Türkei Fußballidol Şükür soll wegen Erdoğan-Beleidigung ins Gefängnis

Soll den türkischen Staatspräsidenten Erdoğan beleidigt haben: Hakan Sükür (m.)

(Foto: AFP)
  • Der ehemalige türkische Fußballer Hakan Şükür wird angeklagt, via Twitter beleidigende Äußerungen über Staatspräsident Erdoğan verbreitet zu haben.
  • Der prominente Stürmer soll bis zu vier Jahre ins Gefängnis. Şükür weist die Anschuldigungen zurück.

Einer der bekanntesten türkischen Fußballer soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft bis zu vier Jahre ins Gefängnis. Hakan Şükür, 44, wird angeklagt, Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan beleidigt und seine abwertenden Aussagen über Twitter verbreitet zu haben.

Auf welche Tweets sich die Staatsanwaltschaft konkret bezieht, ist bislang unklar. Nach dem Willen der Anklagebehörde soll Şükür bis zu vier Jahre ins Gefängnis. Sükürs Anwälte bestreiten die Vorwürfe.

In seiner Fußballerkarriere beim Istanbuler Klub Galatasaray und in der türkischen Nationalmannschaft war Şükür einer der besten Mittelstürmer, Rekordtorschütze des Landes und einer der beliebtesten Sportler der Türkei. Mit Galatasaray gewann er im Jahr 2000 den Uefa-Cup. Zwei Jahre später erzielte er nach elf Sekunden das schnellste Tor der WM-Geschichte - eines von insgesamt 51 Treffern im Trikot der türkischen Nationalmannschaft.

Sükür überwarf sich mit Erdoğan

Nach dem Ende seiner Profilaufbahn im Jahr 2007 wurde Şükür zunächst Parlamentsabgeordneter der Erdoğan-Partei AKP, überwarf sich dann aber mit dem heutigen Präsidenten und trat 2013 aus der Partei aus. Auslöser war der Umgang der Regierung mit der sogenannten Gülen-Bewegung. Şükür gilt als Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der von Erdoğan beschuldigt wird, den Staat unterwandern und die Regierung stürzen zu wollen.

Das Verfahren soll in den kommenden Wochen beginnen. Ob Şükür dann vor Gericht erscheinen wird, ist offen. Der frühere Fußballer hält sich Medienberichten zufolge in den USA auf. Seit Erdoğans Amtsantritt als Präsident vor anderthalb Jahren sind mehr als hundert Verfahren wegen angeblicher Präsidentenbeleidigung eingeleitet worden. Kritiker werfen der Regierung eine zunehmende Einschränkung der Meinungsfreiheit vor.