähnliches. Da gibt es ja grundsätzlich zwei gegenteilige Meinungen, die einen sagen, das ist absolut in Ordnung und richtig (Meinung A), die anderen sagen, das ist eine engstirnige, radikale und beschämende Ansicht (Meinung B). Welcher dieser Meinungen können Sie sich eher anschließen?"

57 Prozent der Teilnehmer hätten daraufhin der Meinung A zugestimmt, so die Tageszeitung, darunter fast alle Befragten, die sich als Wähler der rechtspopulistischen FPÖ bekannt hätten.

Fast unglaublich sind auch die Ergebnisse zur Frage des Standards: "Damals nach dem Anschluss gab es ja massive Ausschreitungen, vor allem gegen die jüdische Bevölkerung in Österreich. Wenn Sie jetzt an das heutige Europa denken, wären solche Ausschreitungen noch vorstellbar oder ist das nicht der Fall?" Nur zwölf Prozent halten solche Ausschreitungen für völlig unmöglich, 32 Prozent halten sie für eher nicht wahrscheinlich - doch eine Mehrheit hält sie für eher schon möglich (39 Prozent) oder gar sehr wahrscheinlich (17 Prozent).

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