Tibet-Politik China betont harte Linie gegen Dalai Lama

Zuerst hieß es, die chinesische Regierung lockere überraschend ihre Haltung gegen den Dalai Lama. Das geistige Oberhaupt der Tibeter dürfe wieder religiös verehrt werden dürfen, berichteten asiatische Medien. Doch das Dementi aus Peking folgte prompt.

Deutliches Dementi aus Peking: Die chinesische Regierung hat Berichte zurückgewiesen, wonach das Land seine harte Linie gegen den Dalai Lama ändern wird. Der Dalai Lama ist das geistige Oberhaupt der Tibeter. Bis zur Besetzung des Himalaya-Landes durch chinesischer Truppen übte der Mönch auch die weltliche Herrschaft aus. Seit seiner Flucht nach Indien 1959 gilt der Mönch in Peking als Staatsfeind.

Es gebe keine Änderung der Tibet-Politik, erklärte nun das Büro für religiöse Angelegenheiten der BBC. In einer gefaxten Stellungnahme an den britischen Sender heißt es, Chinas Politik bezüglich des Dalai Lama sei "konsistent und klar."

Zuvor hatten Meldungen für Aufsehen erregt, die ein Umdenken in Peking nahelegten. Erstmals seit 17 Jahren hat China das Verbot von Bildern des Dalai Lama in tibetischen Gebieten versuchsweise gelockert, hieß es. Der im indischen Exil lebende Dalai Lama dürfe als Religionsführer wieder verehrt werden dürfen, wenngleich nicht als politischer Anführer, berichteten Organisationen von Tibet-Aktivisten und der US-amerikanische Sender Radio Free Asia (RFA).

Angeblich sei die Lockerung in Klostern publik gemacht worden. Die neue Politik sei nach offiziellen Aussagen ein "Experiment", hieß es - doch dann kam das Dementi aus Peking.

Zuletzt wuchs die Zahl von Selbstverbrennungen von Tibetern, die damit gegen die Unterdrückung ihres Volkes durch China protestieren wollen.

Das Bilder-Verbot war 1996 eingeführt und seither meist streng durchgesetzt worden. Chinas Führung geißelte den Dalai Lama als "Separatisten", der das Land spalten wolle. Der Friedensnobelpreisträger wurde für die Unruhen 2008 in Tibet und die Selbstverbrennungen verantwortlich gemacht. Allerdings gibt es jetzt auch Rufe nach einer Veränderung der erfolglosen, harten Tibet-Politik. Selbst aus der Parteischule gebe es "neue, mutige Vorschläge", anders mit dem Dalai umzugehen, berichtete die International Campaign for Tibet (ICT).

Menschenrechtler kritisieren Umsiedlungspolitik

Zuvor hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) die chinesische Politik in Tibet massiv kritisiert. Der Organisation zufolge verletzt China massiv die Rechte der tibetischen Minderheit. Zwischen 2006 und 2012 seien im Zuge eines staatlichen Programms mehr als zwei Millionen Tibeter zwangsumgesiedelt worden oder hätten in neue Wohnungen umziehen müssen, hieß es in einem Bericht. Im Autonomen Gebiet Tibet seien "mehr als zwei Drittel der Gesamtbevölkerung" davon betroffen. Zusätzlich seien "hunderttausend nomadisch lebende Hirten" in Regionen wie Qinghai außerhalb des Autonomiegebiets umgesiedelt worden.

Tibeter hätten keine Stimmen, wenn es um politische Entscheidungen über "radikale Veränderungen ihrer Lebensumstände" gehe, kritisierte die HRW-Direktorin für China, Sophie Richardson. In einem "hochgradig repressiven" Umfeld, könnten sie sich nicht zu Wehr setzen.

Dem chinesischen Zensus von 2010 zufolge leben rund 6,2 Millionen ethnische Tibeter in China, davon 2,7 Millionen im Autonomiegebiet. Der HRW-Bericht basiert im wesentlichen auf Interviews mit 114 Auslands-Tibetern, die zwischen März 2005 und Juni 2012 geführt wurden. Die chinesische Regierung wollte den Bericht nicht kommentieren.