Türkei Kurdengebiet in der Türkei: Dreifache Mutter von Granate getötet

  • Im kurdisch geprägten Diyarbakir stirbt eine 38-jährige Mutter bei einem Granatenangriff. Die Stadt ist ein Zentrum der Kämpfe zwischen türkischer Armee und der militanten PKK.
  • Auch in der Stadt Silopi an der türkisch-syrischen Grenze werden fast 30 Menschen bei Kämpfen getötet.

Melek Alpaydin frühstückt gerade, als am Sonntagmorgen eine Granate in ihre Wohnung in der südosttürkischen Stadt Diyarbakir einschlägt. Die 38-jährige Mutter von drei Kindern ist vermutlich sofort tot.

Wie die türkische Nachrichtenagentur Dogan und die französische AFP berichten, ist an der Außenwand des dreigeschossigen Hauses ein großes Einschussloch zu sehen. Im Inneren der im zweiten Stock gelegenen Wohnung liegen blutbeschmierte Frühstücktabletts, Teegläser und Schalen zwischen Trümmern auf dem Teppich, auf dem die Frau gesessen hat. Zahlreiche Frauen stehen am Nachmittag weinend vor dem Haus.

Wer die Granate abgefeuert hat und von wo sie kam, ist unklar. Es seien Untersuchungen eingeleitet worden, heißt es in den Meldungen der Agenturen.

Die getroffene Wohnung befindet sich im Stadtviertel Sur, in dem seit Anfang Dezember wie in anderen kurdischen Städten eine Ausgangssperre gilt. Diese ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die türkische Regierung verschärft gegen kurdische Aktivisten im Land vorgeht.

Fast 30 Tote an der türkisch-syrischen Grenze

Nach Angaben der pro-kurdischen Partei HDP geht mit der Ausgangssperre eine Zunahme der Gewalt türkischer Sicherheitskräfte gegen die kurdische Bevölkerung einher. Allein in Sur seien seit Anfang Dezember zwölf Zivilisten getötet worden. Der türkischen Armee zufolge wurden in Sur 55 "Terroristen" getötet. Da Medienvertreter keinen Zugang zu den Gebieten haben, wo die Kämpfe stattfinden, können sie solche Angaben nicht unabhängig überprüfen.

In der Stadt Silopi, die etwa 300 Kilometer von Diyarbakir direkt an der türkisch-syrischen Grenze liegt, hat das türkische Militär bei einem Einsatz gegen die PKK am Sonntag 29 Menschen getötet, darunter soll auch ein Zivilist sein.

Auch in Silopi hatten die Behörden vor 20 Tagen eine Ausgangssperre verhängt. Nach Angaben der HDP werden in den Vierteln, die unter starkem Beschuss stehen, die Lebensmittel knapp.

Im Juli vergangenen Jahres entflammten nach mehr als zwei Jahren Feuerpause erneut Kämpfe zwischen der PKK und der türkischen Regierung. Vor mehr als zwei Wochen starteten Sicherheitskräfte eine Großoffensive in der Südosttürkei. Es kommt dabei immer wieder zu schweren Gefechten mit PKK-Kämpfern unter anderem in den Städten Silopi, Cizre und Diyarbakir.